„Aggressiv und eklig“ – das fordert Jannik Vestergaaard heute in Berlin

Schluss mit braven Bremern: Mehr Härte gegen Hertha

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Auf der Rückreise will Jannik Vestergaard endlich die ersten Punkte der Saison im Gepäck haben. Vor der gestrigen Abfahrt mit der Bahn nach Berlin forderte Werders Innenverteidiger eine robustere Herangehensweise als zuletzt.

Bremen - Vielleicht kramen Werders Video-Analytiker diesen Streifen ja noch mal raus – rechtzeitig vor dem heutigen Auftritt bei Hertha BSC. Der fast ein Jahr alte Film datiert vom 23. August 2014, aufgenommen am ersten Bundesliga-Spieltag im Berliner Olympiastadion. Nach einem 0:2-Rückstand hatten die Bremer damals noch ein 2:2 erkämpft.

„Kann schon sein, dass sie uns das zeigen“, schmunzelt Werders Abwehr-Hüne Jannik Vestergaard. Er selbst verteidigte damals für Hoffenheim, sein Chef Viktor Skripnik trainierte Werders U23 – normalerweise sehen die Profis aktuellere Bilder. Aber „es könnte uns in dem Glauben bestärken, ein Spiel noch drehen zu können. Selbst dann, wenn es schwer aussieht“, meint Vestergaard.

Diesen Glauben konnte Skripnik während der 0:3-Niederlage gegen Schalke nicht so recht bei seinen Profis ausmachen. Der Trainer vermisste „den letzten Biss“, eine „Reaktion“. Als Beispiel nannte der 45-Jährige das 0:2: „Das war wie beim ,Fünf gegen Zwei‘: Wir waren zwar alle da, aber das Tor ist trotz Überzahl gefallen. Natürlich wollten wir da härter sein. Das hat mir gefehlt“, monierte Skripnik.

Vestergaard stimmt zu: „In bestimmten Situationen müssen wir aggressiver sein – und noch geiler aufs Tor, wenn wir in der Nähe des gegnerischen Strafraums sind. Bei den Zweikämpfen müssen wir noch mehr drauflegen, wenn wir gegen Hertha bestehen wollen.“

Denn die Berliner bringen inzwischen das mit, was Bremen in der Rückrunde der abgelaufenen Serie noch ausgezeichnet hatte, urteilte Skripnik: „Da hat jeder seine Aktionen, jeder sucht seine Zweikämpfe, jeder ist für jeden da.“ Das bescherte Hertha zum Liga-Start am Samstag in Augsburg einen „Männer-Sieg – herausgearbeitet, herausgeschwitzt“, wie es Berlins Coach Pal Dardai nach dem Abpfiff stolz formulierte. Allerdings ein Sieg unter Verlusten, denn Roy Beerens sah die Ampelkarte. Werder hingegen kam gegen Schalke ohne eine einzige Verwarnung aus. Dies warf Fragen nach eventuell zu braven Bremern auf, doch „das“, sagt Skripnik, „macht mir keine Sorgen. Wir sind nicht weich geworden.“

Trotzdem fordert Vestergaard nun eine robustere Herangehensweise als zuletzt – und nennt ebenfalls das Beispiel der letzten Saisonhälfte: „Wir haben in der Rückrunde gesehen, wie aggressiv und eklig wir bei der Arbeit gegen den Ball sein können. Und wir haben damals nicht sehr viele Chancen benötigt, um Tore zu machen“, erinnert der 23-Jährige: „In Berlin wird es ein schweres Spiel, in dem wir unser Allerbestes geben müssen. Aber wenn wir im Kollektiv anpacken und an einem Strang ziehen, kommen auch wieder die richtigen Ergebnisse.“

Am liebsten wäre dem Dänen, schon heute damit anzufangen. „Freitagabendspiele sind etwas Besonderes – nicht nur wegen der Flutlichtatmosphäre“, schildert Vestergaard: „Ganz Deutschland guckt da doch am Fernseher zu und passt auf, wie wir und Hertha spielen. Das freut uns, aber dann wollen wir auch gut aussehen.“ ck

Fakten zum Spiel

• Herthas heutiger Trainer Pal Dardai kassierte die meisten Niederlagen seiner Bundesliga-Karriere als Spieler gegen Werder (14 in 22 Spielen).

• Dardai spielte seit 1997 für Hertha, sein Bremer Trainerkollege Viktor Skripnik seit 1996. Im Berliner Olympiastadion beendete Skripnik übrigens seine Profikarriere – im Mai 2004 im siegreichen DFB-Pokalfinale gegen Alemannia Aachen.

• Die Hanseaten verloren die letzten drei Bundesligaspiele mit 2:8 Toren und sind auswärts seit dem 1:0 in Freiburg vom 7. März sieglos.

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