Vier Ex-Bremer machen Mut

Abstiegskampf mit Strampler

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Daumen hoch für Werder: Peter Niemeyer (links) will nach dem Aufstieg mit Hertha unbedingt wieder gegen Bremen spielen.

Bremen - Es werden keine Kosten und Mühen gescheut, damit Werder erstklassig bleibt. Der Club hat zehntausende Papptafeln produzieren lassen, um heute im letzten Heimspiel dieser Bundesliga-Saison gegen Eintracht Frankfurt für eine ganz besondere Atmosphäre zu sorgen.

Zittern mit Werder: Marko Marin (rechts) sitzt heute wieder vorm Fernseher

Die Fans pilgerten schon gestern wieder scharenweise zum Abschlusstraining, wollen heute erneut für den Mannschaftsbus Spalier stehen und im Stadion das Team bedingungslos unterstützen. Und dann sind da auch noch vier Ex-Bremer, die in der Ferne auf bemerkenswerte Art und Weise die Daumen drücken. „Wir machen den Glücksbringer“, verspricht Peter Niemeyer, der seit 2010 für Hertha BSC spielt: „Um 15.30 Uhr sitzen wir vorm Fernseher – und mein Sohn Leonard trägt den Werder-Strampler, den wir geschenkt bekommen haben. Werder muss einfach drin bleiben.“ Das fordert der 29-Jährige nicht nur aus alter Verbundenheit zu seinem Ex-Club, sondern auch aus ganz persönlichen Gründen. „Egal was, ich habe gegen Clemens Fritz alles gewonnen – und nächste Saison will ich auch die Platzwahl gegen ihn gewinnen“, scherzt der Hertha-Kapitän und macht seinem Ex-Kollegen Mut: „Ich bin überzeugt, dass sie es packen, weil Verein, Mannschaft und Fans eine Einheit sind.“

Das lobt auch Valerien Ismael – Werders Double-Gewinner von 2004. „Ich hatte eine Gänsehaut, als ich letzte Woche die tollen Bilder aus Bremen gesehen habe: So kenne ich die Werder-Fans. Das hat mich glücklich gemacht“, schwärmt der 37-Jährige und ist „100 Prozent davon überzeugt, dass Werder es schafft.“ Sein Daumendrücken beginnt heute allerdings mit Verspätung, denn der Franzose ist ab 14 Uhr erst einmal als Trainer von Regionalligist Hannover 96 II in Lübeck gefordert. „Aber die zweite Halbzeit gucke ich mir auf jeden Fall im Fernsehen an“, verkündet Ismael – und prophezeit zudem: „Werder wird von dieser schwierigen Situation profitieren, weil jetzt jeder in Bremen weiß: Gemeinsam sind wir stärker.“

Feiern mit Werder: Valerien Ismael und Ivan Klasnic (Mitte) hängen noch an ihrem Ex-Club.

Auf das Wir-Gefühl an der Weser setzt auch Ivan Klasnic, der wie Ismael beim Double 2004 die Raute trug. „Jetzt müssen alle zusammenhalten. Eine Mannschaft wie diese darf nicht absteigen. Das ist das wichtigste Spiel des Jahres – wie ein Pokalfinale“, sagt der 33-Jährige, der noch bis Saisonende beim FSV Mainz unter Vertrag steht. Der Stürmer hat ein einfaches Rezept: „Ein Spiel, ein Sieg – und schluss ist mit zittern.“ Aber nicht für Thomas Schaaf. Seinem Ex-Trainer stärkt er demonstrativ den Rücken: „Er ist der richtige Trainer für Werder.“

Bei den Fans ist die Meinung durchaus geteilt. Einen netten Beweis dafür gab es gestern auf dem Parkplatz des Weserstadions, wo einige Anhänger ein großes Spruchband anfertigten – mit der Aufschrift: „14 Jahre Treue – Danke für alles TS“. Klingt einerseits nach Unterstützung, andererseits aber auch nach dem Wunsch, der Trainer möge nach der Saison gehen. „Beides ist richtig, wir konnten uns nicht einigen, deshalb haben wir es so gemacht“, erklärten die Initiatoren.

500 Fans beim Training am Freitag

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Im Mittelpunkt steht heute aber das Ergebnis. Zu groß ist die Angst, dass es Werder doch noch erwischt, dass es nächste Saison plötzlich gegen Aue und Aalen geht. „Damit hat doch niemand gerechnet“, wundert sich Marko Marin, der Werder im vergangenen Sommer Richtung Chelsea verlassen hatte: „Im Winter habe ich noch gedacht, Werder schafft es nach Europa. Und jetzt das!“ Der 24-Jährige schaut fast jedes Bremer Spiel und wird auch heute in London vor seinem Fernseher sitzen: „Wenn ich hier ein Werder-Trikot hätte, ich würde es anziehen – wirklich.“ Also müssen andere Maßnahmen ergriffen werden, um ein Glücksbringer zu sein. Marin wird es mit Kurznachrichten probieren. Adressat: Werder-Profi Aleksandar Ignjovski. Inhalt: „Ich werde ihm schreiben, dass sie genauso wie vor einer Woche gegen Hoffenheim spielen sollen, aber diesmal bitte bis zum Ende.“ · kni

Nachtrag Sanstag Mittag:

Patrick Owomoyela lässt über unseren Redakteur verlauten: "Ich drücke dem Verein alle Daumen, denn die Fans, die Stadt und der Verein gehören einfach in die erste Liga!! Ich glaube, dass sie es schaffen."

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