Werders Konkurrenten im Abstiegskampf

1899 im Aufschwung – Meier-Verletzung schockt Eintracht

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Torschütze Mark Uth wird für seinen 2:1-Siegtreffer von seinen Mitspielern gefeiert. 1899 Hoffenheim befindet sich im Aufschwung.

Bremen – Von Christoph Holzenkamp. Werder Bremen kletterte mit dem 4:1-Befreiungsschlag gegen Bayer Leverkusen auf einen Nichtabstiegs-Platz der Fußball-Bundesliga. Die Rettung liegt aber noch fern. Gegen diese fünf Teams muss Werder sich durchsetzen. Die Konkurrenten im Schnellcheck.

Hannover 96 (18. Platz, 17 Punkte)

Seine Verpflichtung brachte bislang nicht die erhoffte Wirkung: Thomas Schaaf gewann mit Hannover 96 erst ein Spiel.

Nach fünf Niederlagen unter Thomas Schaaf gelang ausgerechnet gegen die in der Rückrunde so starken Stuttgarter der erste Sieg. Der war allerdings mit Vorsicht zu genießen, denn Christian Schulz konnte den Siegtreffer in der 84. Minute nur erzielen, weil Stuttgart vorher allzu fahrlässig mit seinen Chancen umgegangen war. Den Hoffnungen, dass der Knoten geplatzt war, bereiteten André Schürrle und der VfL Wolfsburg ein jähes Ende. Die 4:0-Klatsche offenbarte neben der bekannten Offensivschwäche auch eklatante defensive Mängel.

Trend: Katastrophal! Sechs Niederlagen in der Rückrunde, insgesamt elf Niederlagen in den letzten 13 Spielen. Die nächsten Gegner machen zumindest etwas Hoffnung. In der Hinrunde holte man gegen Werder Bremen, den 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt und den Hamburger SV neun Punkte.

Hoffnungsträger: Hiroshi Kiyotake. Der Japaner ist mit acht Torbeteiligungen der gefährlichste Hannoveraner. Dass kein Mitspieler mehr als Kiyotakes drei Saisontore erzielt hat, ist jedoch ein Armutszeugnis. Winterzugang Hugo Almeida sitzt eine Sperre ab, Leihspieler Ádám Szalai hat gerade erst einen Muskelfaserriss überstanden und Artur Sobiech sowie Kenan Karaman treffen einfach nicht.

Prognose: Löchrige Defensive, harmlose Offensive. In Hannover macht wenig Hoffnung auf den Klassenerhalt. Alles andere als ein Dreier in Bremen könnte schon die Entscheidung sein. Hannover geht als Tabellenletzter runter.

TSG 1899 Hoffenheim (17. Platz, 21 Punkte)

Das Gesicht des Hoffenheimer Aufschwungs. Julian Nagelsmann übernahm nach Huub Stevens Rücktritt, unter ihm holte 1899 schon sieben Punkte.

1899 befindet sich im Aufwind. Nachdem der als Retter geholte Huub Stevens aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat, musste Hoffenheim früher als erhofft den 28-jährigen Julian Nagelsmann installieren. Der jüngste Cheftrainer der Bundesliga-Geschichte übernahm den bis dato zweitschwächsten Sturm der Liga und setzte im Schlüsselspiel gegen Bremen direkt auf bedingungslose Offensive. Vor der Dreier-Abwehrkette spielten zwischenzeitlich sechs offensiv ausgerichtete Akteure. In allen vier Spielen wartete Nagelsmann mit auf den Gegner angepasster Taktik auf, drei Mal ging diese auf. Die Niederlage gegen den BVB war dazu höchst unglücklich.

Trend: Acht Punkte in der Rückrunde. Keine herausragende Statistik. Trennt man die Spiele unter Stevens aber von denen unter Nagelsmann, sieht es anders aus. Ein Punkt und ein Tor unter Stevens, dagegen sieben Punkte und Tore unter Nagelsmann. Die Formkurve zeigt steil nach oben.

Hoffnungsträger: Julian Nagelsmann. Unter ihm blühen die Leistungsträger Kevin Volland und Sebastian Rudy, die von Stevens streckenweise degradiert wurden, wieder auf. Auch Youngster Nadiem Amiri und Mark Uth genießen Nagelsmanns Vertrauen. Das zahlen sie ihm mit Toren zurück, ihr gestiegenes Selbstvertrauen ist unverkennbar.

Prognose: Hoffenheim wird seinen Trend bestätigen und von allen Teams im Check die meisten Punkte in der Rest-Saison holen. 1899 rettet sich.

Eintracht Frankfurt (16. Platz, 23 Punkte)

Oh weh! Die Verletzung von Toptorschütze Alex Meier traf Eintracht Frankfurt wie ein Schock.

Die Eintracht ist abhängig von Alex Meier. Das ist zwar nicht neu, war aber noch nie so deutlich wie in dieser Saison. An 13 der 27 Eintracht-Tore war Meier direkt beteiligt, nur einen Sieg holte Frankfurt ohne seinen Beitrag. Nach seinem Dreierpack gegen Köln traf er in den folgenden elf Spielen nur zwei Mal, ein Sieg gegen Hannover 96 fällt in diese Zeitspanne. Am Dienstag dann die Hiobsbotschaft: Meier ist verletzt! „Man muss das Knie normalerweise zwei Wochen ruhigstellen. Aber das können wir nicht“, sagte Armin Veh. Ob er gegen Ingolstadt spielen kann oder langfristig ausfällt, ist völlig offen. Positiv ist aktuell nur der restliche Spielplan. Mit Heimspielen gegen Ingolstadt, Hannover und Hoffenheim sowie Spielen in Darmstadt und Bremen hat die SGE ihr Schicksal in eigener Hand.

Trend: Meiers Hattrick gegen Wolfsburg sorgte für einen Dreier zum Rückrundenauftakt. Danach ging nicht mehr viel. Gegen direkte Tabellennachbarn muss in vier Spielen mehr herausspringen als zwei torlose Unentschieden.

Hoffnungsträger: Alex Meier. Es bleibt abzuwarten, wie sich Meiers Knieverletzung auswirkt. Ohne die Frankfurter Lebensversicherung dürfte es düster werden am Main. Haris Seferovic und Luc Castaignos, der sich im Aufbautraining befindet, müssen ihn dringend entlasten. Auch Stefan Aigner hängt mit nur einem Saisontor seinen Ansprüchen deutlich hinterher.

Prognose: Mit Alex Meier in Topform hielt sich die SGE auf Platz 15. Ohne ihn droht der Eintracht der fünfte Abstieg der Clubgeschichte.

Darmstadt 98 (14. Platz, 25 Punkte)

Aytac Sulu bejubelt ein Tor, mit ihm freuen sich Sandro Wagner und Peter Niemeyer. (v.l.)

Die Punktehamster aus Hessen sind sind keine fußballerische Offenbarung, mit ihrer unangenehmen Spielweise haben sie sich aber entgegen der Erwartung vieler Experten als bundesligatauglich erwiesen. Eine destruktive Taktik gepaart mit der Stärke nach ruhenden Bällen ist Dirk Schusters Erfolgsrezept. Gegen Bremen verpasste man mit diesem Konzept nur um Minuten den Sieg. Die fehlenden zwei Zähler könnten am Ende entscheidend sein, denn das Restprogramm hat es in sich. In den Heimspielen gegen Augsburg, Ingolstadt und Frankfurt müssen sie ihre Heimschwäche (nur ein Sieg am Böllenfalltor) dringend ablegen.

Trend: Ein Punkt pro Rückrundenspiel ist eine gute Ausbeute. Die Niederlagen gegen Schalke, Leverkusen, Bayern und Dortmund sind zu verschmerzen, weil in den wichtigen Duellen gegen direkte Abstiegskonkurrenten gepunktet wurde.

Hoffnungsträger: Sandro Wagner und Aytac Sulu. Wagner hat mit sechs Toren in acht Spielen einen beeindruckenden Lauf. Weil Marcel Heller zuletzt eine Torflaute durchlebt, sind die „Lilien“ auch weiter auf Wagners Treffer angewiesen. Kapitän Sulu verkörpert mit seinem Kampfgeist und seiner Torgefahr nach Standards Darmstadts größte Stärken.

Prognose: Holen die Darmstädter in den verbleibenden zehn Spielen weiter durchschnittlich einen Punkt, sollte das zum Klassenerhalt reichen. Dazu bedarf es allerdings einer Steigerung am Böllenfalltor.

FC Augsburg (13. Platz, 25 Punkte)

Kapitän Paul Verhaegh trifft zum Ausgleich gegen 1899 Hoffenheim

Zum Ende der Hinrunde holte Augsburg sensationelle 13 von 15 möglichen Punkten. Diesen Schwung konnten sie nicht in die Rückrunde retten, weshalb sich der FCA in dieser Liste wiederfindet. Dass der Europa-League-Teilnehmer, der nur knapp gegen den FC Liverpool ausschied, am Ende tatsächlich unter den letzten Drei stehen könnte, ist schwer vorstellbar. Ohne die Doppelbelastung sollte es Markus Weinzierl gelingen, die nötigen Punkte zu holen. Gegen Hoffenheim verpasste Augsburg es jedoch, sich Luft im Abstiegskampf zu verschaffen.

Trend: Der Beginn der Rückrunde verlief mit sechs Punkten mitnichten positiv, im Vergleich zum katastrophalen Saisonstart (ein Sieg in zwölf Spielen) aber deutlich besser. Beim 2:2 gegen Borussia Mönchengladbach ließen sie zudem ihre fußballerische Klasse aufblitzen, an die die Fuggerstädter anknüpfen müssen.

Hoffnungsträger: Augsburg wird nicht von einzelnen Akteuren getragen. Defensiv ist Marwin Hitz ein sicherer Rückhalt, offensiv verteilt sich die Last auf mehrere Schultern. Kapitän Paul Verhaegh ist mit sechs Treffern der erfolgreichste Torschütze, traf jedoch ausschließlich per Elfmeter. Er hätte sicher nichts dagegen, wenn er von Raúl Bobadilla und Winterzugang Alfred Finnbogason noch überholt werden würde.

Prognose: Aktuell steht Augsburg auf Platz 13. Die Qualität reicht, um diesen Platz zu halten. Im Normalfall sollten sie mit dem Abstieg nichts zu tun haben.

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