Abschluss bis 2029 bringt ein bisschen Liquidität und viel Kreditwürdigkeit

Alte Quelle, frisches Geld: Infront-Vertrag hilft Werder

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Klaus Filbry (links) hat den Vertrag mit Rechtevermarkter Infront vorzeitig und langfristig verlängert. Das ist allerdings kein Startschuss für Sportchef Thomas Eichin (rechts), nun auf Shoppingtour gehen zu können.

Bremen - Werder Bremen ist wieder handlungsfähig. Dank einer vorgezogenen und sehr ausgedehnten Vertragsverlängerung mit dem Rechtevermarkter und langjährigen Partner Infront hat der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga nicht nur frisches Geld zur Verfügung, um in der Winterpause in die Mannschaft investieren zu können, sondern auch neue Sicherheiten für mögliche Kredite. Als Vorabzahlung für den bereits seit Wochen ausgehandelten Deal kassiert Werder von Infront nach Informationen dieser Zeitung sieben Millionen Euro. Doch ob, wann und in welchem Umfang das Geld im sportlichen Bereich ankommt und eingesetzt werden kann, ist noch längst nicht klar.

„Die Art und Weise wie wir das Geld anlegen können, werden wir jetzt intern besprechen“, sagt Klaus Filbry, der den Deal mit Infront als Finanz- und Marketing-Experte der Werder-Geschätsführung entscheidend begleitet hat. Möglicherweise kann das Geld in der Winter-Transferperiode in die Mannschaft investiert werden. Vielleicht wird damit aber auch ein erneuter Verlust abgefedert, die Bilanz gerettet. Werder erwartet für die laufende Saison ein Minus von acht Millionen Euro. Das Eigenkapital, hatte Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer bereits vor Bekanntwerden des Infront-Abschlusses gesagt, werde nach aktuellem Stand am Saisonende aufgebraucht sein.

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Spieler auf Pump?

Der eigentliche Wert des verlängerten Vertrags liegt allerdings nicht in dem Handgeld („Ein signifikanter Betrag“, so Filbry), das Werder kassiert, sondern in der Laufzeit. Obwohl die 2008 fixierte Zusammenarbeit zwischen Infront und den Bremern noch bis 2019 datiert war, wurde sie nun vorzeitig bis 2029 verlängert. Der Sinn dahinter: Nun kann Werder zu den Banken gehen und den Infront-Vertrag als Sicherheit für Kredite einbringen. Denn in dem Kontrakt sind wie bisher auch die Einnahmen aus Trikot- und Bandenwerbung bis zu einer gewissen Höhe garantiert. „Wir haben eine sehr gute Absicherung bezüglich der Minimumgarantien. Das gibt uns eine hohe Planungssicherheit“, sagt Filbry. Bisher steht Infront zum Beispiel für Einnahmen aus der Trikotwerbung gerade – mindestens fünf Millionen Euro pro Saison sind Werder so sicher. Auch für die Bandenwerbung im Stadion gibt es solche Garantien. Sie bleiben im neuen, ab der Saison 2018/19 greifenden Kontrakt weitgehend unverändert, sagt Filbry.

Allein durch die Trikotwerbung hätte Werder folglich also eine Sicherheit von 75 Millionen Euro (fünf Millionen x 15 Jahre Laufzeit) bei den Banken zu bieten. So lassen sich Kredite für neue Spieler leichter einfangen. Wenn denn bei Werder ein Strategiewechsel stattfindet und Schuldenmachen erlaubt wird. „Momentan führen wir diesbezüglich eine Diskussion. Der Infront-Abschluss gibt uns dabei einen gewissen Handlungsspielraum. Nicht mehr und nicht weniger“, erklärt Thomas Eichin, der dritte Geschäftsführer im Bunde und als Sportchef für die sportliche Entwicklung verantwortlich.

Ein bisschen Liquidität wird durch das frische Geld allerdings auch geschaffen. Aber es wird kaum reichen, um mit vollen Händen auf Einkaufstour zu gehen. Denn die sieben Millionen Euro muss Werder noch teilen – kurioserweise mit sich selbst. Die Bremer Weserstadion GmbH (BWS), zu jeweils 50 Prozent vom SV Werder und der Stadt Bremen gehalten, ist wegen der Werbebanden im Stadioninneren ebenfalls Vertragspartner von Infront und partizipiert folglich, wenn die Millionen auf den Konten verschoben werden. Der Verteilungsschlüssel ist en detail nicht bekannt, und Klaus Filbry verrät auch nur, dass für Werder „mehr als 50 Prozent“ übrig bleiben. Also vielleicht vier, fünf Millionen Euro. Ein großer Transfer – beispielsweise eine Verpflichtung von Wunschspieler Bryan Ruiz mit Ablöse und Gehalt – wird allein damit nur knapp möglich sein.

Dass von der Gesamtsumme ein nicht unerheblicher Teil in die BWS abwandere, sei sogar gewollt. „Wir haben da ja ein paar Themen vor der Brust“, meint Filbry und spricht über „Hochwasserschutz und andere Dinge.“ Dabei könnte es sich um den nicht unerheblichen Betrag von zwei Millionen Euro handeln, der angeblich jedes Jahr wegen Mindereinnahmen aus dem Spielbetrieb zur Tilgung der Kredite für den letzten Stadionumbau fehlt.

Um besagte Kredite überhaupt zu bekommen, wurde 2008 übrigens der erste Vertrag mit Infront geschlossen. Das Finanzierungsmodell ist also bekannt.

csa

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