Werder spielt nicht, sondern kämpft nur – zu wenig im Abstiegskampf?

Alarmierende Armut

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Ziemlich angefressen: Werders Vizekapitän Aaron Hunt (Mitte) findet, dass sich einige seiner Teamkollegen vor dem Ball verstecken. ·

Bremen - War das schon Robin Dutts erste Reaktion auf die Wolfsburg-Pleite? Statt des gemütlichen Auslaufens hatte der Bremer Coach gestern Vormittag eine etwas intensivere Einheit für die Startelf angesetzt. Inklusive einer rund 40-minütigen Trainingspartie. Es wird das geübt, was Werder nicht kann.

Das Spielerische ist eine Riesenschwäche des Tabellen-13., die im Abstiegskampf noch richtig wehtun kann. Nur Kämpfen könnte auf Dauer zu wenig sein. Das ahnt auch Aaron Hunt, der inzwischen mächtig genervt ist.

Am Dienstagabend in der Mixed-Zone platzte dem Vizekapitän, der diesmal allerdings selbst alles andere als geglänzt hatte, wenige Minuten nach dem 1:3 der Kragen. Er legte den Finger – zu Recht – tief in die Wunde und bemängelte: „Wir tun uns unheimlich schwer, wenn wir den Ball haben. Ich habe den Eindruck, dass zu wenige bei uns ihn wirklich haben wollen. Und das ist nie gut für eine Mannschaft. So, wie in den letzten beiden Spielen geht es nicht weiter – da müssen wir ehrlich sein.“

Sportchef Thomas Eichin hört solche klaren, kritischen Worte natürlich nicht gerne – und ist bemüht, gleich gegenzusteuern. „Wir dürfen jetzt nicht anfangen, dass einer auf den anderen losgeht. Wir sind eine Mannschaft und kommen da nur als Kollektiv wieder heraus.“

Die Teamkollegen reagierten – zumindest öffentlich – nicht sonderlich gereizt auf Hunts Vorwürfe. Sebastian Prödl betonte zwar, dass für die Bremer „einzig und allein die Punkte zählen. Wie wir die holen, ist mir völlig egal.“ Er gab Hunt aber „auch Recht. Wir müssen uns da verbessern.“ Clemens Fritz findet nicht, „dass bei uns alle vor dem Ball weglaufen. Wir müssen es aber hinkriegen, dass alle ihn noch mehr haben und etwas damit machen wollen. Da sind wir alle gefordert.“ Und Stürmer Nils Petersen urteilte: „Aaron treibt den Ball gerne mit ein, zwei Kontakten durchs Mittelfeld. Da hatte er keine Anspielstationen. Und dann kann ich verstehen, dass er unzufrieden ist.“

Trainingsmatch statt Laufen: Dutt lässt spielen

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Hunt lässt die Kugel gerne laufen und bringt dafür auch die technischen Voraussetzungen mit. Trotzdem klappt das Zusammenspiel, besonders im Mittelfeld, überhaupt nicht. Und das, obwohl er in Zlatko Junuzovic und Ludovic Obraniak zwei erfahrene Männer neben sich hat, die dazu eigentlich ebenfalls in der Lage sein sollten. Junuzovic ist österreischischer Nationalspieler, darf im Team Austria häufig auch mal zentral als Gestalter ran. Bei Werder jedoch fällt der 26-Jährige lediglich durch sein enormes Laufpensum auf. Gefährliche Aktionen oder kluge Pässe? Nahezu Fehlanzeige. Neuzugang Obraniak ist längst noch nicht die erhoffte Verstärkung. Zwar bereitete der Franzose Sebastian Prödls 1:2 (16.) gegen Wolfsburg durch einen Freistoß vor, ansonsten war von ihm aber gar nichts zu sehen. Der 29-jährige polnische Nationalspieler hat noch enorme Probleme mit der Geschwindigkeit, die in der Bundesliga deutlich höher ist als in der französischen Ligue 1. Gegen Wolfsburg musste Obraniak schon zur Pause raus, sein Nachfolger Eljero Elia machte es besser – ohne Bäume auszureißen.

Insgesamt hat es Dutt bisher nicht geschafft, seinem Team einigermaßen ansehnlichen Fußball beizubringen. Gelungene Ballstaffetten muss man bei Werder mit der Lupe suchen. Auch gegen keinesfalls überzeugende und defensiv anfällige Wolfsburger war erschreckend wenig Fluss im Spiel. Alarmierend zudem: Die meisten Bremer Treffer in der Rückrunde resultierten nicht etwa aus gelungenen Kombinationen, sondern aus dicken Böcken der Gegner, Standardsituationen oder Zufallsprodukten (siehe Extrakasten).

Die spielerische Armut, die bei den Fans für tiefe Sorgenfalten sorgt, dürfte auch ein Grund sein, warum es Hunt im Sommer wegzieht aus Bremen. Wohin (ob Besiktas Istanbul oder Bayer Leverkusen oder doch zu einem anderen Club), verrät er nach wie vor nicht. Er habe, versicherte er, über seine fußballerische Zukunft „noch immer keine Entscheidung getroffen. Ich kann das auch ausblenden, das belastet mich nicht.“ Im Gegensatz zur aktuellen Bremer Situation – das weiß man spätestens seit Dienstag. · mr

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