Traumhafter Freistoß

Das Ass im Ärmel: Obraniak haucht Werder Hoffnung ein

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Achtung, fertig, Jubel! Ludovic Obraniak (re.) hat den ausgewechselten Nils Petersen schon vor Freude über den Freistoß zum 1:1 niedergestreckt, auch Trainer Robin Dutt (li.) wirft sich gleich ins entstehende Getümmel. 

Bremen - Auf der Innenseite des rechten Handgelenks hat Ludovic Obraniak eine Tätowierung, die wirklich nicht gewöhnlich ist. Vier Spielkarten mit Assen hat sich der Franzose dort stechen lassen – und das passt perfekt zu seiner Rolle am Samstag beim 1:1 (0:1) gegen Borussia Mönchengladbach.

Denn mit seinem Freistoßtor in der 88. Minute war Obraniak für Werder Bremen das Ass im Ärmel.

In einem Spiel, das beinahe schon verloren schien, trat der 29-Jährige einen Freistoß, der das Prädikat perfekt zweifelsfrei verdiente. Aus 18 Metern segelte der Ball über die Mauer genau in den Knick. Werder-Sportchef Thomas Eichin sprach später von einem „genialen Moment“, den er allerdings vorausgeahnt hatte. Und den die Bremer Fans mit aller Macht wollten. Als Obraniak sich den Ball zurechtgelegt habe, hatte jedenfalls Trainer Robin Dutt „das Gefühl, dass das ganze Stadion den Ball reinschreien wollte“. Was danach folgte, war unbändige Freude. Vor der Werder-Bank türmte sich ein Haufen grün-weißer Spieler auf, mittendrin Robin Dutt, ganz unten Ludovic Obraniak.

Auf dem Mann, der sein Team gerade von der Zentnerlast einer drohenden Niederlage befreit hatte, lastete nun das Gewicht von zehn bis zwölf erwachsenen Männern. Atemnot? Ach was, lachte Obraniak: „Für mich war es toll zu merken, wie sich die ganze Truppe freut. Das Tor war der Lohn für die Mannschaftsleistung in der zweiten Halbzeit.“

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Tatsächlich hatte sich Werder in einem Spiel, das durch Assani Lukimyas schweren Patzer mit dem frühen Rückstand durch Raffael (6.) begonnen hatte, nach der Pause zur besten Halbzeit der noch jungen Rückrunde aufgeschwungen. „Eine Mischung aus kämpferischer Hingabe und Mut“ nannte Eichin die Vorstellung, die nun Zuversicht spenden soll für die kommenden Aufgaben. Nacheinander spielt Werder gegen Eintracht Frankfurt, den HSV, gegen den 1. FC Nürnberg, VfB Stuttgart und SC Freiburg – alles Duelle mit direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. Es werden Wochen der Wahrheit, und Winter-Einkauf Ludovic Obraniak hat mit seiner Freistoß-Kunst dafür gesorgt, dass Werder nicht gänzlich demoralisiert in die Partien gehen muss. „Wir haben uns gegen Gladbach aus einer schwierigen Situation befreit – das ist ein sehr gutes Gefühl und spricht für die Mannschaft“, meinte der Zwei-Millionen-Mann. „Der Punktgewinn“, erklärte Coach Dutt, „ist in der Tabelle nur ein kleiner Schritt, für die Moral aber ein ganz großer. Die Jungs sollten daraus Selbstvertrauen ziehen.“ Das haben die Jungs auch vor. Das Aufbäumen gegen Gladbach, „dieser unendliche Wille“, so Dutt, hat gezeigt, dass die Mannschaft im Abstiegskampf angekommen ist. Und Obraniak ist mit seinem ersten Tor im zweiten Einsatz für Werder jetzt so richtig in Bremen angekommen.

Die Noten

Werder gegen Gladbach: Die Noten

Bilder vom Spiel

Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach - 1:1

Ein Haus für sich und seine Familie hat er schon gefunden, einen Kindergarten für die Tochter ebenfalls – jetzt weiß er auch, wo das gegnerische Tor steht. „Ein sicherer Schütze wie er hat uns noch gefehlt“, sagte Thomas Eichin, der den Mittelfeldspieler von Girondins Bordeaux auf den letzten Drücker verpflichtet hatte. Unter anderem wegen dessen gefährlicher Standards. Wobei: „Ich würde nicht sagen, dass Freistöße meine Spezialität sind“, meinte Obraniak und überraschte seine Zuhörer: „Aber es ist schon etwas, das ich viel trainiere, womit ich Erfahrung habe. Ich fixiere mich aber nicht darauf.“

Den Ball, den er so filigran ins Gladbacher Tor gestreichelt hatte, nahm der Linksfuß übrigens nicht als Andenken mit nach Hause. Obraniak grinsend: „Dafür muss ich schon dreimal in einem Spiel treffen, vorher nicht.“ Oder gleich viermal – für jedes Ass ein Tor. · csa

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