Der Werder-Boss verteidigt seine Arbeit und Coach Schaaf / Reise zum Trainingslager-Test in Katar

Allofs und die Turbulenzen: „Plötzlich drehen hier alle durch“

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Werder-Chef Klaus Allofs im Gespräch mit den Sportredakteuren Björn Knips (li.) und Carsten Sander.

Bremen - Hinter Klaus Allofs liegen unruhige Tage. Nach der 1:3-Pleite beim FC Augsburg flammte die Trainerdiskussion neu auf – der Vorsitzende der Werder-Geschäftsführung betätigte sich als Feuerwehrmann. Und als ob das nicht heiß genug gewesen wäre, reist der 55-Jährige noch schnell in die Wüste. Über den Grund und die Bremer Brandherde äußert er sich im Interview.

Herr Allofs, schauen Sie sich die deutsche Nationalmannschaft gegen Schweden ohne Bremer Beteiligung an oder dann doch lieber ein Länderspiel mit Werder-Profis?

Klaus Allofs:Weder noch. Ich bin in Katar. Frank Baumann und ich prüfen dort die Bedingungen für ein eventuelles Trainingslager im Januar.

Warum Katar?

Allofs:Da gibt es eine gute Option für uns. Die DFL würde uns unterstützen, um dort die Marke Bundesliga zu stärken. Das wollen wir mit der Marke Werder natürlich auch tun. Die Flugzeiten sind akzeptabel, die Bedingungen vor Ort sollen gut sein, aber genau das werden wir prüfen.

Dann müssten Sie nur noch Türkei-Freund Thomas Schaaf überzeugen, der im Winter nur Belek kennt.

Allofs:Er ist ein Freund von idealen Trainingsbedingungen – genauso wie ich. Nur selten hat man so gute Bedingungen wie dort. Belek bleibt eine Option. Wir werden das bald entscheiden.

Zurück zur Nationalmannschaft: Wie bewerten Sie die ungewohnte Unruhe bei der DFB-Auswahl und die neue Härte von Bundestrainer Joachim Löw wie im Fall Marcel Schmelzer?

Allofs:Diese Aussage über Schmelzer war sicher so nicht geplant. Und die Unruhe ist normal. Eine Nationalmannschaft wurde noch nie Ruhe gelassen, wenn es keine Titel gab. Dann kommt schnell auch mal der Vorwurf, die Spieler seien zu verhätschelt.

Werden die Spieler vom DFB zu sehr verwöhnt?

Allofs:Es geht ihnen gut. Aber in den Vereinen geht es den Spielern auch gut. Es ist immer die Frage: Wie weit gehen wir? Wir wollen immer optimale Bedingungen und keine bösen Überraschungen erleben. Beim DFB wird das eben noch intensiver, von noch mehr Leuten vorbereitet und unterstützt. In einigen Dingen schießt man da vielleicht auch mal über das Ziel hinaus.

Und bei Werder?

Allofs:Werden die Spieler auch gut betreut. Aber sicher nicht übertrieben. Wir schauen, dass alles passt. Wenn das zutrifft, buchen wir bei Auswärtsspielen zum Beispiel auch ganz normale Hotels und keine Luxusherbergen.

Noch einmal zum Thema Schmelzer: Joachim Löw hat gesagt, dass er sich keinen Linksverteidiger schnitzen kann. Werder sucht ebenfalls seit Jahren eine Lösung. Warum ist es so schwer, diese Position zu besetzen?

Allofs:In Bremen ist das schon ganz tief in den Köpfen drin: Linker Verteidiger? Da werden Dinge erwartet, die ganz schwer umzusetzen sind. Nach ein, zwei schlechteren Bällen hat es der Spieler schon schwer. Da gibt es Vorstellungen, die so nicht erfüllt werden können.

Aber wenn Thomas Schaaf auf der linken Seite einen rechten Verteidiger wie Clemens Fritz aufbietet, dann hat das vorhandene Personal auch die Vorstellungen des Trainers nicht erfüllt.

Allofs:Philipp Lahm hat in der Nationalmannschaft auch auf der linken Seite verteidigt, obwohl wir in Deutschland mehr Auswahl haben als bei Werder. Da muss nicht zwangsläufig ein Linksfuß spielen. Thomas Schaaf hat klar gesagt, dass es keine Entscheidung gegen seine linken Verteidiger war, sondern für Clemens Fritz. Wir haben dort interessante Spieler. Lukas Schmitz hat gegen Kiew seine Fähigkeiten voll eingebracht. Dass ist ihm bei uns leider noch nicht so oft gelungen. Dabei hat er eine gute Schnelligkeit, einen guten linken Fuß. Hinter Lukas haben wir in Florian Hartherz und Cimo Röcker talentierte Spieler. Wir sind da vernünftig besetzt.

Wie sehr schmerzt es, dass die Aufbruchstimmung rund um Werder durch das Augsburg-Desaster zerstört wurde?

Allofs:Es ist schade, dass wir diesen Rückenwind nicht nutzen konnten. Aber nach einem schlechten Spiel gleich von einer Krise zu sprechen, kann ich nicht nachvollziehen. Die nächsten Wochen werden zeigen, welches das wahre Leistungsvermögen der Mannschaft ist.

Welche Rolle spielt dabei die nächste Partie am Samstag im Weserstadion gegen Mönchengladbach – ist das schon das Oben-oder-unten-Spiel?

Allofs:Wenn man verliert, dann weiß man, dass man unten drin ist. Dann weiß man, wie die Stimmung hier sein wird.

Liegt das auch daran, dass die sportliche Leitung ihren Bonus nach den erfolgreichen Jahren langsam aufgebraucht hat?

Allofs:Nein. Der Druck ist doch überall da. Man kann sich nirgends etwas für die Erfolge in der Vergangenheit kaufen.

In der Jahrestabelle 2012 ist Werder Letzter – wegen einer katastrophalen Rückrunde, aber auch einer enttäuschenden Hinrunde. Andernorts würde die Luft für einen Trainer dünn. Sie betonen aber immer wieder, dass Sie sich keinen besseren Trainer für Werder als Thomas Schaaf vorstellen könnten. Warum?

Allofs:Weil er seine Arbeit gut macht. Wenn ich sehe, mit welcher Hingabe er diesen Job macht, wie detailverliebt er ist, wie akribisch er arbeitet – dann stärkt mich das immer wieder in meiner Überzeugung. Thomas ist da auch im Vergleich mit anderen Kollegen ganz weit vorne. Ich halte ihn taktisch für sehr stark, das gilt auch für die Spielanalyse. Wenn jetzt nach 13 Jahren mal ein neuer Trainer kommen würde, dann wäre das für Sie als Journalisten sicherlich interessant, vielleicht auch für die Fans, um mal eine andere Geschichte zu hören. Aber das wäre nur eine vorübergehende Erscheinung. Am Ende würden wir wahrscheinlich sagen: Die Arbeit des Vorgängers war fundierter, sie war einfach besser. Deswegen bin ich mir sicher: Das Gesamtpaket Schaaf stimmt.

Zählen am Ende nicht die Ergebnisse?

Allofs:Das tun sie doch auch.

In den letzten beiden Jahren waren diese deutlich unter den Erwartungen.

Allofs:Dafür waren sie in den Jahren zuvor über den Erwartungen.

Aber Sie haben selbst gesagt, dass man sich für die Erfolge der Vergangenheit nichts kaufen kann.

Allofs:Das ist richtig. Trotzdem muss ich die Situation richtig beurteilen. Wir hatten in der Vergangenheit auch eine andere Mannschaft, außergewöhnliche Spieler wie Micoud, Diego und Özil. Wenn ich der Überzeugung wäre, dass ein anderer Trainer mit dieser Mannschaft mehr Erfolg hätte, dann könnten wir darüber reden. So aber nicht.

Welche Erwartungen kann man an diese Mannschaft haben?

Allofs:Wir sind am Beginn der Meisterschaft. Wir haben alle gesagt, das ist ein Neubeginn. Wir haben nicht gesagt, wir wollen nur drin bleiben. Das hätte man nach dem Umbruch sicher machen können. Aber das darf nicht unser Anspruch sein, es steckt auch viel mehr in dieser Mannschaft. Doch wir dürfen nicht die Geduld verlieren. Schauen wir doch mal zurück: Gegen Freiburg gewinnen wir, okay wir haben nicht so gut gespielt; gegen die Bayern, die noch keinen Punkt abgegeben haben, hätten wir mit etwas Glück einen Punkt geholt; dann verlieren wir in Augsburg und plötzlich drehen hier alle durch. Das ist vollkommen unangebracht. Wenn man drei-, viermal so spielt wie in Augsburg, dann ist das was anderes. Wir müssen alle mehr Geduld haben. Und Geduld heißt doch nicht, die Hände ihn den Schoß zu legen. Wir wollen die Dinge schnellstmöglich verändern – und das macht Thomas Schaaf.

Daran glaubt auch Marco Bode. Aber der künftige Aufsichtsrat sagt auch, dass sich die sportliche Leitung zwei weitere erfolglose Spielzeiten nicht leisten kann. Spüren sie da schon den neuen, frischen Wind aus dem Kontrollgremium?

Allofs:Ich weiß, wie der Aufsichtsrat jetzt denkt, er trägt den Umbruch nämlich mit. Und ich glaube nicht, dass sich an dieser Denkweise etwas ändern wird. Natürlich werden immer hohe Erwartungen an die Geschäftsführung und den Trainer gestellt – sportlich und wirtschaftlich. Wenn diese Erwartungen dauerhaft nicht erfüllt werden, wäre es nur logisch, dass es zu Veränderungen kommt. Das läge aber nicht an Marco Bode.

Immerhin hat er die Zeitspanne auf zwei Jahre begrenzt.

Allofs:Mein persönlicher Anspruch ist es, am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach zu gewinnen, mein persönlicher Anspruch ist es, dass jeder Spieler sichtbar besser wird. Ich bin angetreten, um den größtmöglichen Erfolg zu haben. Ich will mittelfristig wieder international spielen. Wenn es schon nach dieser Saison gelingt, umso besser. · kni/csa

Lesen Sie hier Teil 2 des Interviews

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