Eine Sache des Gefühls

Tschüss, Willi! Tschüss, Klaus! Mit einem Händedruck beendeten Willi Lemke (li.) und Klaus Allofs gestern nach 13,5 Jahren die Zusammenarbeit. Foto: dpa

Bremen. Viel hatte nicht gefehlt zur Umarmung. Aber das wäre des Guten eindeutig zu viel gewesen. Nachdem Willi Lemke und Klaus Allofs gestern gemeinsam den sofortigen Wechsel des Vorsitzenden der Werder-Geschäftsführung zum Bundesliga-Konkurrenten VfL Wolfsburg verkündet und erläutert hatten, blieb es beim unbeholfen wirkenden Händedruck.

Beide waren zuvor mehr als bemüht gewesen, den überraschenden Transfer in ein für alle günstiges Licht zu rücken. Allofs wollte die Veränderung, Lemke konnte ihn nicht halten – nötigte VfL-Besitzer Volkswagen aber indirekt noch zur Zahlung eines Millionenbetrags.

„De facto gibt es keine Ablöse“, sagte Lemke zwar, sprach aber von einer „Lösung, die beide mit Grummeln quittiert haben. Wir wollten mehr, VW wollte weniger.“ Nach Informationen dieser Zeitung sieht das Modell „Indirekte Ablöse“ so aus: Der noch bis 2014 laufende Sponsoringvertrag zwischen VW und Werder wird vorzeitig bis 2018 verlängert, die Konditionen (bisher 1,2 Millionen Euro im Jahr) deutlich erhöht. Lemke nannte keine Einzelheiten und schon gar keine Zahlen, bewertete die Verhandlungsatmosphäre nur als „unterm Strich in Ordnung“ und den Abschluss als „guten Kompromiss“.

Dass es am Ende nur noch ums Geld ging und nicht mehr darum, Allofs umzustimmen, erweckt folgenden Eindruck: Die Werder-Spitze wollte den Manager und Vorsitzenden der Geschäftsführung nicht mehr. Doch Lemke widersprach und verwies auf die besseren Argumente der Wolfsburger – sprich: die Finanzen. „Es gab keine Chance für uns, dagegen vorzugehen. Wenn auf der anderen Seite ein Herr Garcia Sanz (Vorsitzender des VfL-Aufsichtsrates und Mitglied des VW-Vorstandes, d. Red.) sitzt, können wir in unserer jetzigen Situation nichts machen. Ich hätte mich eher lächerlich gemacht“, meinte Lemke. Allofs soll in Wolfsburg künftig drei Millionen Euro Jahressalär kassieren – doppelt so viel wie in Bremen.

Klaus Allofs stellte seine Beweggründe freilich anders dar. Nicht das Geld, habe entschieden, erklärte er: „Es war eine Sache des Gefühls.“ Schon häufiger seien andere Clubs an ihn herangetreten, immer habe er abgesagt, berichtete Allofs: „Diesmal war ich bereit. Es war eine Sache des Gefühls und der Lebensumstände. Alles verändert sich derzeit ein bisschen.“

Zur Erklärung: Hinter Allofs liegen schwere Jahre. Anfang 2010 war seine Lebensgefährtin Claudia Rehmann nach langer Krankheit gestorben, mit ihr hat Allofs eine Tochter (8), die bei ihren Großeltern lebt. Allofs kehrte zu seiner Ehefrau zurück, die gemeinsame Tochter hat gerade in Bremen das Abitur gemacht. Das Ende der örtlichen Gebundenheit für den Vater und Manager war gekommen. „Es war einfach die Gelegenheit“, die ihn zum Wechsel bewegte, sagte Allofs: „Als das Angebot kam, war mir klar, dass ich mich damit auseinandersetzen musste.“

Mit einer etwaigen Unzufriedenheit bei Werder, den schrumpfenden Möglichkeiten angesichts des 13,9-Millionen-Minus in der Geschäftsbilanz 2011/12 oder gar einem Dauerzwist mit Willi Lemke habe seine Entscheidung nichts zu tun, beteuerte der 55-Jährige. Und wie abgesprochen nickte er pflichtschuldigst mit dem Kopf, als Lemke das persönliche Verhältnis als „immer kollegial, aber nicht freundschaftlich“ bezeichnete. „Es bleibt kein negativer Zungenschlag“, behauptete der Aufsichtsratschef, mit dem sich Allofs mehr als einmal (von Klose bis Sokratis) um Ablösegelder gestritten hatte.

In Wolfsburg wird es Allofs leichter haben. Um 11.00 Uhr wird er heute den Medien vorgestellt, und er wird eine Zukunft in rosarot malen. „Ich glaube, dass ich in Wolfsburg erfolgreich sein werde“, sagte er. In vollendeter Höflichkeit wünschte Lemke ihm sogar alle Gute: „Aber bitte nicht in anderthalb Wochen.“ Dann gastiert Werder beim VfL – es wird ein schnelles Wiedersehen mit Allofs, der die Pressekonferenz gestern nach einem „Dankeschön an alle für 13 wirklich außergewöhnliche Jahre“ mit einem Lächeln verließ. Blumen oder Präsente hatte es von Vereinsseite nicht gegeben. „Das holen wir aber nach“, versprach Willi Lemke. Aber nicht im großen Rahmen im Weserstadion, sondern beim Essen „in einem schicken Restaurant“. 

csa

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