Was Werder im neuen Jahr erwartet:

2017 wird bestimmt nicht langweilig

GER, 1. FBL, TSG 1899 Hoffenheim vs SV Werder Bremen
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Kann er gehen? Will er gehen? Diese zwei Fragen werden die Diskussion um Serge Gnabry in 2017 bestimmen. 

Bremen - Von Carsten Sander. Hallo, 2017! Das neue Jahr ist da – und mit ihm die Frage: Wie wird’s wohl werden für Werder Bremen? Ähnlich turbulent wie 2016 – mit Last-Minute-Klassenerhalt, Geschäftsführerwechsel, Trainerentlassung? Oder doch ein bisschen bedächtiger? Klar ist jetzt schon: Langeweile wird gewiss nicht aufkommen – was der Blick auf 17 Themen, Wünsche, Aufgaben und gute Vorsätze für 2017 erahnen lässt.

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Es ist die Masterfrage in den ersten Wochen oder Monaten des Jahres: Wie geht es weiter mit Chefcoach Alexander Nouri? Geht es überhaupt weiter? Der aktuelle Vertrag des Cheftrainers endet im Sommer, Gespräche über eine Verlängerung will Sportchef Frank Baumann irgendwann in den kommenden Wochen führen. Er lässt sich Zeit. Was einerseits vernünftig ist – schließlich hat Baumann gerade das Desaster mit Nouri-Vorgänger Viktor Skripnik hinter sich. Zur Erinnerung: Der bekam von ihm im Juli die Vertragsverlängerung vorgelegt und im September die Entlassungspapiere. Andererseits: Werder betont stets, wie wichtig es ist, den Trainer zu stärken. Dafür reicht das mündlich ausgesprochene Vertrauen irgendwann nicht mehr. Werder muss Fakten schaffen.

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Apropos Fakten: Auf die darf man auch (und ganz speziell) bei Claudio Pizarro gespannt sein. Die Frage, ob der 38-Jährige seiner scheinbar unendlichen Karriere noch eine Saison in Bremen hinzufügt, wird die grün-weiße Welt spätestens ab dem Frühjahr bewegen. Viel wird bei der Entscheidungsfindung davon abhängen, ob Pizarro nach der verletzungsreichen und letztlich auch deshalb für ihn torlosen Hinrunde wieder eine bessere Rückrunde folgen lässt. So wie beim letzten Mal, als die zweite Halbserie ein in zwölf Tore gekleideter Traum war. Also: Ende für eine Legende oder nochmal Pizarro-Wahn an der Weser? Wenn er aufhören sollte, muss Werder einen Nachfolger präsentieren. Was fraglos zu den kniffligsten Aufgaben gehören würde.

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Weil wir gerade beim Thema Rücktrtitt sind: Clemens Fritz kennt sich damit bestens aus. Er beherrscht sogar den Rücktritt vom Rücktritt. Vor einem Jahr hat er das Karriereende nochmal verschoben – und aktuell wackelt die Waage wieder unentschlossen hin und her: hier die Zeit, um sich die Welt anzugucken, dort Werder. Entschieden sei noch nichts, hat Fritz zuletzt gesagt. Trotzdem hier eine Prognose: Der Kapitän macht am Saisonende Schluss.

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Sollte der alte Kapitän gehen, muss ein neuer her. Kandidaten? Philipp Bargfrede ist sicher einer. Niklas Moisander vielleicht. Oder Zlatko Junuzovic, der aktuelle Stellvertreter.

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Kapitän? Das kann doch auch Thomas Delaney machen! Beim FC Kopenhagen hat er das Amt jedenfalls ausgefüllt, morgen wird der dänische Nationalspieler nun als Neuzugang in Bremen vorgestellt. Als Fritz-Nachfolger auf dem Platz ist er sowieso eingeplant, vielleicht übernimmt er ja auch dessen Amt. Das würde allerdings voraussetzen, dass sich Delaney als sportlicher und menschlicher Volltreffer erweist. Beides ist denkbar, der 25-Jährige wird jedenfalls mit großen Erwartungen empfangen – die lassen sich ungefähr so zusammenfassen: Delaney soll das Mittelfeld nach hinten abdichten und nach vorne torgefährlicher machen. Beides könnte Werder gut gebrauchen.

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Einer, der definitiv weiß, wo das Tor steht, ist Serge Gnabry. Mit sieben Treffern ist er aktuell mit Abstand die Nummer eins im werder-internen Torjägerranking. Jedoch: Es lastet ein – nein, sprechen wir noch nicht von Fluch, nennen wir es Kuriosum – auf seinen Treffern. Denn bislang hat Werder mit den Gnabry-Toren bestenfalls ein Unentschieden erreicht, aber noch keinen Sieg. Das zu ändern, liegt gewiss im Interesse aller.

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Wer das Thema Serge Gnabry anfasst, kommt an der Diskussion um die angebliche Ausstiegsklausel nicht vorbei. Hat er nun eine oder hat er keine? Klar hat er eine. Das gepaart mit seinen Leistungen macht Gnabry natürlich attraktiv für Clubs aus den Etagen über Werder. Die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass sich der Ex-Arsenal-Jungstar im Sommer ernsthaft mit dem nächsten Schritt auf der Karriereleiter befassen darf. Die Bayern gelten schon lange als nächste Station des 21-Jährigen, aber auch dem SSC Neapel wird Interesse nachgesagt. Die Bremer Fans werden also mal wieder um einen ihrer Lieblinge zittern müssen.

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Bayern München – für die meisten Werder-Fans ist der Rekordmeister ein rotes Tuch. Nicht nur wegen Gnabry, sondern auch wegen dieser Ergebnisse: 0:6, 0:5, 0:1, 0:4, 0:6, 2:5, 0:7, 1:6 – das sind hübsch aufgelistet die Bremer Niederlagen in den letzten acht Bundesliga-Partien gegen die Münchner. Gruselig, gruselig! Die Serie der Blamagen muss in 2017 endlich beendet werden. Nächste Chance: 28. Januar, 15.30 Uhr, Weserstadion. Vielleicht geht ja was...

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Vielleicht gibt es aber auch die nächste Packung gegen die Bayern, und Werder rauscht weiter Richtung neuer Tiefpunkt in Sachen Gegentore. 65, 65, 66 und nochmal 66 waren es in den vergangenen vier Spielzeiten – und der aktuelle Stand lässt eher eine Verschlechterung als Verbesserung erwarten. In 16 Spielen der laufenden Saison hat es schon 34 Mal eingeschlagen bei den Bremern. Verzweifelt stellt sich die Frage: Hört das denn nie auf? Es muss. Denn es ist verwunderlich genug, dass Werder mit den Gegentoren der vergangenen Jahre jeweils die Liga gehalten hat. Immer funktioniert das nicht.

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Ergänzende Zusatznotiz zur Gegentorstatistik: Werder geizt gewaltig mit Spielen ohne Gegentor. Nur eines war es in der vergangenen Saison, ebenfalls bislang nur eines in der laufenden Serie. Es darf gerne erhöht werden.

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So ein „zu Null“ bekommt vor allem dem Torhüter gut. Womit ein weiteres zentrales 2017-Thema erreicht wäre. Ein neuer Mann fürs Tor muss her! Felix Wiedwald ist zweimal in einer Halbserie degradiert worden, Jaroslav Drobny ist mit 37 Jahren kein Mann für die Zukunft. Und Michael Zetterer (21), derzeit Keeper Nummer drei, wird zwar irgendwann der Stammplatz in der Bundesliga zugetraut, aber dieses „irgendwann“ ist im Sommer wohl noch nicht erreicht. Zudem hat Zetterer sich bereits zweimal das Kahnbein der linken Hand gebrochen – diese Anfälligkeit birgt ein Risiko für die Zukunft. Werder braucht folglich eine Lösung von außen. Koen Casteels könnte diese Lösung sein, doch der Belgier vom VfL Wolfsburg wird offenbar auch aus Italien umworben. Der SSC Neapel und AC Florenz gelten als Interessenten. Wer, wenn nicht Casteels, könnte Werder also helfen? Die Kandidaten stehen nicht gerade Schlange.

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Nicht nur auf der Torwart-Position wird bei Werder im kommenden halben Jahr einiges geradegerückt, im gesamten Kader besteht Justierungsbedarf. Wobei: Reduzierungsbedarf trifft es besser. Mit 34 Profis auf der Gehaltsliste haben die Bremer das Jahr 2016 verlassen, nun wird abgespeckt. Lennart Thy (per Leihe an den FC St. Pauli) ist der Erste, der geht. Weitere Spieler werden folgen. Thanos Petsos, Lukas Fröde (siehe Extra-Meldung), Janek Sternberg, Sambou Ya-tabare, Fallou Diagne – sie alle stehen auf der Verkaufsliste. Da werden in Bremen einige schnieke Wohnungen frei. Und im Sommer wird es so weitergehen. Möglich ist, dass Florian Grillitsch seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängert. Ob sich Santiago Garcia und der SV Werder auf eine weitere Zusammenarbeit verständigen werden, ist offen. Raphael Wolfs Zeit in Bremen ist dann ganz sicher abgelaufen. Justin Eilers und Florian Kainz sind – Stand jetzt – Wechselkandidaten für den Sommer. Maximilian Eggestein auch, wenn er nicht schon im Winter geht.

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Eggestein – ein gutes Stichwort: 2017 müsste das Jahr werden, in dem Johannes, der jüngere der beiden Brüder, die Bundesliga-Bühne betritt. In 2016 war das dem 18-jährigen Top-Talent noch nicht vergönnt gewesen. Weshalb sich nicht ermitteln lässt, wie top das Talent tatsächlich ist.

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Nordderby! Das darf in keinem Ausblick fehlen, schließlich sind die Duelle mit dem Hamburger SV stets Highlights des Jahres – wenn sie denn gut ausgehen für Werder. Das war zuletzt jedoch arg selten der Fall. Ein Unentschieden und zwei Niederlagen lautet die Bilanz der jüngsten drei Derbys. Der letzte Bremer Sieg (1:0) datiert aus der Saison 2014/15, es war der 29. Spieltag. Letzteres könnte als gutes Omen genommen werden, denn in dieser Saison steigt das Rückrunden-Nordderby wieder am 29. Spieltag.

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Fitnessdefizite hatte Trainer Alexander Nouri bei seinem Team ausgemacht. Folge: Es wird künftig anders trainiert werden bei Werder – und das geht schon mit der heute beginnenden Vorbereitung auf den zweiten Teil der Saison los. Drei Wochen hat Nouri Zeit, jeden einzelnen Profi auf Stand zu bringen. Denkbar, dass er die zuletzt aus der Mode geratenen Läufe am Morgen wieder ins Programm für das Trainingslager im spanischen Alhaurin el Grande (4. - 10. Januar) nimmt.

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Das war in der vergangenen Saison eine bestimmende Zahl für Werder, weil das Team bis wenige Minuten vor Saisonende auf Platz 16, dem Relegationsrang, stand und vor dem Abstieg zitterte. Jetzt sind 16 Punkte die Bremer Ausgangslage für die erste Hälfte des neuen Jahres. Gut ist das nicht, aber es besteht Aussicht auf eine deutliche Steigerung. Wenn das Offensivtrio Max Kruse, Serge Gnabry und Claudio Pizarro fit und verletzungsfrei bleibt, sollten in den verbleibenden 18 Partien deutlich mehr als nur nochmal 16 Zähler eingefahren werden.

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Da wir gerade schon das Finish der vergangenen Saison angekratzt hatten, gönnen wir uns noch einen letzten Blick zurück und denken unter Wiederkehr der Gänsehaut an DAS Ereignis in 2016: die „Greenwhitewonderwall“. Eine großartige Aktion der Werder-Fans. Aber so schön, gewaltig und emotional prickelnd es auch war: Ist irgendwer in 2017 wirklich scharf auf eine Wiederholung? Auf viele Frusterlebnisse vor dem Happy End? Oder wäre nicht ein souverän und früh geschaffter Klassenerhalt viel schöner? Es würde auch der eigentlichen Zuständigkeit entsprechen, wenn in 363 Tagen die Spieler, nicht die Fans die Figuren des Jahres 2017 sind. 

csa

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