„Auf einen Espresso“ mit Willi Lemke, UN-Beauftragter und Werderaner

Ein anderes Weltbild

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Das weitgereiste Trikot von Willi Lemke hat symbolischen Wert.

Bremen - Von Ilka Langkowski. Die meisten Menschen kennen Willi Lemke als Werder-Manager und oder als Bremer Bildungs- und Innensenator. Vor rund fünf Jahren wurde der sportbegeisterte Sozialdemokrat vom südkoreanischen UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon zum „UN-Sonderberater für Sport im Dienste von Frieden und Entwicklung“ berufen.

Seine Reise führt ihn derzeit zu einer Veranstaltung mit Inter Mailand nach New York, danach geht es zu den „Doha Goals“ in Katar und später nach Seoul. Dort will Lemke seinem Ziel näherkommen, das eisige Klima zwischen Nord- und Südkorea aufzutauen. „Das ist ein ganz dickes Brett und will mit großem Engagement angegangen werden.“ Er möchte Dinge umsetzen, konkret etwas bewirken. Es solle später nicht heißen, dass er nur jede Menge Resolutionen auf den Weg gebracht hat. Bei seiner Arbeit stößt Lemke auch immer wieder auf bürokratische Hemmnisse. „Da resigniere ich nicht“, sagt er und nimmt sie als besondere Herausforderung.

Lemke hat sich Zeit für unsere Serie „Auf einen Espresso“ genommen, in der wir Bremer Prominente und engagierte Macher ein wenig privat vorstellen – mit einem Gegenstand, der für sie eine besondere Bedeutung hat. Er zieht ein Werder-Trikot mit einem aufgenähten UN-Logo aus der Tasche. Das Shirt trägt er beim Laufen, und es war mit ihm schon fast überall auf der Welt. „Dann sehen die Leute, dass der Junge von der UN ist und Werder im Herzen trägt“, sagt Lemke und lacht.

Das Trikot stehe symbolhaft, wofür er einstehe, sagt Lemke: Langstreckenlauf, Werder Bremen und die Vereinten Nationen. Lemke selbst treibt seit seinem sechsten Lebensjahr Sport. Bei Werder Bremen ist er seit 31 Jahren, doch das UN-Mandat verhalf ihm zu einem anderen Weltbild. „Früher hing das Wesentliche an einem Tor, das geschossen wird“, erzählt der Ex-Manager des SV Werder, „dann war ich lokal fokussiert, und nun gehe ich raus in die Welt. Ich war auf fast allen Kontinenten und sehe, wie gut es uns geht.“

Durch das Amt hat Lemke erfahren, wie man Sport als Mittel für Entwicklung und Frieden nutzen kann. Dazu gehören unter anderem die „Youth Leadership Camps“ für benachteiligte Jugendliche rund um den Globus. „Die Jugendlichen sind total begeistert“, erzählt der Bremer, „sie entwickeln sich unglaublich und übernehmen Verantwortung für ihre Community.“ Über soziale Netzwerke ist er im Internet persönlich mit Menschen aus aller Welt im Dialog. Er erfährt von der Freude der Jugendlichen in Uganda über eine gespendete Tischtennisplatte, von einem Mädchen namens Patricia, das eine neue Prothese bekommt, und von anderen, die dank eines Stipendiums studieren können. Auch seine Sicht auf die Bedeutung der Paralympics und „Special Olympics“ für behinderte Sportler hat sich verändert. „Die Wertschätzung solcher Veranstaltungen zeigt, wie eine Gesellschaft mit Behinderungen umgeht“, sagt Lemke. „Es gibt immer noch Länder, in denen werden körperbehinderte Kinder von ihren Familien im Haus versteckt, weil sie sich schämen, dabei sollten sich diejenigen, die sie ausgrenzen schämen.“

Sechs fixe Fragen

Was verbindet Sie mit Bremen?

Lemke:Ich bin 1971 zur Gründung der Universität nach Bremen gekommen. Heute verbindet mich mit der Stadt meine Familie und der SVW. Wir mögen die „Kuscheligkeit“ und die kurzen Wege hier.

Welchen Ort mögen Sie besonders?

Lemke:Es gibt viele. Im Bürgerpark gehe ich laufen, und mit dem Rad geht’s ins Blockland. Mein Lieblingsrestaurant ist im Kuppelsaal des Park Hotels. Dort hatten wir unglaubliche Werder-Weihnachtsfeiern, im kleinen Kreis, mit lustigen Events, und die Kinder haben Gedichte aufgesagt.

Was würden Sie auswärtigen Gästen in Bremen zeigen?

Lemke:Rathaus, Schnoor, Böttcherstraße und Stadion. Außerdem gäbe es eine Radtour nach Dammsiel.

Welches ist Ihr Lieblingstier?

Lemke:Das Eichhörnchen vielleicht. Bei uns im Garten lebt eins, und jetzt, wo das Laub ab ist, sieht man es die Baumstämme rauf- und runterjagen.

Was würden Sie tun, wenn Sie jetzt spontan einen Tag frei hätten?

Lemke:Ich würde gucken, was meine Frau macht. Und mit Sicherheit eine Fahrradtour machen, schön essen gehen und abends ins Kino.

Was macht Sie schwach?

Lemke:Grünkohl.

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