Einzeltraining und Kabinenverbot

Rausschmiss, zweiter Akt

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Wortlose Ankunft, wortloser Abgang: Eljero Elia schwieg nach seinem Rausschmiss.

Bremen - Werder Bremen hat mit Marko Arnautovic und Eljero Elia kurzen Prozess gemacht. Beide Profis wurden bis zum Saisonende suspendiert, dürfen sich nicht in der Mannschaftskabine aufhalten und werden bis zur Sommerpause isoliert von den Kollegen ein individuelles Trainingsprogramm absolvieren.

Ein Kommentar zum Thema

Damit reagierte der abstiegsgefährdete Club auf das Fehlverhalten des Duos in der Nacht zu Freitag. Ein Verkauf der zwei Problemspieler ist zwar offiziell nicht geplant, erscheint nach Lage der Dinge gleichwohl alternativlos.

Werder-Sportchef Thomas Eichin schloss die Möglichkeit der totalen Trennung von Arnautovic (24) und Elia (26) nicht mal aus: „Was nach der Saison sein wird, werden wir in Ruhe besprechen.“ Er sagte aber auch: „Ich will niemanden verteufeln. Beide spielen in unseren Planungen eine Rolle.“

Eichin wäre freilich kein guter Manager, wenn er etwas anderes verlauten lassen würde. Ein Ass im Ärmel braucht er schließlich noch, falls er mit interessierten Clubs (Zenit St. Petersburg bei Arnautovic? ZSKA Moskau bei Elia?) in Ablöseverhandlungen treten sollte. Arnautovics Vertrag in Bremen läuft noch bis 2014, Elias bis 2016. Dass Werder die einst für den Österreicher gezahlten 8,5 Millionen Euro sowie die im vergangenen Sommer für Elia hingeblätterten 5,5 Millionen Euro wieder reinholt, ist utopisch. Beide haben ihren Marktwert mit dem Beweis ihrer mangelnden Identifikation für den Arbeitgeber selbst in den Keller getrieben. Die nun ausgesprochene Suspendierung tut ihr Übriges.

Arnautovic und Elia waren in der Nacht zu Freitag um kurz nach drei Uhr und damit nur 36 Stunden vor dem Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen auf der Autobahn 1 unterwegs gewesen und dabei wegen stark überhöhter Geschwindigkeit in eine Polizeikontrolle geraten. Damit flog der nächtliche Trip auf, beide wurden im ersten Akt des Rausschmisses als Sofort-Maßnahme aus dem Kader gestrichen, jetzt flogen sie richtig raus. „Wir brauchen momentan eine Mannschaft“, sagte Eichin (mit Betonung auf „Mannschaft“), „und Spieler, die sich der Situation, in der wir uns befinden, absolut bewusst sind. Das haben die beiden mit ihrer Aktion nicht bewiesen.“ Die dauerhafte Verbannung sei „die zum jetzigen Zeitpunkt richtige Entscheidung. Davon sind wir überzeugt“, erklärte Eichin, der das Urteil gemeinsam mit Trainer Thomas Schaaf sowie den Geschäftsführerkollegen Klaus Filbry und Klaus-Dieter Fischer am Vormittag gefällt hatte. Eine zusätzliche Geldstrafe verhängte das Quartett nicht, eine Abmahnung wurde ebenfalls nicht ausgesprochen. „Die beiden sind ausreichend bestraft“, meinte Eichin.

Nach der Beratung beorderte der Manager Arnautovic (26 Saisoneinsätze/5 Tore) und Elia (24/0) zu sich. Als Erster erschien der Österreicher – um exakt 11.15 Uhr betrat er in grauer Schlabberhose die Geschäftsstelle. Um 11.44 Uhr kam er schon wieder raus und traf auf der Straße kurioserweise auf Elia. Kurz flüsterte er dem Niederländer zu, was ihn erwartet, dann verschwand Arnautovic wortlos. Bei Elia ging alles noch schneller. 11.45 Uhr rein, 11.56 Uhr raus – er stieg in den weißen Range Rover seiner Frau und war weg. Kommentar zur Situation? Ebenfalls Fehlanzeige. Mit ausdrucksloser Miene hatte er die Fragen der Medienvertreter an sich abprallen lassen.

Dennoch ist in der Angelegenheit noch nicht das Ende aller Worte gekommen. Arnautovic-Berater Efe Firat Aktas kündigte gegenüber dieser Zeitung an: „Wir werden die Entscheidung des Vereins jetzt erstmal intern und in Ruhe mit Marko besprechen – und schauen, wie wir damit umgehen. In den kommenden Tagen werden wir gegebenenfalls etwas dazu sagen.“

Arnautovic und Elia beim Rapport

Arnautovic und Elia beim Rapport

Klar ist aber: Die Teamgeist-resistenten Spieler werden bei Werder nicht mehr gebraucht. Selbst im Kreis der Mannschaft sind sie nicht gern gesehen. Mittelfeldmann Zlatko Junuzovic traut sich, für alle zu sprechen, wenn er sagt: „Wir stehen voll hinter der Entscheidung des Vereins. Es ist extrem von Marko und Elli, in unserer Situation so einen Scheiß zu machen. Wir brauchen jetzt keine weiteren Turbulenzen, sondern müssen uns voll auf die Partie gegen Hoffenheim konzentrieren. Die Spieler, die jetzt noch da sind, haben kapiert, um was es geht.“

Apropos Hoffenheim: Im Hinspiel hatte Marko Arnautovic seine größte Sternstunde im Werder-Trikot erlebt. Beim 4:1-Sieg gelangen ihm drei Tore – seitdem allerdings kein einziges mehr. · csa/mr

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