Silvestre fällt mit Knorpelschaden monatelang aus – nun hat Werder keinen Innenverteidiger mehr

Abwehr-Notstand: Allofs unter Druck

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Die Sorgenfalten werden bei Klaus Allofs immer größer

Bremen - Schlimmer geht’s immer bei Werder Bremen: Die verletzten Per Mertesacker und Sebastian Prödl hatten gerade von deutlichen Fortschritten in ihrer Reha erzählt und Hoffnungen auf ein baldiges Comeback genährt – da folgt schon der nächste Schock. Und was für einer!

Mikael Silvestre, der links und innen verteidigen kann, fällt mit einem Knorpelschaden im rechten Knie etwa neun Monate aus. Weil vier Profis verletzt sind und noch kein Neuer verpflichtet ist, haben die Bremer gar keinen erfahrenen Mann mehr fürs Abwehrzentrum.

Die Furcht vor einer weiteren Horror-Saison in der Bundesliga wächst ebenso wie der Druck auf Sportchef Klaus Allofs, bei der Kaderverstärkung Ergebnisse zu liefern. Doch der 54-Jährige will „jetzt nicht in Panik verfallen. Das bringt nichts. Wir wissen, dass wir Abwehrspieler holen müssen, sollten aber erst mal mit einem anfangen. Wir arbeiten intensiv daran – intensiver geht’s nicht.“

Das Training am Freitag

Werder-Training am Freitag

Bisher konnte der Sportchef bei den anvisierten Transfers von Sokratis Papastathopoulos (23/FC Genua) und Andreas Wolf (29/seit gestern vereinslos, davor 1. FC Nürnberg) noch keinen Vollzug vermelden – und vermutlich wird’s bis zum Aufbruch ins Trainingslager auf Norderney morgen Nachmittag auch so bleiben. Gestern Abend gab’s noch keinen neuen Stand. Auch nicht beim jetzt vereinslosen Dominik Schmidt, dessen Karten trotz der riesigen Abwehrnot offenbar nicht wesentlich besser geworden sind. Immerhin bleibt der 23-jährige Innen- und Außenverteidiger ein Thema. Allofs: „Wir müssen schauen, wie wir unser Geld einsetzen, dabei spielt Dominik weiter eine Rolle.“

Erst mal raus aus den Planungen ist Silvestre. Der Franzose wird sich am Montag bei Dr. Ulrich Boenisch einer Arthroskopie unterziehen. Beim Knie-Spezialisten in Augsburg wurde der 33-Jährige, der nach dem Laktattest am Mittwoch über Knieprobleme geklagt und danach nicht mehr trainiert hatten, auch intensiv durchgecheckt. „Die Untersuchungen haben unseren Verdacht bestätigt, dass es sich um einen Knorpeldefekt handelt. Dieser wird eine mehrmonatige Reha-Phase und eine entsprechende Spielpause nach sich ziehen“, sagte Werder-Arzt Dr. Götz Dimanski.

Trainer und Mitspieler reagierten geschockt auf den Ausfall von Silvestre (Vertrag bis 2012), der sich nach miesem Beginn in Bremen in der Rückrunde deutlich gesteigert hatte. „Mikael wird schwer zu ersetzen sein“, stöhnte Trainer Thomas Schaaf. „Ein ganz herber Schlag“, meinte Clemens Fritz. Der 30-jährige Rechtsverteidiger ist nun von den etablierten Kräften der letzte fitte Abwehrspieler und urteilte: „Das ist sehr, sehr schwierig für den Trainer. Schon letzte Saison waren ihm die Hände gebunden – und jetzt muss er schon wieder improvisieren.“

Nach Mertesacker, Prödl, Naldo und Sebastian Boenisch (fällt ebenfalls mit einem Knorpelschaden seit zehn Monaten aus) ist Silvestre schon der fünfte gestandene Abwehrspieler, den Werder für lange Zeit ersetzen muss. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals solche Probleme in einem Mannschaftsteil hatten“, seufzte Allofs. „Das ist nicht so einfach zu kompensieren und natürlich keine schöne Situation – ich bin absolut unzufrieden damit“, sagte Schaaf. Dem 50-Jährigen war gestern deutlich anzumerken, dass ihn der Personalnotstand in der Defensive mächtig wurmt und er lieber heute als morgen Verstärkungen in seinem Kader begrüßen würde. „Wir müssen wissen, in welcher Situation wir uns bewegen, wenn wir nichts tun“, sagte der Coach und schickte damit indirekt eine Forderung an Allofs. Schaaf macht sich Sorgen um Werder und sieht die höheren Ziele, die sein Club nach Platz 13 in der Vorsaison eigentlich wieder anpeilen will, in Gefahr.

Statt oben anzugreifen, könnten die Bremer wieder unten reinrutschen. Und das wollen sie unbedingt verhindern. „Wir brauchen eine gute Innenverteidigung, das ist sehr wichtig“, betonte Torwart Tim Wiese. Wenn Werder keine zustande bekäme, „müssen wir uns eben andere Ziele setzen. Das wäre schade, aber das ist dann eben so.“ Noch sei es allerdings nicht so weit, sich darüber ernsthafte Gedanken machen zu müssen. Wiese: „Ich sehe die Situation ganz entspannt, es sind ja noch ein paar Tage bis zum Saisonstart.“

Auch Fritz setzt auf den Faktor Zeit. Hätten die Bremer Anfang August noch immer keinen einzigen gesunden Innenverteidiger, „würde ich mir Sorgen machen. Aber so weit sind wir noch nicht. Und ich denke, es wird sich noch etwas tun.“

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