Anruf vom Nationaltrainer hat den Pokal-Retter noch stärker gemacht

Alles Ujah – der Werder-Glückspilz

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Den Ball im Blick – und dann Vollgas: Anthony Ujah hatte dazu in Würzburg allerdings nur selten die Gelegenheit, weil er von den Kollegen kaum in Szene gesetzt wurde.

Bremen - Nach dem TV-Interview mit Radio Bremen fragt Anthony Ujah sofort nach: „War das gut?“ Denn er hat es am Tag nach seinem großen Pokalauftritt komplett auf Deutsch versucht. Natürlich beherrscht der Nigerianer nach vier Jahren in Deutschland die Sprache, aber vor Kameras ist das noch mal eine ganz andere Aufgabe.

Doch der 24-Jährige meistert auch diese, weil ihm bei Werder einfach alles gelingt – wie am Samstag das so wichtige 1:0 beim 2:0-Pokalsieg in Würzburg. Ujah macht Werder glücklich, weil er selbst so glücklich ist – auch wegen einer Nachricht aus der Heimat.

„So habe ich das auch nicht erwartet“, gesteht der Neuzugang aus Köln. Er dachte, er komme in einen großen Verein und müsse sich erst einmal unterordnen. Aber das Gegenteil sei der Fall gewesen: „Jeder hat mir sofort das Gefühl gegeben, dass ich hier eine große Rolle spielen soll. Ich spüre einfach das Vertrauen – das macht mich stolz, das tut sehr gut, und das brauche ich auch.“ Genauso wie eine gute Kommunikation. „Das ist das Wichtigste. Nicht jede Mannschaft spricht gut miteinander. Aber hier kann jeder etwas sagen“, hebt Ujah hervor – und ist immer noch nicht fertig mit seiner Lobeshymne für sein neues Team. Denn es gibt ja noch das Thema Freundschaften. Ujah hatte bei Werder in Franco Di Santo gleich einen guten Kumpel gefunden, und ihn sofort wieder an Schalke verloren. Doch nun betont der Nigerianer: „Werder ist keine Mannschaft, die private Freundschaften zwischen den Spielern unbedingt braucht. Denn hier passt sowieso alles zusammen, jeder kämpft für den anderen. Da ist einfach eine positive Energie in der Mannschaft.“

In der Vorbereitung war die auch auf dem Platz zu sehen. Im ersten Pflichtspiel nur bedingt. Werder tat sich schwer. Ujah auch. Weil er kaum Bälle bekam. Also arbeitete der Stürmer, kämpfte um jeden langen Ball, bot sich immer wieder an, ließ den Ball prallen. Und als er seine erste Chance bekam, schlug er in der Hitze von Würzburg eiskalt zu. „Er ist ein Top-Stürmer. Das macht dann den Unterschied aus“, befand Clemens Schoppenhauer. Der Ex-Bremer im Würzburger Abwehrzentrum hatte in der 103. Minute den entscheidenden Zweikampf gegen den Afrikaner verloren.

Dass Ujah ein Top-Stürmer ist, wissen sie auch in seiner Heimat. Fünf Mal durfte er schon für die „Super Eagles“ ran, vier Mal davon bereits 2013. Danach war die Konkurrenz für ihn allerdings zu groß. Nationalcoach Stephen Keshi lud ihn erst im vergangenen Frühjahr wieder ein. Keshi wurde inzwischen entlassen, Sunday Oliseh sein Nachfolger. Der Ex-Profi vom 1. FC Köln und Borussia Dortmund will eine neue Mannschaft aufbauen – mit Ujah. Oliseh habe sich vergangene Woche bei ihm gemeldet, berichtet der Werder-Profi mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Beim nächsten Länderspiel in Tansania Anfang September soll der Werder-Stürmer dabei sein. Eine Nachricht, die ihm sofort geholfen hat: „So etwas gibt dir ein noch besseres Gefühl. Das ist gut fürs Selbstvertrauen.“

Aber für Ujah auch kein Grund, nun abzuheben. Gleiches gilt für sein erstes Tor. Der 24-Jährige ist eben kein Neuling mehr im Fußball-Geschäft. „Ich darf nicht schlafen“, sagt er und kündigt damit keineswegs Nachtschichten an: „Ich muss weiter hart arbeiten, denn ich kann noch besser werden und noch viel lernen.“ Außerdem zahle sich Arbeit ohnehin immer aus – gerade in schlechten Zeiten. „Ich weiß, dass auch für mich mal schwierige Zeiten kommen werden, wenn ich drei, vier, fünf Spiele nicht treffe. Hauptsache es läuft dann für die Mannschaft, und dafür muss ich auf dem Platz alles geben.“

Bartels als Stürmer ein Chancentod

Worte, die einen Trainer glücklich machen. Und Viktor Skripnik ist sogar sehr glücklich mit der 4,5-Millionen Euro-Verpflichtung: „Wie es mit ihm läuft, davon kann man nur träumen“, schwärmt der Ukrainer von „Toni“. Ein Spitzname übrigens, der Werder-Fans immer ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Denn auch Ailton wurde „Toni“ gerufen. „Er ist eine Legende, er hat so viele Tore gemacht“, sagt Ujah voller Ehrfurcht: „Wenn ich hier so eine Karriere machen würde, wäre das wunderbar. Aber ich weiß, bis dahin wartet noch ganz viel Arbeit.“

kni

Werder Bremen im DFB-Pokal in Würzburg

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