Bremen gibt seinen Kapitän für elf Millionen Euro frei

Also doch Arsenal! Mertesacker verlässt Werder

Bremen - Die Gerüchteküche brodelte seit Monaten, am Ende muss es aber doch Fast-Food sein: In einer Hauruckaktion wechselt Per Mertesacker mit sehr großer Wahrscheinlichkeit von Werder Bremen zum FC Arsenal.

Am Montag ging das Angebot für den Abwehrspieler ein, gestern Nachmittag absolvierte der 26-Jährige bei dem Club aus der englischen Premier League die medizinische Untersuchung, Vollzug wird aber erst heute vermeldet. Am letzten Tag der Transferperiode wird Mertesacker einen Vertrag bis 2015 unterzeichnen. Und der wird sich für ihn lohnen. Sein künftiges Jahressalär wird auf 4,7 Millionen Euro geschätzt.

Werder hat den Transfer bereits abgesegnet, so Geschäftsführer Klaus Allofs: „Wir sind uns mit Arsenal einig.“ Der aktuelle Bundesliga-Dritte kassiert für seinen Kapitän eine Ablösesumme von elf Millionen Euro. Ein Sümmchen, das den Bremern hilft, eine drohende finanzielle Schieflage zu verhindern oder wenigstens zu mildern. Für englische Verhältnisse fällt sie aber eher bescheiden aus. In der Premier League werden oft ganz andere Preise aufgerufen – und auch gezahlt. Wie das Beispiel des 19 Jahre alten Innenverteidigers Philip Anthony Jones zeigt. Der englische U 21-Nationalspieler wechselte gerade für 19 Millionen Euro von den Blackburn Rovers zu Manchester United.

Merte geht: Seine Zeit bei Werder

Mertesacker vor Wechsel nach London

Dass Werder seinen 75-fachen Nationalspieler vergleichweise billig verkauft, weist Allofs klar zurück. „Ich glaube nicht immer, was da aus England an Summen kolportiert wird“, sagte er und erklärte: „Wir haben uns bei Werder darauf geeinigt, das Angebot anzunehmen. Also sind wir auch zufrieden damit.“ Wirtschaftlich wohl gemerkt. „Sportlich und menschlich“ sei der bevorstehende Weggang von Mertesacker „ein Riesenverlust“, so Allofs: „Schließlich ist Per ein Riesentyp und unser Kapitän.“

Der allerdings nie einen Hehl daraus gemacht hatte, dass es ihn ins Ausland zieht. Auch Werder gegenüber war Mertesacker offen und hatte klar zu verstehen gegeben, dass er seinen 2012 auslaufenden Vertrag nicht verlängern würde. Ein Verkauf in diesem Sommer ist deshalb die logische Konsequenz.

Training am Dienstag

Werder-Training am Dienstag

Arsenal galt dabei immer als Mertesackers Wunschverein. Der erste Anlauf von Trainer Arsene Wenger, den Bremer nach London zu lotsen, scheiterte im vergangenen Jahr. Nun sah es lange so aus, als ob Arsenal das Interesse verloren hätte (siehe Chronologie). Bis vergangenen Sonntag. Da kassierte der Champions-League-Gruppengegner von Borussia Dortmund eine historische 2:8-Pleite bei Manchester United – es war die höchste Niederlage der „Gunners“ seit 115 Jahren. Und der Auslöser weiterer Transferaktivitäten. „Ich bin offen für neue Spieler“, meinte Wenger nach dem Debakel.

Und siehe da: Am Montag flatterte Werder das Angebot der nach den Verkäufen von Cesc Fabregas (für 29 Millionen Euro zum FC Barcelona) und Samir Nasri (für 27,5 Millionen Euro zu Manchester City) schwerreichen Londoner ins Haus. Mertesacker und Allofs besprachen sich noch vor der Abreise des Spielers ins Nationalmannschaftsquartier nach Düsseldorf. Am späten Abend bat „Merte“ dann bei Bundestrainer Joachim Löw um einen freien Dienstag. Grund: Der Trip auf die Insel. „Per hat mich sehr, sehr spät am Abend auf meinem Zimmer angerufen und mich darüber informiert, dass er ein Angebot von Arsenal vorliegen hat. Ich habe ihn daraufhin für einen Tag freigestellt“, bestätigte Löw. Heute soll Mertesacker wieder mit der Nationalelf trainieren – dann wohl schon als Spieler des FC Arsenal.

Dass der Transfer gestern noch nicht als perfekt gemeldet wurde, wunderte auch Allofs. „An Werder liegt es nicht“, beteuerte der Geschäftsführer am Abend und ergänzte: „Wir warten auch auf die unterschriebene Transferbestätigung aus London. Noch ist sie nicht eingegangen.“

Zweifel gibt es aber keine mehr. Auch nicht daran, was Werder mit dem Geld machen wird. Es dient gewissermaßen als Ersatz für entgangene Einnahmen aus dem europäischen Geschäft. Reinvestiert wird es auf die Schnelle nicht. „Wir werden nichts mehr unternehmen“, erklärte Allofs. · csa

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