„Ich hoffe, das hört nie mehr auf“

4:1 – Arnautovic im Torrausch

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Jubel, Jubel, Jubel: Werders Marko Arnautovic war gestern mit einem Dreierpack der gefeierte Mann in Hoffenheim. ·

Sinsheim - Am ersten Advent hat Werder Bremen gestern gleich vier Kerzen angezündet. Mit 4:1 (2:0) gewann der Fußball-Bundesligist bei der in schweren Turbulenzen steckenden TSG 1899 Hoffenheim und rehabilitierte sich damit für die 1:4-Heimpleite vier Tage zuvor gegen Bayer Leverkusen.

Mit dem zweiten Auswärtssieg der Saison stellten die Bremer als neuer Tabellenachter den Kontakt zu den europäischen Plätzen wieder her. Hauptverantwortlicher dafür war Marko Arnautovic. Mit drei Treffern war er der Brandstifter am Werder-Adventskranz.

Arnautovic ist Österreicher. Was aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass er sich im Schnee am wohlsten fühlt. Denn Marko Arnautovic ist vor allem Wiener, „einer aus der Stadt“, wie er sagt. Und die mögen es gar nicht so gerne, wenn es weiß von oben kommt. „Ich mag den Schnee wohl gerne sehen, aber er muss nicht auf mich herunterfallen“, meint Arnautovic. So gesehen war es perfekt, dass es gestern in Sinsheim nur bis kurz vor dem Anpfiff schneite. Arnautovic, gerade erst von einer Grippe genesen, legte richtig los und schoss den Tabellen-16. Hoffenheim mit dem ersten Dreierpack seiner Bundesliga-Karriere (29., 73., 79.) beinahe im Alleingang ab. „Ich bin überglücklich über meine Tore“, sagte der 23-Jährige nach seiner Gala: „Ich hoffe, dass es jetzt so weitergeht und nie mehr aufhört.“

Die Einzelkritik

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Mit Werder-Treffer Nummer eins hatte Arnautovic allerdings nichts zu tun gehabt. Sebastian Prödl, der zweite Österreicher in der Startelf, brachte die Bremer in der mit 23 500 Zuschauern nur mäßig gefüllten Rhein-Neckar-Arena auf Erfolgskurs. Nach einer Freistoß-Vorlage von Kevin De Bruyne köpfte der Innenverteidiger den Ball per Bogenlampe ins Hoffenheimer Tor (21.). Es war ein Treffer, der nach schleppendem Beginn beider Teams den Kurs für beide festlegte. Die TSG, bei der Trainer Markus Babbel nach der vierten Niederlage in Folge vor der Entlassung steht (siehe Meldung unten), verwandelte sich mal wieder in einen Hühnerhaufen. In ihrer Unbeholfenheit traten die Hoffenheimer mitunter wild um sich. Konsequenz: Stephan Schröck und Sven Schipplock mussten schon nach 37 Minuten gelb-rot-gefährdet ausgewechselt werden.

4:1 gegen Hoffenheim

Werder siegt 4:1 gegen Hoffenheim

Werder hatte die Partie fest im Griff – und das auch ohne Aaron Hunt. Der in dieser Saison bislang beste Bremer fiel kurzfristig mit muskulären Problemen in der Wade aus. Da auch Zlatko Junuzovic gelbgesperrt fehlte, musste Trainer Thomas Schaaf im Mittelfeld improvisieren. Die Wahl fiel auf Kapitän Clemens Fritz und Aleksandar Ignjovski. Beide spielten gut, beide hatten aber mit dem feinsten Spielzug des Tages nichts zu tun. Nils Petersen hatte einen Fehlpass des Gegners provoziert – und dann ging alles ganz schnell. Zu schnell für Hoffenheim. Theodor Gebre Selassie, Arnautovic, De Bruyne-Pass in die Tiefe, wieder Arnautovic – 2:0 für Werder. Ein Klasse-Tor, dem noch vor der Pause zwei weitere hätten folgen müssen. Doch sowohl De Bruyne (45.) als auch Petersen (45.+1) vergaben frei vor dem Hoffenheimer Tor. Ein 4:0 wäre locker möglich gewesen. „Werder“, bilanzierte 1899-Manager Andreas Müller später, „hat uns in dieser Phase am Leben gelassen.“

Dieses „am Leben lassen“, den Sack nicht zuzumachen, wenn sich die Chance bietet, ist oft „unser großes Problem“, monierte Linksverteidiger Lukas Schmitz. Beim 2:2 gegen den VfB Stuttgart (nach 2:0-Führung) hatte es sich beispielsweise schon einmal gerächt. Und auch gestern geriet Werder in Not – selbst gegen einen Gegner, der schon mausetot war. Nach der Pause wurden die Hoffenheimer plötzlich stärker, weil Werder schwächer wurde. Prompt fiel der Anschlusstreffer. Sejad Salihovic (50.) hauchte den Gastgebern neues Leben ein. Hätte der Spanier Joselu danach nur eine seiner drei Großchancen (zweimal parierte Werder-Keeper Sebastian Mielitz) genutzt, wäre die zuvor so einseitige Partie wohl gekippt. „Da sieht man, was passiert, wenn man nur einen Schritt weniger macht“, schüttelte Bremens Coach Thomas Schaaf verständnislos den Kopf. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison.

Aber es gab ja noch Arnautovic. Er beendete die Hoffenheimer Drangphase mit dem 1:3. Einen Freistoß zirkelte er, der sonst mit brachialer Schussgewalt den Erfolg sucht, diesmal mit viel Gefühl über die Mauer ins Netz (73.). Noch schöner das 1:4. Nach Zuspiel des eingewechselten Joseph Akpala drehte sich Arnautovic um Vincenzo Grifo und schlenzte mit links in den Winkel. Der Dreierpack war perfekt. Aber wer Antworten vom nun fünffachen Saison-Torschützen erwartete, woher diese Tor-Explosion kam, wurde enttäuscht. „Ich weiß es selbst nicht“, meinte der Österreicher und wollte auch gar nicht viel über seine Leistung reden. „Ich liebe es nicht, mich selbst zu loben“, sagte er: „Das sollen lieber andere machen – die, die mich sonst kritisieren.“ · csa

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