„Großer Respekt“ vor Ex-Club Werder

Alles bestens bei Papa „Papa“

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Inzwischen ein echter Borusse – aber immer noch sehr interessiert an Ex-Club Werder: Dortmunds Innenverteidiger Sokratis. ·

Dortmund - Sein Einsatz im alten Wohnzimmer Weserstadion stand auf der Kippe. Erst zwickte die Wade, dann wartete Sokratis ungeduldig auf sein erstes Kind. Nun aber ist alles gut – mit dem Bein und mit dem Nachwuchs. Am Mittwoch brachte seine Frau Xanthi Töchterchen Charula zur Welt.

Der 25-jährige Grieche, den sie bei Borussia Dortmund passenderweise „Papa“ und nicht wie in Bremen „Papas“ nennen, ist überglücklich. Und er hatte vor dem Wiedersehen mit Ex-Club Werder sogar noch Zeit für ein Interview.

Sokratis, in Bremen war Ihr Stamm-Grieche direkt am Weserstadion. Haben Sie in Dortmund auch schon ein passendes Restaurant gefunden?

Sokratis (lacht):  Ja, am Essen scheitert hier definitiv nichts. Immer, wenn wir zwei Trainingseinheiten pro Tag haben, kocht Toni Pace am Trainingsgelände Italienisch für uns, zu Champions League-Auswärtsspielen reist Oreste Leone mit – ebenfalls ein Weltklasse-Koch aus Italien. Und im Dortmunder Kreuzviertel gibt’s eine Menge guter Restaurants. Auch griechische.

Wie unterscheiden sich die beiden Städte, wie lebt es sich in Dortmund?

Sokratis:In beiden Städten kann man sich richtig wohlfühlen. Dortmund hat genauso tolle, grüne Ecken wie Bremen, eine richtig schöne Innenstadt und im Phönixsee mit der Flaniermeile jetzt auch ein wunderbares Naherholungsgebiet. Ich bin echt sehr positiv überrascht. Außerdem ist hier alles total fußballverrückt und familiär. Ich musste mich also gar nicht großartig umstellen.

Sie haben beim BVB in dieser Saison 21 von 29 Pflichtspielen bestritten, standen dabei immer in der Startelf – sind Sie zufrieden?

Sokratis:Zufriedenheit ist Stillstand. Und für Stillstand stehe ich nicht zur Verfügung. Ich möchte mich weiterentwickeln, mein Potenzial ausschöpfen, der beste Innenverteidiger werden, der ich sein kann. Es war mein Wunsch, beim BVB unter Jürgen Klopp zu trainieren, weil ich die Fußball-Philosophie, für die er steht, extrem schätze. Heute kann ich sagen: Der BVB war die richtige Wahl! Wir spielen in drei Wettbewerben, da braucht man drei starke Innenverteidiger. Und ich denke, dass wir alle drei (Sokratis, Mats Hummels und Neven Subotic - Anm. d. Red.) in Sachen Leistungsvermögen nicht weit auseinanderliegen.

Spielen Sie anders als bei Werder?

Sokratis:Natürlich sind viele Abläufe anders, auch das Spielsystem ist ein anderes. Obwohl wir beim BVB Top-Offensivspieler wie Reus, Mkhitaryan, Blaszczykowski, Aubameyang oder Lewandowski haben, definiert der Trainerstab unseren Fußball zunächst einmal über die Arbeit in der Defensive. Das gilt allerdings für jeden im Team, für den Stürmer genauso wie für den Innenverteidiger. Beim BVB heißt es: Der beste Moment, den Ball zurückzuerobern, sind die ersten Sekunden nach dem Ballverlust! Der größte Unterschied für mich persönlich: Dass es hier viel schneller gehen muss, auch für uns Innenverteidiger. Wir sollen den Ball zügig laufen lassen. Der Trainer fordert das jeden Tag von uns ein.

Was müssen Sie noch besser machen?

Sokratis (lacht): In der einen oder anderen engen Situation kann ich sicher noch ein wenig besonnener, sachlicher agieren. Ich bin aber eben gierig auf Erfolg!

Als Sie Bremen im Sommer verlassen haben, hieß es hinter vorgehaltener Hand bei Werder: Das ist zwar ein schwerer Verlust, aber Sokratis hat auch egoistisch gespielt, sich oft nicht an taktische Vorgaben gehalten, den können wir ersetzen. Ärgert Sie das?

Sokratis.Ich kann und will nicht beurteilen, was irgendwer hinter vorgehaltener Hand angeblich gesagt hat. Ich hatte eine wunderschöne Zeit in Bremen, die ich nie vergessen werde. Ich halte mich selbst für einen Teamspieler, mir gefällt es einfach, wenn ich helfen kann. Und dem ordne ich alles unter. Als Fußballer bekommst du nichts geschenkt. Genau wie im Leben. Diese Einstellung hat mir in Italien Gennaro Gattuso vermittelt. Der war Weltmeister, dennoch hat er in jedem Training alles gegeben. Das war beeindruckend! Und ich finde: Es gehört sich so.

Schauen Sie sich noch Werder-Spiele an?

Sokratis:Wenn es die Zeit hergibt – auf jeden Fall. Aber da wir über weite Strecken der Saison im Drei-Tage-Rhythmus spielen, hat die Familie in der Freizeit natürlich oberste Priorität. Jetzt erst recht: Seit Mittwoch ist unsere Charula da – und wir sind natürlich die glücklichsten Eltern der Welt.

Herzlichen Glückwunsch! Dann sind Sie morgen bestimmt noch motivierter, den ersten Sieg für Ihre Tochter einzufahren . . .

Sokratis (lacht):Noch motivierter? Geht das bei mir überhaupt?

Zurück zu Werder: Warum ist Ihr Ex-Club so schlecht?

Sokratis:Das haben Sie gesagt. Ich maße mir nicht an, Werders Leistungen aus 230 Kilometern Entfernung zu beurteilen. Wir können gern über den BVB sprechen. Davon habe ich Ahnung.

Was ist der größte Unterschied zwischen dem BVB und Werder?

Sokratis:Alles ist hier ein bisschen größer. Das Stadion, das Trainingszentrum, das interne und externe Anspruchsdenken, das Medienaufkommen. In unserem spanischen Trainingslager waren mehr als 50 Journalisten aus aller Welt. Alles, was du tust, kann in einer Geschichte enden.

Wie schwer fällt es Ihnen, Werder am Samstag möglicherweise den nächsten Stoß Richtung Abstiegsplätze zu versetzen?

Sokratis:Ich denke nicht daran, Werder einen Stoß zu versetzen. Ich denke nur daran, dass wir uns selbst einen Schubser nach vorn verpassen. In der Champions League haben wir in der schwierigsten Vorrunden-Gruppe Platz eins belegt, im DFB-Pokal läuft es bislang perfekt – aber in der Bundesliga haben wir nur auf Platz vier überwintert. Inzwischen sind wir schon Dritter und wollen nach Möglichkeit noch den zweiten Platz erreichen. Nur darum geht es uns. Nicht darum, anderen Teams weh zu tun.

Hat der BVB durch den Sieg in Braunschweig seine Krise überwunden?

Sokratis:Ich habe Ihnen ja gerade geschildert, wie wir uns in den einzelnen Wettbewerben geschlagen haben. Halten Sie das Gesamtpaket wirklich für eine Krise? Wir können nach wie vor all unsere Saisonziele aus eigener Kraft erreichen oder haben sie – mit dem Erreichen der K.o.-Phase in der Champions League – sogar schon erreicht. Fakt ist aber: Wir hatten gegen Ende der Hinrunde unfassbar viele Verletzte, teilweise fehlte die komplette Viererkette und das komplette defensive Mittelfeld war auch nicht einsatzfähig – eine extrem schwierige Situation, die es in dieser Ausprägung selten gab! Fakt ist aber auch: Wir können und müssen trotzdem besser Fußball spielen.

Was ist für die Borussia in dieser Saison noch möglich?

Sokratis:Wir setzen uns überhaupt keine Limits!

Sind die Bayern unschlagbar?

Sokratis:Nein. Wir können sie schlagen, und das haben wir trotz des klaren Ergebnisses in der Hinrunde auch gezeigt. Im Supercup hatten wir sie zuvor ja sogar bezwungen. Nichtsdestotrotz sprechen wir über die beste Mannschaft der Welt mit einem der höchsten Budgets der Welt, das unseres bei Weitem übersteigt. Dass die Bayern so stark sind und mit hoher Wahrscheinlichkeit Meister werden, respektieren wir neidlos und messen uns über die gesamte Saison hinweg ausschließlich an uns und unseren Zielen – nicht an den Bayern.

Noch mal zum Werder-Spiel: Mit welcher Art Empfang rechnen Sie in Bremen?

Sokratis:Ich rechne nicht, das steht mir nicht zu. Ich würde mich natürlich sehr über eine freundliche Begrüßung freuen. Ich habe nach wie vor großen Respekt vor Werder Bremen und seinen tollen Fans. Das habe ich immer betont. Und das wird sich auch nie ändern.

Geht es nach dem Spiel schnell noch auf eine Portion Gyros zu Ihrem Lieblingsgriechen?

Sokratis (lacht): Schön wär’s. Ich fürchte, der Zeitplan lässt aber nur ein paar Interviews und einen hastigen Teller Nudeln im Kabinengang zu, damit der Kohlenhydratspeicher wieder gefüllt ist. Dann sind wir auch schon wieder weg. Und ich werde meinen alten Kollegen nur das Allerbeste für den Rest der Saison wünschen. · kni

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