Naldo – ein ganz intimes Interview / „Es ist schwierig, Politikern zu trauen“ / Familie gibt ihm die Kraft

„Als Papa starb, habe ich viel geweint“

Nintendo Wii macht Papa und Sohn immer Riesenspaß.

Bremen - Von Arne Flügge. Auf dem Platz ist Naldo der Abwehrhüne, der kompromisslos in die Zweikämpfe geht. Privat dagegen ist der Innenverteidiger von Werder Bremen ein sanfter Riese, ein einfühlsamer Familienvater. Im Interview beschreibt der 26-Jährige heute den Privatmenschen Naldo, gibt ungewöhnlich offen einen tiefen Einblick in seine Gefühlswelt.

Sie strahlen, als wären Sie der glücklichste Mensch der Welt.

Das bin ich auch. Am 11. Mai wurde unsere Tochter Liz geboren, zusammen mit meinem Sohn Naldinho macht sie unser Glück perfekt.

Das heißt, Sie haben derzeit unruhige Nächte?

Liz schläft schon durch, ist längst nicht so wild wie Naldinho damals. Alles ist perfekt.

Ihr Sohn wird im November vier Jahre alt. Ist er nicht eifersüchtig?

Nein, überhaupt nicht. Vielleicht wäre er es, wenn wir einen Jungen bekommen hätten. So aber ist er sehr stolz auf sein Schwesterchen und passt immer auf sie auf.

Mit dem Glück über die Kinder wächst auch immer die Sorge. Geht Ihnen das genauso?

Natürlich, so groß die Freude ist, so groß ist auch immer die Sorge um deine Kinder. Jetzt, wo ich Vater bin, kann ich meine Eltern verstehen, die damals immer gesagt haben, dass ich vorsichtig sein soll.

In Bremen leben Sie ziemlich sicher – anders als in Brasilien.

Leider ist es in einigen Teilen Brasiliens um die Sicherheitslage nicht so gut bestellt. Ich hoffe sehr, dass sich das bald ändert.

Würden Sie heute mit Ihrer Familie nicht in Brasilien leben wollen?

Ich komme aus der Stadt Florianopolis in Santa Katharina, einem der sichersten Bundesstaaten in Brasilien. Deswegen habe ich keine Angst und fahre gern nach Hause. Trainer Thomas Schaaf hat mich dort auch schon mal besucht.

Erziehen Sie Ihre Kinder zweisprachig?

Ja, und das ist mir und meiner Frau Carla sehr wichtig. Meine Kinder haben hier in Deutschland die große Chance, gleich mit einer zweiten Sprache aufzuwachsen. Das ist fantastisch und wird ihnen später im Leben helfen. Naldinho ist schon seit zwei Jahren im Kindergarten. Er versteht alles und spricht sehr gut deutsch. Er kann schon mein Dolmetscher sein . . .

Auf dem rechten Oberarm haben Sie den Namen Ihres Sohnes, auf dem linken Unterarm den Ihrer Frau tätowiert. Wo kommt Liz hin?

Auf den linken Oberarm. Während der Saison dürfen wir uns keine Tattoos stechen lassen. Aber für den Winter ist es fest eingeplant.

Ihre Tore widmen Sie ausschließlich Ihrer Familie. Ist das richtig?

Ja. Ich küsse immer meinen Ehering, und neuerdings mache ich mit Daumen und Zeigefinger ein „L“ für Liz. Ihr und meiner ganzen Familie widme ich jedes Tor.

Wie wichtig ist Carla in Ihrem Leben?

Wichtig, wichtig, unheimlich wichtig. Wir haben uns 2005 kennengelernt – und ich kann sagen: Sie ist die Liebe meines Lebens, gibt mir Kraft in allen Lebenslagen und hält mir den Rücken frei. Sie ist immer für mich da. Nicht nur in glücklichen Momenten, auch wenn ich traurig bin.

2005 sind Sie nach Bremen gekommen. Damals konnten Sie gerade mal Spaghetti heiß machen. Wie ist es mittlerweile um Ihre Kochkunst bestellt?

(lacht) Sie ist kein Stück besser geworden. Ich kann einfach nicht kochen. Das überlasse ich lieber Carla. Obwohl sie es nicht leicht hat, denn ich bin ein Vielfraß.

Was ist Ihr Lieblingsgericht?

Schwer zu sagen, Carla kocht viele tolle Sachen. Im Moment stehe ich auf ihre Fleisch-Pizza mit Fleisch, Käse, Tomaten und vielen anderen Dingen. Einfach klasse.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Fast ausschließlich mit der Familie. Wir haben im Garten einen Basketballkorb und ein großes Trampolin. Wir gehen gerne spazieren oder spielen Nintendo-Wii.

Und wer gewinnt?

Ich natürlich. Ich halte alle Rekorde. Meine Kumpels können mich nicht schlagen.

Und Ihr Sohn?

Er ist gut. Außerdem gewinnt er sowieso immer, auch wenn er verliert. Dann lasse ich ihn schon mal gewinnen.

In Ihrem Keller steht ein Billardtisch. Sind Sie Experte?

!Hin und wieder spiele ich mit Freunden. Früher habe ich oft mit Diego gespielt. Es war schwer, gegen ihn zu gewinnen, denn er hatte selbst zu Hause einen Tisch und hat immer heimlich geübt.

Vermissen Sie Diego?

Ja, manchmal vermisse ich ihn schon. Wir haben drei Jahre lang eine enge Bindung gehabt. Auf dem Platz und abseits davon. Ich vermisse auch die vielen intensiven Gespräche, die wir geführt haben. Aber so ist Fußball. Jeder geht jetzt seinen eigenen Weg weiter. Diego in Turin, ich in Bremen. Natürlich telefonieren wir noch öfter.

Wie entspannen Sie sich, wenn Sie mit Werder unterwegs sind?

Ich lese sehr viel. Dazu komme ich zu Hause ja sonst kaum. Im Moment lese ich einen Roman von Paulo Coelho, einem brasilianischen Schriftsteller, und eine Dokumentation über Sportler.

Sind Sie eigentlich politisch engagiert?

Nein, überhaupt nicht.

Warum nicht?

Weil es schwierig für mich ist, Politikern zu vertrauen. Man hört immer wieder von Korruption in Brasilien und davon, dass sie dem Volk das Geld wegnehmen. Das reicht mir. Da will ich gar icht mehr drüber wissen.

Was bringt Sie zum Lachen?

Allen voran meine Kinder und kleine Kinder, die Autogramme möchten und ganz schüchtern danach fragen. Siege natürlich auch. Es sind viele Dinge.

Was bringt Sie zum Weinen?

Wenn ich einen geliebten Menschen verliere, der mir sehr nahestand. Als ich 16 Jahre alt war, ist mein Papa gestorben. Ich habe damals viel geweint.

Was macht Sie rasend?

Auf dem Platz hasse ich es, wenn jemand unsportlich ist, nicht zum Ball, sondern nur zum Gegner geht, um ihn zu verletzen. Das macht mich wütend. Im Leben hasse ich Lügen, Arroganz und fehlende Wertschätzung. Für mich sind alle Menschen gleich. Und es regt mich unheimlich auf, wenn einer sich überlegen fühlt, nur weil er vielleicht mehr Geld und Wohlstand hat als der andere.

Viele Ihrer Landsleute – wie damals Ailton – laufen privat Schmuck-behangen herum. Sie dagegen tragen zumeist nur Ihren Ehering.

Wenn ich mir etwas kaufe, sei es Mode oder Schmuck, dann tue ich das, weil mir die Sachen gefallen und nicht, um damit vor anderen Leuten anzugeben. Ich mag es einfach nicht zu protzen.

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