Dimanski & Co. setzen sich gegen den Team-Doktor der Selecao durch

Ärzte-Krach um Naldo

Bremen statt Brasilien: Naldo fliegt nicht zur Behandlung in die Heimat.

Belek · Die Koffer hatte Naldo schon gepackt. Werder Bremens am Knie verletzter Abwehrspieler wollte gestern nach Brasilien fliegen, um sich von Jose Luiz Runco, dem Mannschaftsarzt der brasilianischen Nationalelf, untersuchen zu lassen. Sogar eine Operation stand im Raum.

Am Abend dann die Rolle rückwärts. „Naldo bleibt in Bremen und wird dort seine Reha fortsetzen“, sagte Werder-Boss Klaus Allofs. Die deutschen Ärzte Dr. Götz Dimanski, Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Kniespezialist Professor Ulrich Boenisch hatten sich im Streit um die Behandlungsmethoden beim 28-Jährigen durchgesetzt.

Training im Flutlicht

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„Eine Operation macht überhaupt keinen Sinn“, erklärte Werders Mannschaftsarzt Dimanski, „sie ist aus meiner Sicht komplett kontraproduktiv“. Naldo leidet seit Monaten an einer besonders seltenen Art eines Knochenödems im rechten Knie. Ungeduld und Verzweiflung hatte ihn dazu veranlasst, nach dem letzten Strohhalm in Brasilien zu greifen. Doch schließlich überzeugten ihn doch die Argumente von Dimanski und Allofs, die gestern beide noch mit dem Abwehrspieler telefonierten. „Er hat die Lage jetzt anders eingeschätzt und ist unserem Ratschlag gefolgt“, sagte Allofs, der einer Reise seines Stars ohnehin nur mit Magenschmerzen zugestimmt hatte.

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Daher hat der Sportchef jetzt auch noch mal sanften Druck auf seinen Spieler ausgeübt. „Wir haben ihm gesagt, dass es sein Körper ist, aber dass wir dann nicht die volle Verantwortung übernehmen“, erklärte Allofs. Zudem seien Dokumente zwischen Brasilien und Belek hin und her geschickt worden, um die Art der Behandlung in Brasilien und die Prognosen einzusehen. Auch in Brasilien habe man Naldo keine Wunderheilung versprechen können. „Ich bin sehr glücklich, dass er nicht geflogen ist“, sagte Dimanski, „rationale Argumente haben ihn schließlich überzeugt.“

Die Verletzung bei Naldo sei eine ganz spezifische und seltene, wie Dimanski erklärte. Zudem sei der Auslöser nicht bekannt, was die Situation noch einmal verschlimmere. „Sie ist in keinem Lehrbuch zu finden, Vergleiche sind daher schwierig. In meinen 27 Jahren als Arzt habe ich erst zwei Fälle kennengelernt.“ Der eine, ebenfalls ein heute noch aktiver Werder-Spieler, „ist blendend ausgegangen“. Das erhofft sich Dimanski nun auch bei Naldo, dem zweiten Fall.

Der Brasilianer werde weiter wie bisher behandelt. „Das braucht viel Zeit und Geduld. Wichtig ist, dass der Knorpel ernährt wird, eine Durchblutung stattfindet und der Kreislauf in Schwung bleibt.“ Auf keinen Fall dürfe die Längsachse mit dem Körpergewicht belastet werden. An ein mögliches Karriereendes des Spielers glaubt Dimanski nicht: „Solange Naldo die Geduld nicht verliert, sehe ich da keine Gefahr.“

Auch Werder-Boss Allofs wollte den Teufel nicht an die Wand malen: „Es bringt jetzt nichts, darüber zu spekulieren, zu wie viel Prozent seine Karriere vielleicht in Gefahr ist. Im Moment spricht jedenfalls nichts dagegen, dass er wiederkommt.“

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