Kolumne: Andreas Herzog schreibt für die DeichStube

„Kainz muss es machen wie Basler“

Der Kolumnistenkreis der DeichStube: Nils Petersen, Andreas Herzog, Rolf Fuhrmann, Sebastian Prödl und Thomas Schaaf.

Von Andreas Herzog. Ich weiß ja: In Bremen wird nach der Verletzung von Fin Bartels erwartet, dass Florian Kainz auf dem Platz in dessen Rolle schlüpft. Ich bin mir aber nicht so recht sicher, ob die Fans dem Florian damit gerecht werden.

Denn eines ist absolut klar: Eine Sturmspitze ist er gewiss nicht. Wenn es aber darum geht, rund um Kruse aktiv zu sein, dann hat er sicher die Fähigkeiten dafür. Aber eine Bartels-Kopie wird Kainz trotzdem nie sein, das muss man bei der Beurteilung seiner Leistungen immer berücksichtigen.

Ich kenne Florian Kainz schon lange, habe ihn als damals 18-Jährigen zum U21-Nationalspieler in Österreich gemacht. Mir waren seine technische Finesse, sein Spielwitz, seine Spielintelligenz und seine Fähigkeit, jede Situation spielerisch oder mit einem Dribbling zu lösen, aufgefallen.

Florian ist damals nach seinem Wechsel von Sturm Graz zu Rapid Wien in der österreichischen Bundesliga so richtig durchgestartet, wurde zu einem der drei besten Spieler der Liga. Und das, obwohl er aus Graz für seinen Wechsel ziemlich angefeindet worden war. Er hat sich in dieser Phase als psychisch stark erwiesen – diese Qualität braucht er jetzt wieder.

Kainz‘ Situation ist nicht leicht

Die Situation, in der er sich befindet, ist nicht leicht. Und von außen betrachtet ist sie am vergangenen Wochenende in Dortmund nicht unbedingt leichter geworden. Kainz wurde erst für Bartels ein- und später für Defensivmann Robert Bauer wieder ausgewechselt.

Normalerweise ist so etwas die Höchststrafe für einen Spieler und kann ihn lächerlich machen, vielleicht sogar vernichten. Das wegzustecken, ist schwer. Es kommt dann auf das Fingerspitzengefühl des Trainers an und darauf, dass er dem Spieler schlüssig erklären kann, wieso er so gehandelt hat. Bei Kainz waren es taktische Gründe, und glaubt man Trainer Florian Kohfeldt, dann hat Kainz das auch verstanden und „überragend aufgenommen“.

Kainz braucht Eigenschaften von Mario Basler

Es ist wichtig, dass es wirklich so ist. Schließlich braucht Werder nun einen starken Florian Kainz – einen, der das Heft des Handelns mit in die Hand nimmt. Und ich bin überzeugt, dass Werder diesen starken Florian Kainz auch bekommen wird. Der Junge hatte in der vergangenen Saison sicherlich seine Anlaufschwierigkeiten in Bremen, aber jetzt ist er reif, in die Rolle gedrängt zu werden, Verantwortung zu übernehmen.

Ich würde mir wünschen, dass Florian Kainz eine Mentalität entwickelt, wie Mario Basler sie früher hatte. Dem war es völlig egal, ob andere ihn kritisiert haben. Er hat unbeirrbar an seine Fähigkeiten geglaubt und hat einfach immer weitergemacht – egal, wie groß die Aufgabe auch gewesen sein mag. Diese Eigenschaft wünsche ich mir jetzt auch für Kainz – und hoffentlich bekommen wir das alle schon am Samstag gegen Mainz zu sehen.

Andreas Herzog

Zur Person: Andreas Herzog (49) bestritt zwischen 1992 und 1995 sowie von 1996 bis 2001 236 Bundesliga-Partien für Werder Bremen. Für Österreich lief er in 103 Länderspielen auf Von 2005 bis 2009 war er Co-Trainer der österreichischen Nationalmannschaft, danach bis 2011 Chefcoach der U21-Auswahl.

Weitere Kolumen aus der DeichStube

Thomas Schaaf: „Florian Kohfeldt macht das gut“

Sebastian Prödl: „Wenn nicht jeder hellwach ist, droht der Super-Gau“

Rolf „Rollo“ Fuhrmann: „Kruse-Love - So ist Werder wieder Werder“

Quelle: DeichStube

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