Die Angst als ständiger Begleiter

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Per Mertesacker bejubelt seinen Ausgleich gegen Hannover. Das 1:1 war aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Von Arne Flügge · Zwölf Spieltage sind es noch, nur noch zwölf möchte man sagen. Denn mit jeder nicht gewonnenen Partie zieht sich die Schlinge um den Hals von Werder Bremen weiter zu. Beim 1:1 gegen Hannover 96 verpassten es die Hanseaten wieder einmal, sich etwas aus dem Würgegriff des Abstiegskampfes zu befreien.

Unterm Strich hat das Remis zwar den Absturz auf Relegationsplatz 16 verhindert, doch als Tabellen-14. ist die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf weiter nur einen Punkt davon entfernt. Die Lage ist bedrohlich, und die Angst vor der Zweiten Liga ist jetzt mehr denn je ein ständiger Begleiter der Bremer.

„Es wird von Woche zu Woche enger“, weiß Torsten Frings und startet dabei gar nicht erst den Versuch, das Unentschieden gegen Hannover als Anfang vom Ende der Krise auszurufen; trotz vieler positiver Ansatzpunkte. „Wir wissen, dass wir in einer prekären Situation stecken. Die Lage ist ernst, und wir müssen aufpassen, jetzt nicht auf einen Abstiegsplatz zu rutschen“, warnte der Bremer Kapitän.

Das könnte schnell passieren. Am Sonnabend steht das Nordderby beim Hamburger SV an, eine Woche später kommt der Tabellenzweite aus Leverkusen ins Weserstadion. Holt Werder aus diesem beiden Spielen nicht mindestens vier Punkte, sieht es düster aus. Zudem schläft die Konkurrenz im Abstiegskampf nicht. „Unentschieden bringen uns nicht weiter, wir müssen Siege einfahren“, hat Torwart Sebastian Mielitz, der seiner Mannschaft in der Schlussphase das Remis gerettet hatte, richtig erkannt. Und Rechtsverteidiger Clemens Fritz meinte: „Unten in der Bundesliga ist alles sehr, sehr eng. Ein Sieg wäre daher wichtig gewesen.“

Mut macht die kämpferische Leistung, mit der die Bremer den Tabellenvierten aus Hannover am Sonntagabend an den Rand einer Niederlage brachten. „Wenn wir weiter so ackern und Gas geben, dann werden wir auch wieder gewinnen und die Punkte holen“, ist Frings zuversichtlich.

Doch was nützen 11:3 Ecken und 67 Prozent Ballbesitz, wenn auf der anderen Seite weiterhin die zum Teil haarsträubenden Fehler in der Defensive stehen? Die wurden – zugegeben – zwar in den letzten zwei Wochen minimiert, doch immer noch resultieren dumme Gegentore daraus.

Wie am Sonntag, als zunächst Sebastian Prödl Gegenspieler Schlaudraff nicht beim Pass gestört hatte, dann sowohl Mikael Silvestre als auch Per Mertesacker Hannovers Topstürmer Ya Konan nicht am 1:0 (26.) hinderten. „Da haben wir uns aufeinander verlassen und wurden überrumpelt“, räumte Mertesacker ein. Fehler, die im Abstiegskampf tödlich sind. „Wir sind zu einfach in Rückstand geraten“, monierte Fritz.

Aber nicht nur die Fehler in der Defensive muss Werder schleunigst abstellen. Im Spiel nach vorn – und das scheint das noch viel größere Problem zu sein – fehlt einfach die Durchschlagskraft, die Effektivität. Kurzum: Es fehlen die Tore. Chancen werden kaum erarbeitet, und wenn sich einmal die Möglichkeit bietet, sind die Bremer einfach nicht eiskalt genug. „Wir haben es geschafft, den Gegner in Not zu bringen“, bilanzierte Trainer Thomas Schaaf: „Wir haben die Szenen zwar gut vorbereitet, aber wir haben es dann nicht richtig zu Ende gebracht.“

Nur, wer soll das tun? Claudio Pizarro hat sich erneut am Oberschenkel verletzt und fällt erstmal aus. Marko Arnautovic, gegen Hannover 96 zweite Sturmspitze, war zwar bemüht, aber überhaupt nicht torgefährlich. Ein Kopfball, ein Torschuss – das ist seine niederschmetternde Bilanz. Damit ist der Österreicher in der Bundesliga seit nunmehr 1018 Minuten ohne Treffer. Zuletzt gelang ihm am zweiten Spieltag gegen Köln ein Doppelpack. Die Geduld mit Arnautovic hat sich bislang nicht ausgezahlt.

Stürmer Nummer drei ist Denni Avdic, der zwar langsam besser wird, aber noch längst nicht als der Retter im Abstiegskampf gefeiert werden kann. So ist es nicht verwunderlich, dass außer Pizarro (2) in der Rückrunde kein Offensivspieler getroffen hat. Zweimal Innenverteidiger Per Mertesacker (gegen Bayern und jetzt Hannover) und einmal Abräumer Frings (gegen Hoffenheim) machen die erst fünf Bremer Tore nach der Winterpause komplett. Schrecken verbreitet Werder damit bei den Gegnern nicht gerade. „Die Arbeit hört nicht auf“, sagte Schaaf: „Uns ist klar, dass wir uns da nur selber rausziehen können.“ Noch ist zwölf Spieltage Zeit . . .

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