Alles auf die Jugend: Skripniks Mut wird belohnt

4:0 für die Freischwimmer

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Vier Bremer Torschützen und ein starker Bundesliga-Debütant in der Werder-Jubel-Traube (von links): Davie Selke traf zum 2:0, Levent Aycicek zum 4:0. Zlatko Junuzovic (hinter Aycicek) als Kunstschütze zum 1:0 und Janek Sternberg bei seiner Premiere im Profiteam feierten Fin Bartels (hier von Izet Hajrovic in den „Schwitzkasten“ genommen) für dessen Tor zum 3:0. Zweiter von rechts: Alejandro Galvez.

Bremen - von Carsten Sander. Dieser Trainer hat Mut. Viel Mut. Viktor Skripnik, seit einem Monat verantwortlicher Coach bei Werder Bremen, hatte gestern gegen den SC Paderborn alles auf die Karte Jugend gesetzt. Und alles gewonnen. Mit 4:0 (1:0) siegte Werder in einer Partie, die ganz gewiss zur Kategorie „Besonders wichtig“ gehörte.

Nach dem 4:1-Sieg des VfB Stuttgart über den SC Freiburg am Freitag gingen die Bremer mal wieder als Tabellenschlusslicht ins Spiel. Und es war klar: Eine Niederlage wäre fatal gewesen. Dennoch fand Skripnik forsche Antworten auf die durch Verletzungen und Sperren aufgeworfenen Fragen nach den Vertretern.

So spielten für Clemens Fritz, Santiago Garcia (beide gesperrt) sowie Franco Di Santo und Ludovic Obraniak (beide verletzt) die Talente Levent Aycicek (20/fünftes Bundesliga-Spiel), Davie Selke (19/13. Bundesliga-Einsatz) und völlig überraschend auch Linksverteidiger Janek Sternberg (22/Bundesliga-Debüt). So viel Unerfahrenheit in einem Spiel wie diesem? Skripnik erklärt, warum er das Risiko nicht scheute: „Du weißt erst, ob sie schwimmen können, wenn du sie ins Wasser geworfen hast. Sie haben dem Druck standgehalten.“ Außerdem: „Für mich war klar, dass etwas passieren musste. Etwas Verrücktes“, sagte Skripnik.

Es funktionierte perfekt. Aycicek zeigte als Spielmacher der Raute eine starke Partie, glänzte am Schluss gar als Schütze des 4:0 (80.). Selke sorgte als Mittelstürmer für viel Musik im Paderborner Strafraum, erzielte per Kopfballabstauber kurz nach der Pause das bahnbrechende 2:0 (48.), legte zudem das 4:0 auf. Und Sternberg konnte schlussendlich eine nervenstarke und akzeptable Bundesliga-Premiere attestiert werden. „Wir haben gezeigt, dass wir die Talente nicht nur auf dem Papier, sondern auch auf dem Feld haben“, stellte Viktor Skripnik zufrieden fest. Kurz vor Schluss brachte er sogar noch den noch 17 Jahre alten Maximilian Eggestein, der kurzfristig für den dann doch noch nicht einsatzfähigen Philipp Bargfrede in den Kader gerutscht war.

Vier Jung-Profis, die vor 41800 Zuschauern ihren Freischwimmer ablegten. „Ich bin froh, dass die Jungs den Mumm hatten und in so einer

Situation ihren Mann gestanden haben“, meinte Thomas Eichin, der Geschäftsführer Sport beim SV Werder. Und nicht nur er war begeistert, sondern auch die Bremer Fans.

Nach dem Schlusspfiff wurde endlich wieder ausgelassen gefeiert, die Herbst-Depression nach dem Dämpfer im Nordderby sechs Tage zuvor sowie dem fetten Millionen-Minus in der Geschäftsbilanz und dem Hinrunden-Aus für Torjäger Franco Di Santo – sie war wie weggeblasen. Vor der Ostkurve tanzte das Team, auf dem Zaun saß Levent Aycicek und fand das Ganze „einfach nur geil“.

4:0 – so hoch hatte Werder zuletzt am 20. Oktober 2012 gewonnen (gegen Gladbach). Mit dem Sieg machte das Team zudem einen Sprung vom 18. auf den 14. Tabellenplatz. Heute kann es bei einem Dortmunder Sieg bei Eintracht Frankfurt zwar noch einen Rang runter gehen, aber das würde auch nichts daran ändern, dass der Erfolg über Aufsteiger Paderborn „total wichtig“ (Eichin) war. Werder ist runter vom Abstiegsplatz, Werder hat wieder Perspektive und Werder hat junge Spieler, auf die sich bauen lässt. Das weiß der Club jetzt. Wie nachhaltig der Jugendkurs sein wird, muss freilich abgewartet werden. „Es kann“, das machte Skripnik vorsorglich klar , „nicht immer so sein.“

Gegen Paderborn entwickelte sich für seine Rasselbande schnell alles in die richtige Richtung. Davie Selke erzielte ein frühes Tor, stand dabei aber im Abseits (2.). Wenig später wurde aber richtig gejubelt, denn Zlatko Junuzovic setzte einen Freistoß aus 30 Metern in den Winkel. „Ein Traumtor, das er sicher nicht so oft wiederholen wird“, staunte Paderborns Trainer Andre Breitenreiter.

Dessen Team setzte ganz auf Pressing und Konter, war so auch gefährlich, kam aber nicht zu erfolgversprechenden Abschlüssen. Auf der Gegenseite vergab Selke zwei gute Chancen, das Ergebnis auf 2:0 zu stellen (22./24.).

Nach der Pause klappte es dann besser. Wieder war ein Freistoß des überragenden Junuzovic der Ausgangspunkt. Der Ball segelte an den Pfosten, Selke stand goldrichtig, nickte ein (48.). Weil Fin Bartels nach einer verunglückten Faustabwehr von SCP-Schlussmann Lukas Kruse flott auf 3:0 erhöhte (50.), war die Begegnung früh entschieden. Paderborn, das insgesamt enttäuschte, kam zwar noch zu Möglichkeiten durch Marvin Bakalorz (60.) und Moritz Stoppelkamp (62.), doch Werder hätte jederzeit zurückschlagen können. Dass die Bremer in dieser Phase zu großzügig mit ihren Chancen umgingen, war aber auch schon alles, was sie sich gestern vorwerfen lassen musste.

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