Interview mit Aufsichtsrat Marco Bode

„Angst ist tödlich“

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Mit Thomas Schaaf wird in der öffentlichen Bewertung zu hart umgegangen, meint Werder-Aufsichtsrat Marco Bode: „Er kriegt die ganze Kritik ab, und das ist nicht fair.“ ·

Bremen - Marco Bode und Thomas Schaaf kennen sich seit 25 Jahren. Da kriegt man mit, wie der andere tickt. Und Bode, einst Teamkollege von Schaaf, dann sein Spieler, jetzt als Mitglied des Werder-Aufsichtsrates so etwas wie ein Vorgesetzter des Bremer Trainers, weiß: Zurücktreten wird der in die Kritik geratene Coach nicht – und ist die Krise auch noch so groß.

„Ein Thomas Schaaf wird hoffentlich erst dann freiwillig aufhören, wenn er es allen noch einmal bewiesen hat“, sagt Bode im Interview. Der Ex-Profi und Werder-Ehrenspielführer stellt Schaaf zwar „keine lebenslange Jobgarantie“ aus, vertraut ihm aber auch in der aktuell prekären Situation. Bode nimmt die Spieler in die Pflicht, er appelliert an die Fans und legt das Heft des Handelns in die Hände von Geschäftsführer Thomas Eichin: „Er hat den Hut auf.“

Herr Bode, machen Sie sich Abstiegssorgen?

Marco Bode:Nein – noch nicht. Aber dieses „Noch“ ist schon vielsagend. Wir dürfen diese Situation nicht unterschätzen. Es hat schon mal den einen oder anderen erwischt, der nicht damit gerechnet hat.

Was ist jetzt zu tun?

Bode:Wir können jetzt hin und her diskutieren, aber am Ende müssen es die Spieler auf dem Platz richten. Es ist spürbar, dass sie Schwierigkeiten haben, mit dieser Situation umzugehen. Vertrauen ist das A und O im Fußball – und das ist Moment nicht ausreichend vorhanden. Das müssen die Spieler wieder bekommen.

Vertrauen Sie Trainer Thomas Schaaf, dass er das schafft?

Bode:Ja. Ich bin davon überzeugt, dass das Team und Thomas das schaffen werden.

Viele Fans sehen das allerdings anders.

Bode:In so einer Situation ist es völlig normal, dass es in der Öffentlichkeit eine Trainerdiskussion gibt. Aber daran werde ich mich nicht beteiligen. Wir haben als Aufsichtsrat Thomas Eichin gefunden, und er hat nun im sportlichen Bereich den Hut auf. Und auch in ihn habe ich großes Vertrauen.

Dürfte denn ein Thomas Eichin nach erst wenigen Wochen im Amt überhaupt ein Trainerdenkmal wie Thomas Schaaf entlassen?

Bode: Thomas Eichin ist vollwertiges Mitglied der Geschäftsführung, genauso wie Klaus Filbry und Klaus-Dieter Fischer. Es gibt aber keine Alleingänge, die Geschäftsführung wird immer als Team Entscheidungen treffen.

Ist Thomas Schaaf nach 14 Jahren bei Werder unkündbar?

Bode:Natürlich werden hier Trainer nicht so schnell entlassen wie anderswo. Aber auch ein Thomas Schaaf hat keine lebenslange Jobgarantie. Und er kann sich auch nicht nur selbst entlassen, wie es gerne behauptet wird. Thomas Eichin hat ja in den vergangenen Wochen einen unbelasteten Blick auf die Dinge werfen können und gesagt, dass er weniger die Institution Schaaf, sondern viel mehr seine aktuelle Arbeit beurteilt – und die ist gut. Damit ist alles gesagt.

Können Sie sich vorstellen, dass Thomas Schaaf irgendwann seinen Rücktritt anbietet?

Bode:Nein! Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich hoffe vielmehr, dass er kämpft und uns da unten rausholt und dann in der nächsten Saison wieder angreift. Ein Thomas Schaaf wird hoffentlich erst dann freiwillig aufhören, wenn er es allen noch einmal bewiesen hat.

Diese Saison ist ihm das nicht gelungen. Ist der im Sommer vollzogene Umbruch gescheitert?

Bode:Es ist definitiv nicht so aufgegangen, wie man sich das erhofft hat, das kann man nicht leugnen. Das sollte auch genau analysiert werden. Das machen wir allerdings intern und nicht öffentlich.

Fokussiert sich bei der Bewertung des Umbruchs zu viel auf Thomas Schaaf, nachdem Sportdirektor Klaus Allofs den Club Richtung VfL Wolfsburg verlassen hat?

Bode:Das kann man schon so sagen. Nach dem Weggang von Klaus Allofs kriegt er die ganze Kritik ab, und das ist nicht fair. Aber natürlich ist es auch immer das Problem der Trainer, dass sie besonders im Fokus und manchmal in der Kritik stehen.

Es wird kritisiert, bei Werder sei alles zu eingefahren, der Club schmore zu sehr im eigenen Saft.

Bode:Es ist doch klar, dass in schlechten Phasen nach Schuldigen gesucht wird. Die einen entdecken da den Trainer, die anderen Willi Lemke – und so weiter. Fakt ist aber auch: Die Kontinuität in der Clubführung und auf dem Trainerposten war immer eine große Stärke des SV Werder. Natürlich müssen wir alles hinterfragen. Aber es gibt doch auch Neues von außen – zum Beispiel Thomas Eichin. Er hat die Freiheit, einen frischen Blick auf die Dinge zu werfen. Und das haben wir uns gewünscht. Er sollte sich aber nicht von den Medien oder den Fans unter Druck setzen lassen, sondern er sollte das tun, was er für richtig hält. Wir als Aufsichtsrat vertrauen da ihm und der Geschäftsführung.

Was würde ein Abstieg für Werder bedeuten?

Bode:Das Wort Abstieg hat in meinen Vorstellungen bislang keine Rolle gespielt – und ich will mich damit auch nicht beschäftigen. Wir müssen das in jedem Fall verhindern, und das werden wir auch.

Was bedeutet es, dass Werder im dritten Jahr in Folge nicht international vertreten sein wird?

Bode: Wirtschaftlich macht vor allem die Champions League den Unterschied, die Europa League ist nicht ad hoc eine Goldgrube, da muss man schon sehr, sehr weit kommen. Aber natürlich haben wir an Renommee verloren, das wir uns wieder erkämpfen müssen. Und das geht nur über die internationalen Wettbewerbe. Dies zweifellos herausfordernde Ziel soll unser neues sportliches Dreieck – Thomas Eichin, Frank Baumann und Thomas Schaaf – gemeinsam angehen. Im Prinzip wird es im Sommer wieder einen Neuanfang geben.

Also wird der Trainer auch nächste Saison Thomas Schaaf heißen?

Bode:Natürlich. Wir wollten dieses sportliche Dreieck, nun müssen wir ihm auch die Chance geben, sich zu beweisen.

Was erwarten Sie in dieser prekären Situation von den Fans?

Bode:Ich möchte hier keine Erwartungen äußern oder gar Forderungen stellen, ihre Enttäuschung ist mehr als verständlich. Ich möchte nur als ehemaliger Spieler etwas erklären: Wenn du in Heimspielen raus gehst und diese Unruhe auf den Rängen spürst, dann überträgt sich das, und es entsteht erst recht eine Angst zu versagen. Und Angst ist tödlich! Mein Wunsch wäre: Die Spieler zeigen vollen Einsatz, und die Fans verzeihen ihnen Fehler. Jetzt heißt es einfach zusammenhalten. · kni

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