Diego freut sich riesig

Werder verabschiedet Allofs nach Wolfsburg

Ein Händedruck beendete nach 13 Jahren die Ära von Klaus Allofs bei Werder Bremen.

Bremen - Keine Tränen, keine Umarmung, keine Blumen - die ganz großen Emotionen blieben aus. Nur ein Händedruck beendete nach 13 Jahren die Ära von Klaus Allofs bei Werder Bremen.

Während des 48 Minuten andauernden Medienverhörs zum spektakulärsten Manager-Wechsel der Bundesliga-Geschichte gaben sich der scheidende Manager und Bremens Aufsichtsratschef Willi Lemke alle Mühe, die Trennung als professionellen Akt darzustellen. Allofs ließ keinen Zweifel daran, dass seine Entscheidung unumstößlich war. „Wahrscheinlich hätte es nur meine Frau geschafft, mich noch einmal umzustimmen“, sagte er vor 15 Kamerateams, fünf Fotografen und rund 20 Reportern.

Zwar sei er in Bremen nicht unzufrieden gewesen, aber mit dem Angebot aus Wolfsburg „musste ich mich einfach beschäftigen. Jetzt ist der Punkt gekommen, an dem ich noch einmal eine neue Herausforderung suchen möchte.“ Der Abschied soll dem 55-Jährigen zudem mit der Verdopplung seines Gehalts auf rund drei Millionen Euro versüßt werden. Als Nachfolger sind Allofs' bisheriger Assistent Frank Baumann und Dietmar Beiersdorfer, derzeit beim russischen Klub Zenit St. Petersburg unter Vertrag, im Gespräch. Lemke schloss eine Zweierlösung nicht aus und rief seinem scheidenden Geschäftsführer und Sportdirektor pflichtbewusst einige warme Worte hinterher.

„Wir verlieren ein Herzstück des Vereins“, sagte Lemke, „Klaus hat mehr als ein Jahrzehnt lang die Entwicklung von Werder entscheidend mitgeprägt und große sportliche Erfolge gefeiert. Für uns war es selbstverständlich, dass wir seiner Bitte nachgekommen sind, über diesen Wechsel zu verhandeln.“ Zudem bestätigte Lemke, nicht groß um Allofs gekämpft zu haben: „Ich habe keine Chance gesehen, ihn umzustimmen.“ Das Verhältnis zwischen den beiden Alpha-Tieren gilt trotz gegenteiliger Behauptungen als vergiftet.

Abschied von Allofs: Die Pressekonferenz

Abschied von Allofs: Die Pressekonferenz

Allofs hatte sich am Dienstagabend mit Wolfsburg über einen Kontrakt bis 2016 geeinigt, in der Nacht zum Donnerstag verständigten sich dann die Klubs über die Ablösemodalitäten. Laut Lemke zahlt Wolfsburg keine normale Ablöse, sondern entschädigt Werder über andere Wege. Nach sid-Informationen fließt ein „mittlerer einstelliger Millionenbetrag“ an die Weser. In Bremen hat inzwischen die Suche nach einem Nachfolger begonnen. Beiersdorfer gilt als Intimus von Trainer Thomas Schaaf, steht aber noch in St. Petersburg unter Vertrag.

Klaus Allofs: Seine Zeit bei Werder Bremen

Klaus Allofs: Seine Zeit bei Werder Bremen

Für den 48 Jahre alten ehemaligen Werder-Profi und Manager des Hamburger SV müssten die klammen Hanseaten also eine Ablöse bezahlen. Baumann wäre dagegen die günstigste Lösung für Werder. Allerdings hat der Ehrenspielführer noch keine großen Erfahrungen. Trotzdem verfügt der 37-Jährige über eine große Lobby im Verein. Baumann könnte auch als Interims-Manager einspringen, bis Werder eine langsfristige Lösung präsentiert. „Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung und werden in Kürze eine Short-List mit Namen erstellen“, sagte Lemke, „wir haben aber noch mit niemandem gesprochen. Wir werden das sehr sorgfältig prüfen, denn es ist nicht ganz einfach, jemanden zu finden, der in das Profil passt.“ Noch ist unklar, ob für Allofs ein oder zwei Nachfolger gesucht werden. Der ehemalige Nationalspieler war in Bremen Sportdirektor und Vorsitzender der Geschäfstführung. Allofs erinnerte an die „außergewöhnliche Zeit“, die er in Bremen erlebt hat.

„Ich kriege noch heute Gänsehaut, wenn ich sehe, wie sich Werder entwickelt hat. Wir haben 2004 das Double geholt, wurden 2009 noch einmal Pokalsieger und haben in der Champions League gespielt - da sind Träume wahr geworden“, sagte Allofs. Doch um Werder brauche sich niemand sorgen zu machen. „Ich hinterlasse keinen Scherbenhaufen“, sagte Allofs. Allerdings musste er zuletzt auch einen Rekordverlust von 13,9 Millionen Euro bekannt geben. Zudem hatte die einstige „Spürnase der Liga“ bei Transfers zuletzt seinen Riecher verloren. In Bremen war Allofs deshalb nicht mehr unumstritten, weshalb Werder nicht wirklich Widerstand im Flirt mit Wolfsburg geleistet hat.

Bei den Niedersachsen ist die Vorfreude auf Allofs jedenfalls riesig. Vor allem alte Weggefährten aus Bremer Zeit begrüßten den Transfer-Coup. „Es ist eine Freude, mit Klaus Allofs zusammenzuarbeiten“, sagte Wolfsburgs Spielermacher Diego, den Allofs 2006 in die Bundesliga geholt hatte: „Er ist gut für das Team, versteht viel von Fußball und ist einer der besten Manager der Liga.“ Auch Abwehrspieler Naldo war zuversichtlich: „Ich bin mit der Entscheidung sehr zufrieden. Er hat gut in Bremen gearbeitet und viele Top-Spieler wie Diego, Johan Micoud, Per Mertesacker, Mesut Özil oder Miro Klose nach Bremen geholt“, sagte der Brasilianer, ohne sich selbst zu nennen. Naldo hatte von 2005 bis 2012 unter Allofs für Bremen gespielte, ehe er in diesem Sommer zum VfL wechselte. Vielleicht fällt der Empfang in Wolfsburg emotionaler aus als der Abschied in Bremen. sid

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