Dutt sieht die Gefahr: „Ich kann die Tabelle lesen“

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Bedient: Werder-Coach Robin Dutt nach der Pleite in Berlin, bei der sein Team schon wieder drei Gegentore kassiert hatte.

Bremen - Von Malte Rehnert. Es lässt sich nicht mehr leugnen, nicht mehr ignorieren, nicht mehr schönreden: Nach der 2:3 (2:2)-Niederlage bei Hertha BSC am Freitagabend steckt Werder Bremen voll im Abstiegskampf.

Die Verantwortlichen bemühen sich zwar nach wie vor, das böse A-Wort tunlichst zu vermeiden – das gelingt jedoch nicht mehr immer. Rang 14 und fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, die aber – wenn Werder so weitermacht – schnell weg sein können. Inzwischen haben Trainer Robin Dutt und Sportchef Thomas Eichin ihre Verdrängungshaltung ein bisschen aufgegeben.

„Ich kann die Tabelle lesen, so viele Mannschaften stehen nicht mehr hinter uns“, meinte Dutt: „Ich muss meinen Spielern aber nicht sagen, dass wir im Abstiegskampf sind. Da gibt es wichtigere Dinge zu bereden. Und sie können die Tabelle auch lesen.“ Eichin wurde in der Journalistenrunde nach dem Spiel natürlich ebenfalls auf das ungeliebte Thema angesprochen und sagte: „Wenn es euch beruhigt und gefällt, kann ich auch sagen: Wir sind jetzt im Abstiegskampf. Die Lage wird aber dadurch nicht besser. Da müssen wir durch.“

Wie schlecht es um Werder bestellt ist, veranschaulichte Jos Luhukay – allerdings ungewollt. Der Hertha-Coach wollte den Gegner gewiss nicht niedermachen, seine Worte dürften aber jeden Bremer schmerzen. „Das Ergebnis stimmt, insgesamt hat mir das allerdings zu wenig Spaß gemacht. Zusammen mit dem Mainz-Auftritt war das fußballerisch unser schlechtestes Spiel der Saison.“ Für Werder hat es trotzdem noch gereicht – vor allem, weil das Dutt-Team seit Wochen geradezu stümperhaft verteidigt. „Es ist sehr schwierig, sich Woche für Woche hinzustellen und das zu erklären. Wir können unsere Fehler einfach nicht abstellen“, schimpfte der mächtig angefressene Vizekapitän Aaron Hunt: „Und wenn man so verteidigt wie wir, ist das zu wenig. Dann holst du in der Bundesliga völlig verdient keine Punkte.“

Nach der Führung durch Nils Petersen (15.) leistete sich der indisponierte Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie den ersten Lapsus, foulte Per Skjelbred im Strafraum – und Adrian Ramos traf per Elfmeter zum 1:1 (17.). Vor Ramos’ 2:1 (26.) schaffte es Gebre Selassie nicht, den Doppelpass mit Skjelbred zu verhindern. Luca Caldirola und Philipp Bargfrede gaben

„Gewaltiger Brocken“

dem Torschützen quasi Geleitschutz, und Keeper Raphael Wolf stand falsch und war damit chancenlos. Nach Hunts 2:2 (32.) folgten die nächsten Aussetzer. Zunächst griff Caldirola den Berliner Flankengeber Tolga Cigerci nicht an. In der Mitte parierte der bemitleidenswerte Werder-Keeper Raphael Wolf (14 Gegentore in drei Spielen) den Kopfball von Peter Pekarik – doch als Ronny zum 3:2 abstaubte (48.), war weit und breit kein Bremer zu sehen. „In der Defensive passieren uns immer wieder solche individuellen Dinge. Da wechseln sich die Spieler ab. Natürlich sind das Konzentrationsprobleme“, monierte Dutt.

Die Abwehrarbeit, die zu Beginn der Saison noch ordentlich ausgesehen hatte, ist inzwischen wieder Werders Hauptproblem. 37 Gegentore in 16 Spielen – wenn man das hochrechnet, wackelt sogar die schlimme Marke aus der Vorsaison (66). „Im Fußball gibt es vier entscheidende Faktoren“, sagte Dutt: „Die Athletik – wir sind topfit. Der Teamgeist – ist super. Das Offensivverhalten – wir erarbeiten uns Chancen, schießen auch Tore. Und das Defensivverhalten – daran müssen wir sehr intensiv arbeiten. Das ist ein gewaltiger Brocken, das muss ich schon sagen.“

Die Noten

Einzelkritik: Werder in Berlin

Mit Training, Videoanalysen und Gesprächen will der 48-jährige Coach versuchen, endlich Besserung herbeizuführen. Am Samstag und Sonntag jedoch nicht. Direkt nach der Rückkehr des Mannschaftsbusses aus Berlin bat Dutt Samstagmorgen gegen vier Uhr noch zum Regenerationstraining, danach verabschiedeten sich die Profis ins freie Wochenende. Die Vorbereitung auf den Hinrundenabschluss gegen Leverkusen (Samstag, 15.30 Uhr) beginnt erst Montag.

Bilder des Spiels

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