Die Mannschaft muss Trainer Schaaf retten

Alle für einen?

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Thomas Schaaf im Fokus. Für den Werder-Trainer könnte die Partie in Leverkusen zum Schicksalsspiel werden – wenn ihn das Team erneut hängen lässt. ·

Bremen - Der Trainer spricht wieder! Nach dem sportlich desaströsen 0:3 gegen den VfL Wolfsburg hatte Thomas Schaaf noch seine Analyse des Spiels kund getan, danach in der Öffentlichkeit eisern geschwiegen. Vier Tage lang.

„Es hätte nichts gebracht, alles ständig zu wiederholen. Es hat sich ja keine neue Situation ergeben“, erklärte der Werder-Coach gestern die stille Woche. Auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen (morgen, 15.30 Uhr) meldete er sich gestern wieder zu Wort.

Doch weder lieferte der 51-Jährige eine Brandrede vor dem Endspurt im Abstiegskampf noch las er seinem Team öffentlich die Leviten noch verlor er ein Wort über seine persönliche Situation. Dabei ist die zweifelsfrei als heikel zu bezeichnen. In Leverkusen geht es für Schaaf nicht nur um drei Punkte, sondern eventuell auch um seinen Job.

Gleich dreimal musste Sportchef Thomas Eichin gestern die offizielle Haltung der Geschäftsführung in der Trainerfrage wiederholen. „Die Marschroute ist ganz klar: Wir gehen den Weg weiter mit Thomas Schaaf.“ Eine zeitliche Eingrenzung verweigerte er aber strikt. Gilt die Marschroute bis zum Saisonende? Oder nur bis zum Wochenende? „Mehr muss ich nicht sagen“, blockte Eichin. Was nur bedeuten kann: Nach Leverkusen wird neu überlegt. Bei einer weiteren Niederlage mit einer ähnlich schlimmen Vorstellung wie gegen Wolfsburg ist eine Trennung nicht mehr ausgeschlossen.

Wie Schaaf über seine Situation denkt? Angeblich gar nicht. Wie immer behauptete er, voll in seine Aufgaben vertieft zu sein: „Ich bin sehr fixiert darauf.“ Das Drumherum, meinte Schaaf, komme bei ihm gar nicht an. Es sind Aussagen wie ein Burggraben, in den weitere Nachfragen stürzen, absaufen und nicht wieder auftauchen.

Schaafs Antennen sind vorgeblich nur auf die Mannschaft ausgerichtet. Auf ein Team, das unter seiner Führung seit neun Spielen nicht mehr gewonnen hat. Das immer schlechter wird. Das sich in einem Selbstauflösungsprozess befindet, in der Krise zerfällt. „Wir sind“, hat Verteidiger Sebastian Prödl festgestellt, „keine Einheit mehr“.

Es waren auch Sätze wie diese, die die Bremer zu einer Maßnahme veranlassten, die in der aktuellen Lage sinnvoll erscheint, aber auch irgendwie gezwungen wirkt. Das Team fuhr am Mittwoch in die Kaserne Delmenhorst und ging dort auf die Hindernisstrecke – auch als „Rödelbahn“ bekannt. Warum? Schaaf erklärt‘s: „Man muss überlegen, was kann uns als Team auf dem Platz noch enger zusammenbringen? Wir haben in ein paar Übungen aufzeigen können, wie gut es vielleicht ist, als Team zu fungieren. Und was es ausmacht, als Team aufzutreten und wo da die Stärke, wo der Nutzen sein könnte.“

Thomas Eichin hat keinen Zweifel, dass die Maßnahme fruchten wird. So wie er insgesamt keinen Zweifel an der Arbeit des Trainers hat. „Er versucht situationsbedingt das Beste herauszuholen. Das ist perfekt“, sagte der 46-Jährige. Dumm nur, dass die Mannschaft nun schon seit Wochen vergisst, daraus etwas zu machen. Sprich: Siege einzufahren. Ob sich das ausgerechnet bei Bayer Leverkusen, dem nach Bayern München heimstärksten Team der Liga, ändert? „Ich weiß“, meinte Eichin, „jeder geht davon aus, dass wir dort verlieren. Wir nicht.“

De Bruyne humpelt vom Trainingsplatz

De Bruyne humpelt vom Trainingsplatz

Die Bremer wollen nach Rödelbahn am Mittwoch und selbst organisiertem Teamabend am Dienstag (die Spieler trafen sich laut „Bild“ im Bremer Restaurant „Galaxy“ zum Barbecue) das Ende der Krise einläuten. „Das Teambuilding war eine gute Idee. Wir haben die ganze Woche viel Zeit miteinander verbracht. Ich hoffe, das zahlt sich aus“, sagte Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie.

Das hofft auch Eichin und forderte: „Ich will wieder eine Mannschaft auf dem Platz sehen. Einsatz, Leidenschaft und Mut sind gefragt. Damit kannst du in jedem Stadion der Welt bestehen. Die Mannschaft ist gefordert, da muss jetzt ’was kommen.“ Elf verunsicherte Individualisten zur Einheit verschmolzen – und alle zusammen müssen für einen spielen: für ihren Trainer. · csa/mr

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