Wechsel zum VfL Wolfsburg ist angeblich schon beschlossen

Allofs bereitet seinen Abgang vor

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Die Richtung scheint klar zu sein: Klaus Allofs wendet sich vom „Werder-W“ ab und dem VW-Logo zu. ·

Bremen - Bald arbeitet Klaus Allofs wohl für VW, aber gestern ließ er noch einen VW für sich arbeiten. Im Werder-Dienstwagen fuhr der 55-Jährige gemeinsam mit Cheftrainer Thomas Schaaf in die Niederlande. Spielerbeobachtung bei der Partie zwischen PEC Zwolle und Ajax Amsterdam stand auf dem Dienstplan. Alltagsgeschäft also im Bremer Auftrag.

Aber auch Zeit für die langjährigen Weggefährten, sich ungestört über die weitere (gemeinsame?) Zukunft zu unterhalten. Die von Allofs liegt offensichtlich beim VfL Wolfsburg. Laut Informationen dieser Zeitung ist sich der Werder-Chef mit Club-Sponsor VW weitgehend einig und wird einen Vertrag bis 2016 erhalten. Bleibt die Frage: Fährt er bald wieder mit Schaaf über die Autobahn – aber dann mit Ziel Wolfsburg statt Zwolle? Es wäre eine der größten Abwerbeaktionen in 50 Jahren Bundesliga-Geschichte.

„Ich sage dazu nichts“, erklärte der Werder-Trainer am Samstag in Gelsenkirchen und versuchte, das Thema einfach totzuschweigen. Klaus Allofs absolvierte dagegen vor und nach der Bremer 1:2-Niederlage bei Schalke 04 einen Interview-Marathon. Dabei weichte er sein Dementi vom Donnerstag Stück für Stück auf. Zwar räumte er ein, vom Wolfsburger Interesse an seiner Person gehört zu haben. Doch ein Angebot aus Wolfsburg habe er „bisher“ nicht vorliegen. Auch Gespräche mit VW- oder VfL-Verantwortlichen habe es noch nicht gegeben. Alles mit dem Hinweis garniert, dass sich das ja alles schnell ändern könne.

Es ist das bekannte Geplänkel eines ins Fußball-Business eingewobenen Vollprofis, der sich alle Möglichkeiten offen halten will. Aber es war auch gar nicht so entscheidend, was Allofs sagte – sondern was er nicht sagte. Er vermied es konsequent, Werder die Treue auszusprechen. „Ich bin seit 13 Jahren hier, ich muss mich nicht bekennen“, erklärte der Ex-Nationalspieler – und mit jedem Mal, da das Bekenntnis abgefragt wurde, steigerte sich seine Verärgerung. „Es geht nicht darum, wer sich hier etwas wünscht. Es ist doch noch nicht Weihnachten. Da kann man jetzt auch mal einen Punkt machen“, forderte Allofs. Aber da nicht mal ein Komma gesetzt wurde, stellte er die Antworten irgendwann ein: „Ich habe jetzt echt keine Lust mehr…“

Klaus Allofs sieht es so: Weil er – nach eigener Darstellung – nichts Offizielles vorliegen hat, muss er sich auch nicht erklären: „Es nimmt Überhand, dass man sich zu Konsequenzen äußern soll, obwohl noch gar keine Tatsache besteht.“ Dabei sickern die Informationen in Wolfsburg durch jede Ritze. Der Name Schaaf fällt dabei selten, der von Allofs immer wieder. Gestern, am Rande des Wolfsburger 3:1-Erfolgs über Bayer Leverkusen, hieß es, Einigung zwischen Allofs und VW/VfL sei längst erzielt worden, der Vertrag bis 2016 datiert. In den kommenden Tagen soll der Deal auch verkündet werden. Die VW-Bosse bestätigten das freilich nicht. Zwar traten der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn und Aufsichtsrat Francisco Javier Garcia Sanz am Abend vor die Presse, das Allofs-Thema wiegelten sie aber konsequent ab. „Darüber sprechen wir heute nicht“, sagte Winterkorn. Und morgen?

Im Moment herrscht noch die Politik des Schweigens und stillen Handelns. Ähnlich bei Werder. Offizielle Aussagen? Fehlanzeige. Einerseits weil noch Ratlosigkeit herrscht, wie der Verlust des Sportchefs und Vorsitzenden der Geschäftsführung im Falle eines Falles aufgefangen werden kann. Andererseits weil es im Aufsichtsrat unterschiedliche Tendenzen gibt, ob um Allofs (Vertrag bis 2015) gekämpft oder nur um eine möglichst hohe Ablöse aus Wolfsburg gefeilscht werden soll. Die Schätzungen, was Werder verlangen wird, bewegen sich zwischen 2,5 und fünf Millionen Euro. Willi Lemke, der Vorsitzende des Gremiums, positioniert sich öffentlich zwar als Allofs-Fan („Wir hoffen, dass er seinen langfristigen Vertrag bei uns erfüllt“, sagte er „Sport-Bild plus“), gilt inoffiziell jedoch als Allofs-kritisch. Wohin Hubertus Hess-Grunewald, Werner Brinker, Axel Plaat und Neuling Marco Bode tendieren, ist unklar. Hans Schulz ist ein Allofs-Befürworter.

Fakt ist, dass alle von der Entwicklung überrascht wurden. Noch vor einer Woche hatte der Aufsichtsrat mit Allofs die schwere Mitgliederversammlung, auf der ein Minus von 13,9 Millionen Euro verkündet und den Mitgliedern verkauft werden musste, bestritten. Von atmosphärischen Störungen und Abwanderungsgedanken keine Spur. Nun geht es den kontrollierenden Köpfen so wie allen. Sie warten auf ein Signal, eine Entscheidung von Klaus Allofs. Am Wochenende war das Gremium bereits in Bereitschaft versetzt worden, um zusammenzukommen und über Allofs’ Wechsel-Absichten beraten oder entscheiden zu können.

Doch der schickte keine Botschaften, sondern guckte mit Schaaf Fußball in Zwolle. Die beiden sahen einen 4:2-Sieg von Ajax – und eine Rarität: Denni Avdic, von Werder ausgeliehener Stürmer, erzielte nach zweieinhalb Monaten sein erstes Tor für Zwolle. · csa

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