Bilanz in Kellerduellen flößt Angst ein

Allerhöchste Alarmstufe

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Bediente Bremer: Nach der 1:2-Niederlage im Nordderby schlichen die Werder-Profis konsterniert vom Feld. Gestern verschärfte sich die grün-weiße Situation im Abstiegskampf durch den Frankfurter Sieg zusätzlich. Foto: Gumz

Bremen - Von Carsten Sander. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt – eigentlich. Bei Claudio Pizarro verhält es sich etwas anders. Dass Werder Bremen in der kommenden Saison in der Zweiten Liga spielt, bewegt sich nämlich klar außerhalb seiner Gedankenwelt. „Nein, das kann ich mir wirklich nicht vorstellen“, sagt der Torjäger und garniert die Aussage mit einem Lächeln, das er wohl auch aufgesetzt hätte, wenn ihm jemand erzählt hätte, dass er morgen zum Mars fliegt. Unmöglich!

Das mit dem Mars jedenfalls. Das mit dem Abstieg auch? Werder Bremen hat viel dafür getan, dass die Sorgen rasant anwachsen. Mit der 1:2 (0:2)-Pleite im Bundesliga-Nordderby beim Hamburger SV hat sich das Team am Freitagabend in eine mehr als missliche Lage gebracht. Eintracht Frankfurt hat gestern mit dem 2:1-Sieg über Mainz 05 für die extrem verschärfend wirkende Zugabe gesorgt. Die Bremer sind nun nur noch einen Punkt vom direkten Abstiegsplatz entfernt. Jetzt muss in einer Woche im Montag-Abend-Abstiegsthriller gegen den VfB Stuttgart unbedingt ein Sieg her, um die Chance auf die direkte Rettung zu wahren. Es herrscht höchste Alarmstufe an der Weser.

Als „prekär wie noch nie“, beschreibt Zlatko Junuzovic den Stand der Dinge. „Es ist eine schwierige Situation, wir müssen sie begreifen“, sagt auch Pizarro.

Wer Augenzeuge der ersten Halbzeit in Hamburg war, musste sich aber zwangsläufig fragen, ob das Begreifen tatsächlich schon stattgefunden hat. So blutleer war Werder drei Tage nach dem Pokalaus bei Bayern München (0:2) aufgetreten. „Fahrlässig“ sei man in die Partie gegangen und habe eine „Vielzahl an Fehlern“ gemacht, kritisierte Kapitän Clemens Fritz später in aller Schärfe. „Wir haben uns überrumpeln lassen“, jammerte auch Junuzovic. Und das, obwohl allen die Bedeutung der Partie klar gewesen war. Dennoch spielte Werder eine Halbzeit lang wie ein Absteiger. Und das passt zu dem, was das Team immer wieder in dieser Saison präsentiert: Geht es gegen direkte Konkurrenten, setzt das Versagen ein. „Es ist ein Trend“, gibt selbst Geschäftsführer Thomas Eichin zu. Was das für die Partie gegen Stuttgart bedeutet, ist auch klar. Eichin: „Wir müssen diesen Trend durchbrechen, dafür sind Trends da.“

Zwölf Punkte in zwölf Duellen mit den anderen Kellerkindern (siehe Tabelle) sind mitverantwortlich für den aktuellen Schlamassel, in dem Werder steckt. Außerdem flößt die Bilanz Angst ein vor den Heimspielen gegen den VfB und den auf Tuchfühlung gegangenen Vorletzten aus Frankfurt zum Saisonausklang. „Wir müssen uns Sorgen machen“, meint Aufsichtsratschef Marco Bode, „aber nicht wegen dieser Statistik. Jetzt kommen schließlich auch andere Faktoren hinzu – die Nerven werden eine Rolle spielen bei allen, die da unten in der Gefahrenzone sind.“

Nun ist es freilich kein Naturgesetz, dass Bremer über bessere Nerven verfügen als Frankfurter, Stuttgarter oder Hoffenheimer. Tatsächlich gibt der von Claudio Pizarro in Hamburg verschossene Elfmeter sogar einen Hinweis darauf, dass das grün-weiße Nervenkostüm schon angekratzter ist als gewünscht. Junuzovic räumt ein, dass der Tank mit der mentalen Kraft möglicherweise bald auf Reserve schaltet: „Abstiegskampf ist nie einfach für den Kopf. Wir haben nun schon die gesamte Saison mit dem Abstieg zu tun, sind seit langer Zeit unten drin. Es ist hart, aber es hilft nichts, da müssen wir jetzt durch.“

So ist es. Die Partie gegen Stuttgart wird dabei zur maximalen Belastungsprobe. Mit einem Sieg könnte Werder zwei Spieltage vor Schluss den Relegationsrang verlassen, bei einer Niederlage wäre der direkte Klassenerhalt ziemlich weit weg und der zweite Abstieg der vereinsgeschichte sehr nahe. Es wird also ein Spiel mit Finalcharakter – auch wenn Thomas Eichin davon nichts hören will: „Wir werden nicht irgendwelche Schreckensszenarien und damit unnötigen Druck aufbauen. Für mich ist ganz klar, dass die Saison erst am 34. Spieltag entschieden wird.“

Bis dahin können alle möglichen Konstellationen durchgerechnet und durchgespielt werden, „aber das bringt uns ja alles nix“, sagt Junuzovic. Genauso wie das Drüberreden „nix“ bringt. Das einzige, das was bringt, sei ein Sieg über den VfB Stuttgart in einer Woche. Junuzovic: „Das ist jetzt das Wichtigste überhaupt. Wir hoffen alle schwer, dass es uns gelingt.“ Und tatsächlich freut sich ein Bremer sogar auf die ultimative Spannung. Wer? Natürlich Claudio Pizarro. „Ich mag diese Endspielsituationen. Es liegt alles in unserer Hand.“

Jeder gegen jeden im Keller – die Tabelle

1. Darmstadt 98

13

20:14

24

2. FC Augsburg

13

17:13

21

3. 1899 Hoffenheim

13

16:17

19

4. Hamburger SV

13

17:15

18

5. VfB Stuttgart

13

25:24

18

6. Eintracht Frankfurt

12

13:11

17

7. Werder Bremen

12

18:19

12

8. Hannover 96

13 

13:23

10

Hinweis: Es sind nur die Spiele berücksichtigt, die die Teams von Platz elf abwärts gegeneinander bestritten haben.

Pizarro zeigt Nerven, Djilobodji unsicher

Bittere Pleite im Nordderby

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