Nur eine Trainingseinheit

Anschauungsunterricht im Akkord

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Um die Fehler aus dem Stuttgart-Spiel auszumerzen, blieb Coach Schaaf nur eine Trainingseinheit

Bremen - Es ist die schönste Auswärtsfahrt der Saison. Nicht, weil in Freiburg – statistisch gesehen – häufiger die Sonne scheint als in Bremen. Nein, der Grund, weshalb Werder Bremen immer wieder gerne gen Freiburg fliegt, ist, dass diese Dienstreise fast immer Punkte bringt.

Elf Jahre und zwei Monate ist es nun schon her, dass Werder das letzte Mal beim SC Freiburg ein Spiel verlor. Diese Serie macht Mut, dass die fehlgestarteten Bremer heute (20.00 Uhr) im Breisgau Beute machen.

Thomas Schaaf gibt freilich wenig bis gar nichts auf die zu Orakeln verquirlten Datensammlungen aus der Vergangenheit. „Das kann man sich doch so und so hinschieben“, grummelt der Werder-Coach, der vom Hin- und Herschieben selbst jede Menge versteht. Das hat er gestern beim Training vor dem Abflug gezeigt. Bevor das obligatorische Abschlussspielchen zwischen Startelf und Reservisten begann, redete Schaaf 24 Minuten lang auf die Spieler ein. Er gestikulierte und erklärte. Er sprang von links nach rechts und wieder zurück. Zerrte an den Spielern, kommandierte und dirigierte sie von dieser auf die andere Position. Arbeit im Akkord – denn nach der Partie am Sonntag und dem Auslaufen am Montag blieb gestern nur eine Trainingseinheit, um der Mannschaft zu verdeutlichen, was sie beim 2:2 gegen den VfB Stuttgart falsch gemacht hatte und tunlichst in Freiburg besser machen soll.

Die Bilder vom Training

Werder-Training vor dem Freiburg-Spiel

Es ging um die Organisation auf dem Platz, um das Nachrücken der Viererkette bei Ballbesitz, damit die Räume für den Gegner bei Ballverlust nicht so luxuriös groß sind wie am Sonntag. Und es ging um den Biss im – Achtung, Fußballersprache – Spiel gegen den Ball. Heißt: Wie ein Terrier am Gegenspieler hängen, ihn nicht in Ruhe lassen. Und Schaaf lieferte Anschaungsunterricht, machte vor, was er heute sehen will. „Es war wichtig“, sagte er anschließend, „dass ich das nicht nur in der Kabine mit Worten erkläre, sondern mir die Spieler auch entsprechend hinstelle“.

Ob die Maßnahmen fruchten, muss bis heute Abend noch mit einem Fragezeichen versehen werden. Völlig unstrittig ist aber, dass Werder einen Sieg braucht, um die aufkeimende Unruhe nicht größer werden zu lassen. „Dann hätten wir sieben Punkte nach fünf Spielen – das wäre im Rahmen“, rechnete Aaron Hunt mit neuer Genügsamkeit vor. Zu Beginn der englischen Woche hatte der Vize-Kapitän aus den Partien gegen Stuttgart und Freiburg noch sechs Zähler gefordert. Jetzt wären vier auch okay. Weniger könnten dagegen gefährlich sein. Denn dass das Vertrauen in das eigene Können mit jedem Misserfolg schwindet, ist nur logisch. „Wir müssen“, mahnt Hunt deshalb, „aufpassen, dass wir nicht in eine Negativ-Spirale geraten.“

Im Moment hält sich Werder noch auf dem Sockel der Zuversicht – der mageren Ausbeute von nur vier Punkten aus vier Spielen zum Trotz. „Überhaupt keine Zweifel“ habe er an den Fähigkeiten der Mannschaft, beteuert Innenverteidiger Sebastian Prödl: „Das Positive überwiegt bei uns eindeutig. Aber natürlich müssen wir jetzt auch einen Ertrag erhalten, der an unsere Leistung gekoppelt ist.“

Einfacher sagt es Prödls österreichischer Landsmann Zlatko Junuzovic: „In Freiburg kannst du gewinnen, in Freiburg musst du gewinnen.“ Zumal die Statistik mehr als deutlich für Werder spricht. Doch Schaaf tut gut daran, dem zu misstrauen. Schließlich gibt es immer Ausreißer – auch beim Wetter. Für die Sonnenstadt Freiburg ist morgen Abend Regen angesagt, Wahrscheinlichkeit 100 Prozent. · csa

Die Fakten zum Spiel

- 19 Treffer erzielten die Bremer bei den letzten fünf Auftritten in Freiburg, in denen ihnen immer das 1:0 gelang.

- Die Breisgauer verbuchten in den letzten acht Duellen mit Werder 35 Gegentore und nur einen Punkt – diesen beim 2:2 am 5. Februar unter der Regie von Trainer Christian Streich, mit dem sie zu Hause noch ungeschlagen sind (je fünf Siege und Unentschieden).

- Von den letzten 15 Ligaspielen verlor Freiburg nur zwei: in Dortmund (0:4) und in Leverkusen (0:2). Im gleichen Zeitraum verbuchte Werder nur zwei Siege – 3:0 gegen Hannover am 11. März, 2:0 gegen den HSV am 1. September.

- In dieser Saison verloren die Bremer schon vier Punkte durch Gegentore in den letzten zehn Minuten.

Zu unserem Live-Ticker SC Freiburg - Werder Bremen geht es hier

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