Werder steckt in der Krise: Schaaf und Allofs knöpfen sich Özil und Co. vor / Sondereinheit im Schnee

Abrechnung mit den Schönspielern

Lamentieren statt konzentrieren: Mesut Özil enttäuschte in Frankfurt.

Von Björn Knips · Wer nicht hören will, der muss eben fühlen: Weil die Profis von Werder Bremen in Frankfurt mal wieder in Schönheit starben, 0:1 (0:0) verloren und damit zum Rückrunden-Start im Bundesliga-Mittelmaß versanken, bestellte Coach Thomas Schaaf seine Truppe gestern Morgen zur Sondereinheit.

Normalerweise dürfen die Bremer Kicker am Tag nach einem Spiel ihren Tagesablauf selbst bestimmen und kommen nur kurz zur Pflege ins Weserstadion. Doch diesmal mussten alle um 9.30 Uhr antanzen, sich 20 Minuten lang deutliche Worte des Trainers anhören und dann eine halbe Stunde im Bremer Schnee auslaufen. Eisige Zeiten am Osterdeich – und im Fokus steht dabei Mesut Özil.

Der Spielmacher hatte in Frankfurt total enttäuscht. Werder-Boss Klaus Allofs schob’s – wie auch bei Aaron Hunt – auf den andauernden Poker um den Verbleib in Bremen: „Es wurde in der letzten Zeit viel über Vertragsverlängerungen gesprochen und darüber, wie gut wir alle sind. Aber wir müssen diese Dinge, wer von wem umworben wird, beiseite schieben und endlich wieder Vollgas geben.“ Auch Schaaf nerven diese Nebenschauplätze: „Jeder muss wissen, dass er erst einmal auf dem Platz etwas zu erledigen hat, bevor er sich mit anderen Dingen beschäftigt.“

Der angeblich von mehreren europäischen Topclubs umworbene Özil wirkte in Frankfurt irgendwie abwesend, einfach nicht voll bei der Sache. Bestes Beispiel: Kurz vor Schluss semmelte er in bester Schussposition über den Ball – und futsch war die Chance, die Frankfurter Führung durch Marco Russ (57.) noch zu egalisieren. „Ich habe schlecht gespielt“, gestand der 21-Jährige gestern, „und ich muss stärker an mir arbeiten.“ Der Vertragspoker mit Werder belaste ihn nicht. „Das hat keinen Einfluss auf mein Spiel“, versicherte Özil. Große Zweifel bleiben. Auf die Frage, wie er seinem kriselnden Star helfen könne, meinte Schaaf: „Mesut muss sich selbst helfen, indem er sich voll auf seine Leistung konzentriert.“

Nur ist das mit der Konzentration bei Werder so eine Sache. Gerne vergessen die Werder-Profis die Grundprinzipien ihres Jobs: erst kämpfen, dann spielen – erst laufen, dann zaubern. „Wir wollten kein gutes Ergebnis erzielen, sondern nur spielen und kombinieren“, fällte Schaaf ein für seine Verhältnisse ungewohnt vernichtendes Urteil.

Die Schonzeit ist endgültig vorbei. Denn bereits nach den Pleiten gegen Schalke und Hamburg war der fehlende Biss angeprangert worden. Doch die Werder-Profis sind da beratungsresistent. Dabei dürfte schon ein Blick auf die Tabelle genügen, um sämtliche Alarmglocken zu hören. Tabellenführer Bayer Leverkusen ist bereits zehn Punkte weg, die Champions-League-Plätze sind acht Punkte entfernt – und auf einen Europa-League-Rang hat Werder fünf Punkte Rückstand. Ein Desaster für den selbst ernannten Titelanwärter, der die Millionen-Einnahmen in der „Königsklasse“ unbedingt braucht, um sich seinen teuren Kader leisten zu können. Das hat Clubboss Allofs schon mehrfach betont. Kapitän Torsten Frings sieht da schwarz: „Wir haben zwar das Zeug, einen Europa-League-Platz zu erreichen – mehr aber auch nicht.“ Allofs zeichnet sogar ein noch düsteres Bild: „Wenn wir so weiterspielen, dann ist nur Platz acht möglich.“

Natürlich sagt er das, um wirklich auch den letzten Werder-Profi wachzurütteln. Ob’s hilft? Als nächstes geht es ausgerechnet gegen den FC Bayern. Die Münchner sind in Topform, die Bremer in der Krise – da müsste in dieser Woche schon einiges passieren, damit Werder ausgerechnet am Samstag die Kurve kriegt.

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