Kunstschützen-Duell: Obraniak gegen Calhanoglu / Werder hätte beide haben können

Achtung, Traumtor-Potenzial!

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Ludovic Obraniak

Bremen - Entscheiden die Kunstschützen heute das Derby? Möglich, denn beide Mannschaften haben mindestens einen aus der Kategorie Maßarbeiter auf ihrer Seite: Werders Ludovic Obraniak bewies sein gutes Auge vor zwei Wochen gegen Mönchengladbach, als er den Ball aus 18 Metern in den Knick streichelte. Und beim Hamburger SV heißt der Mann für solche Zauber-Freistöße Hakan Calhanoglu – spätestens, seit er am Samstag aus mehr als 40 Metern zum 3:0 gegen Dortmund traf.

Ein erneuter Streich Calhanoglus wäre für die Bremer doppelt bitter – denn sie hätten die Chance gehabt, den türkischen Nationalspieler an sich zu binden. Und die Umstände des geplatzten Wechsels bringen den 20-Jährigen heute noch in Rage. „Ich habe mich damals von Werder verarscht gefühlt“, erinnerte sich Calhanoglu im Gespräch mit der „Bild“-Zeitung an das Hin und Her zwischen Frühjahr und Sommer 2012: Der junge Mann, damals noch in Diensten von Drittligist Karlsruher SC, hatte mit seinem Berater Bektas Demirtas gute Gespräche in Bremen. Am Ende des Termins bekam Calhanoglu sogar schon ein Werder-Trikot geschenkt – beflockt mit der Rückennummer 10 und seinem Namen. Doch dann gerieten die Verhandlungen ins Stocken. Werders damaliger Sportchef Klaus Allofs und KSC-Manager Oliver Kreuzer erzielten keine Einigung.

Doch aus Bremen erfuhr Calhanoglu nie einen Grund, warum der Deal platzte. „Sie haben mich nicht angerufen, um mir abzusagen“, klagt er heute: „Das war respektlos.“ Stattdessen nahm der HSV Kontakt auf, verpflichtete das Talent, überließ Calhanoglu noch für eine Saison dem KSC – und der Offensivmann nutzte seine Abschiedstournee in 36 von 38 Drittliga-Spielen zu 17 Toren samt Karlsruhes Zweitliga-Aufstieg.

Inzwischen ist der 20-Jährige längst in Hamburg angekommen, stand in 21 der bisher 23 Saisonspiele auf dem Platz, traf sechs Mal und verlängerte im Februar vorzeitig seinen Vertrag bis 2018. Das grüne Jersey mit der Nummer 10 hat er einem Kumpel geschenkt, verriet er unlängst der „Hamburger Morgenpost“.

Ludovic Obraniak bekam sein Werder-Trikot vor knapp einem Monat überreicht – und gilt seitdem als Hoffnungsträger im Abstiegskampf. Gleich in seinem zweiten Spiel gelang dem 29-Jährigen das eingangs geschilderte Traumtor. „Es ist schon etwas, das ich viel trainiere“, schilderte er später, als seine „Spezialität“ wollte er das Schießen von Freistößen aber nicht bezeichnen.

Obraniak hat nämlich drauf, meint Offensivkapitän Aaron Hunt, der nach überstandenen Patellasehnen-Problemen heute ins Team zurückkehrt: „Ich habe schon in den paar Trainingseinheiten gesehen, dass das einer ist, mit dem man sehr gut spielen kann und der die Mannschaft weiterbringt.“ Auch der bisher einzige gemeinsame Auftritt bestärkt Hunt in dieser Einschätzung: „Gegen Dortmund haben wir uns schon oft gegenseitig gesucht und gefunden. Wir können uns sehr gut ergänzen. Er bringt mich auf jeden Fall weiter.“

Jemand wie Obraniak hat also noch gefehlt – dem SV Werder im Allgemeinen und Hunt im Besonderen. Mit einem starken Partner im offensiven Mittelfeld hatte der 27-Jährige nämlich seine besten Zeiten – zuletzt gesehen in der vergangenen Saison, als Kevin De Bruyne und Hunt harmonierten. Auch deshalb schaffte Werder den Klassenerhalt. Das macht Hoffnung – auf einen Bremer Sieg heute und für den Rest der Saison. · ck

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