Abstiegskampf – und Wiese tobt

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Winter 2010 – Werder am Boden. Für Aaron Hunt und seine Kollegen hat nach der 1:2-Pleite gegen Kaiserslautern der Abstiegskampf begonnen.

Werder-Bremen - Von Arne Flügge· Die Standpauke des Trainers blieb gestern aus. Thomas Schaaf hatte nach der peinlichen 1:2 (1:1)-Heimpleite von Werder Bremen gegen den 1. FC Kaiserslautern wohl keine Lust gehabt, den Spielern noch einmal die Leviten zu lesen, bevor es in den Weihnachtsurlaub ging.

Schluss mit lustig: Torwart Tim Wiese redet Tacheles.

Sie scheinen ohnehin nicht auf das zu hören, was er ihnen mit auf den Weg gibt. Alle bisherigen Krisensitzungen, Mahnungen und Maßnahmen – das muss man jetzt annehmen – waren für die Katz’. „Wir sind wieder in das alte Schema zurückgefallen, waren zu passiv. Wir haben wieder einmal nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten“, seufzte Schaaf auf der Pressekonferenz mit aschfahlem Gesicht. Dass der Coach die Mannschaft nicht mehr erreicht, liegt somit nahe. Doch eine Trainerdiskussion gibt es an der Weser weiterhin nicht. Davon wollte auch Tim Wiese nichts wissen. Der Torwart, als einziger Bremer in den vergangenen Wochen in starker Verfassung, hielt vielmehr seinen Kollegen den Spiegel vor die Nase.

„Ich fahre jetzt mit einem richtig beschissenen Gefühl in den Urlaub. Ich hoffe, die anderen tun das auch und nutzen die Zeit, um mal gründlich und ernsthaft darüber nachzudenken, was hier gerade passiert“, tobte der 29-Jährige. Jeder müsse sich nun bewusst sein, „dass wir mitten im Abstiegskampf stecken. Und wenn sich jetzt nicht jeder den Arsch aufreißt, wird’s schwer, da unten wieder rauszukommen.“

Werder in Noten

Noten der Werder-Spieler gegen Kaiserslautern

Wiese weiß, wovon er spricht. Zu seiner Zeit als Keeper in Kaiserslautern „haben wir drei Jahre lang gegen den Abstieg gespielt“, und für so eine Aufgabe brauche man ganze Kerle, die sich voll und ganz mit dem Club identifizieren. Ob Werder momentan genügend dieser Kämpfertypen hat, ließ der Bremer Torwart offen: „Ich weiß es nicht, da muss sich jeder selbst hinterfragen, ob er noch mit Herz und Seele dabei ist.“

Eine Frage, die Klaus Allofs durchaus als berechtigt ansieht. Schließlich hat auch der Werder-Sportchef ausgemacht, dass da momentan keine Einheit auf dem Platz steht. Werder im Winter 2010 – eine Truppe aus Individualisten, die mehr mit sich und anderen Dingen zu tun haben, anstatt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. „Wir lassen uns zu sehr ablenken“, monierte Allofs und watschte sogar Kapitän Torsten Frings ab: „Die einen reden über die Fortsetzung ihrer Karriere, die anderen über dies und das. Das hilft der Mannschaft nicht“, schimpfte der 54-Jährige. Frings hatte zuletzt über ein mögliches Karriereende gesprochen und damit viel Staub aufgewirbelt.

Doch es seien nicht nur die Führungsspieler gefordert, wie Allofs anmerkte, jeder habe sich endlich der Situation unterzuordnen. „Wir haben viele Spieler, die ihren Beruf noch nicht zuende gelernt haben“, kritisierte der Werder-Boss. Marko Arnautovic, obwohl nicht explizit angesprochen, dürften die Ohren geklingelt haben.

Schließlich ist seit Samstag der Abstiegskampf ausgerufen. Schaaf verklausulierte das noch („Wir stecken da, wo wir in der Tabelle stehen“), während Allofs mit dem „A-Wort“ „keine Berührungsängste“ hatte: „Ja, man kann es Abstiegskampf nennen. Es ist bitter, dass wir in diese Situation geraten sind. Und wenn wir nicht endlich diese Besessenheit auf den Erfolg zeigen, wird es schwer, da unten rauszukommen.“

Er will die Krise weiterhin mit Bordmitteln meistern. „Es ist Blödsinn, jetzt vier, fünf Spieler auszutauschen. Das wäre Aktionismus und ist nicht meine Vorstellung“, sagte Allofs: „Wir müssen zusehen, dass zu Beginn der Rückrunde unsere vielen Verletzten zurückkommen und dass sich die anderen steigern. Dann haben wir eine andere Qualität.“

Die, so Tim Wiese, reiche im Moment nicht aus. „Spieler wie Pizarro, Naldo, Wesley und auch Borowski mit seiner Erfahrung fehlen uns an allen Ecken und Enden“, erklärte der Keeper: „Und wir haben es nicht geschafft, einen Mesut Özil zu ersetzen. Das sage ich gern noch mal, obwohl ich dafür schon mal einen auf den Deckel bekommen habe.“

Wiese wollte aber nicht nur den Motzki spielen. „Wir haben das Potenzial in der Mannschaft einen Gegner wie früher mal 5:0, pardon 5:1 wegzuballern – einen haben wir ja schon immer gekriegt. Ich hoffe, dass wir möglichst schnell wieder dahin kommen.“

Trotzdem, befürchtet Wiese, werde es nach dieser verkorksten Hinserie in der Rückrunde kein großes Happy End mehr für Werder geben:. „Wir werden Zehnter, höchstens Neunter. Mehr ist nicht drin.“

Allofs wollte sich da nicht festlegen, räumte aber ein, dass „wir an Qualifikationen momentan nicht mehr denken müssen. Was uns jetzt interessiert, ist da unten rauszukommen. Wenn wir das schaffen, können wir den Kopf mal hoch nehmen und schauen, was die anderen machen. Vorher nicht.“

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