Schaaf schimpft nach 0:4-Pleite in Mailand über das Ersatzpersonal und verordnet Stadion statt Couch

Die Abrechnung mit den Reservisten

Geprügelte Bremer: Sebastian Prödl (l.) und Daniel Jensen mochten nicht hinsehen, wie Inter mal wieder feierte.

Werder-Bremen - MAILAND · In Mailand sind die Menschen richtig schick gekleidet, und die berühmte Fashion Week liegt auch nur wenige Tage zurück. In das elegante italienische Bild passte Werder Bremen am Mittwochabend so gar nicht rein. Der Bundesligist sah ganz schlecht aus, weil der zweite Anzug einfach nicht passt.

Ohne seine „Topmodels“ Pizarro, Frings, Fritz und Naldo stolperte der Bundesligist nur so über den Laufsteg Champions League. Am Tag danach knöpften sich die Werder-Verantwortlichen in bester Heidi-Klum-Manier die unrühmlichen Protagonisten beim 0:4 (0:3)-Debakel gegen Inter Mailand vor. Harsche Kritik am kickenden Personal ist in dieser Saison in Bremen (leider) schwer in Mode.

„Die Spieler, die sich heute hätten beweisen können, hätten mehr anbieten müssen“, schimpfte Thomas Schaaf. Gemeint war die zweite Garde mit Sebastian Prödl, Daniel Jensen, Tim Borowski, Marko Arnautovic, aber auch Hugo Almeida . Sie hätten wahrscheinlich allesamt nur zugeschaut, wenn Werder in Bestbesetzung beim Titelverteidiger angetreten wäre.

Die Noten der Werder-Spieler

Die Noten der Werder-Spieler

„Uns fehlten die Stützen, so sind wir nicht reif für die Champions League“, meckerte Tim Wiese. Der Werder-Keeper war mal wieder einer der wenigen Lichtblicke, konnte die Gegenreffer 21, 22, 23 und 24 im elften Pflichtspiel dieser Saison aber auch nicht verhindern. Diese Zahlen sind erschreckend, sie sind einer vermeintlichen Spitzenmannschaft unwürdig. Klaus Allofs hatte sichtlich Mühe, angesichts der wiederholten Gegentor-Flut nicht die Fassung zu verlieren: „Vorsichtig formuliert kann man sagen: Unser Defensivverhalten war naiv.“

Vor dem 0:1 patzte Jensen (22.), vor dem 0:2 Prödl (27.). Zweimal hieß der Nutznießer Samuel Eto‘o. Der Kameruner durfte dann auch noch in aller Ruhe Wesley Sneijder das 3:0 (34.) auflegen. „Wir wollten Inter nicht so viel Raum geben, wir wollten sie nicht zu Kontern einladen“, ärgerte sich Schaaf und beschrieb das Dilemma bei vielen Angriffen der Italiener: „Wir sind zu langsam hingegangen, haben den Pass spielen lassen. Und an den Spielern, die den Pass bekommen haben, waren wir nicht dran.“ Aber warum? Die Frage, so versicherte der Coach, werde er umgehend an die Spieler weitergeben. Denn bei allem Respekt vor Inter („Das ist eine absolute Topmannschaft, und man hat gesehen, warum sie Titelverteidiger sind“) stellte Schaaf klar: „Bei uns standen auch zehn A-Nationalspieler auf dem Platz. Aber wir haben es einfach nicht geschafft, unsere Leistung zu realisieren. Alle Spieler haben den Anspruch zu spielen, und sie stehen für einen Wert, aber den muss man auch zeigen.“

Die Bilder vom Spiel

Werder verliert in Mailand 0:4

Dabei hatte es so gut begonnen. Doch Almeida verpasste zwei Mal die frühe Führung. Das bestrafte Inter mit drei Toren in zwölf Minuten. Die Bremer Notelf wurde nach allen Regeln der Kunst vorgeführt, ergab sich ihrem Schicksal und konnte froh sein, nur noch einen weiteren Treffer von Eto‘o (81.) kassiert zu haben. Allofs zürnte deshalb: „Cambiasso, Maicon, Lucio, Eto‘o – die haben schon einiges gewonnen. Wie verbissen, konzentriert und professionell sie trotzdem noch zur Sache gehen, da können einige von uns dankbar sein, das mal aus nächster Nähe erlebt zu haben. Das ist der Maßstab, das werden einige von uns nie erreichen.“

Harte Worte, aber auch ein düsterer Blick in die Zukunft. Denn Werder ist vor-erst auf die Verlierer von Mailand angewiesen. Von den verletzten Stars wird am Sonntag in Leverkusen (17.30 Uhr/Sky live) keiner ins Team zurückkehren. Droht da schon die nächste Pleite?

Allerdings ist es auch falsch, alles auf Prödl und Co. zu schieben. So sorgte Neuzugang Mikael Silvestre mal wieder als linker Verteidiger für blankes Entsetzen. Und Werders so ambitionierte Markos – also Marin und Arnautovic – wurden von den Italienern mühelos kaltgestellt. Es zwickt und zwackt am kompletten Werder-Outfit. Die vielen Fehler müssen schnell ausgebügelt werden. Schaaf probierte es gestern mit der Maßnahme Stadion statt Couch. Die Profis durften nicht wie sonst nach Champions-League-Reisen nach Hause fahren, sondern mussten trainieren – und waren ziemlich bedient.

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