Ex-Bremer vor dem Nordderby gegen Werder

Aaron Hunt im Interview: „Der HSV hat eine ganz andere Wucht“

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Aaron Hunt konnte am Mittwoch wieder trainieren und meldet sich fit für das Nordderby gegen Werder Bremen am Samstag.

Bremen/Hamburg - Wenn sich einer mit Nordderbys auskennt, dann dieser Mann: Aron Hunt! Zwölfmal hat er dieses besondere Spiel schon erlebt, erst elfmal im Trikot des SV Werder, dann einmal in den Farben des Hamburger SV.

So ein Seitenwechsel kommt bei den Fans natürlich gar nicht gut an. Der inzwischen 31-Jährige kann das durchaus verstehen, macht sich deshalb aber keinen Kopf. Der HSV-Profi freut sich auf das Wiedersehen mit seinem Ex-Club, für den er von 2001 bis 2014 gespielt hat. Im Interview mit der DeichStube schwärmt er aber vor allem von seinem aktuellen Arbeitgeber: „Es ist wirklich dieser schlafende Riese, von dem immer gesprochen wird.“

Herr Hunt, wie geht es Ihnen, sind Sie fit für Samstag?

Aaron Hunt: Ja, ich habe am Mittwoch zum ersten Mal wieder mit der Mannschaft trainiert, es war alles gut. Das sieht nach einer Punktlandung aus (lacht).

Sie werden auch sehnlichst zurückerwartet. Ohne Sie hat der HSV nach zwei Siegen viermal in Folge verloren. Bringen Sie den Erfolg zurück?

Hunt: Das hoffe ich doch. Wir wollen unbedingt zurück in die Erfolgsspur und uns unten ein bisschen befreien.

Hand aufs Herz: Wie sehr reizt es Sie, Werder abzuschießen?

Hunt: Ich will niemanden abschießen, ich will einfach nur das Spiel gewinnen – da ist mir der Gegner egal. Wir haben eine schwierige Situation. Nach einem guten Start hatten wir wirklich viele Verletzte. Das kannst du kaum wegstecken.

Ist ein Nordderby nichts Besonderes für Sie?

Hunt: Doch, doch! Das ist für alle hier in Hamburg etwas Besonderes. Das ist genauso wie in Bremen. Es geht um viel Prestige.

Im letzten Nordderby im April sind Sie im Weserstadion von den Werder-Fans ausgepfiffen worden. Wollen Sie jetzt die sportliche Antwort geben?

Hunt: Nein, das spielt keine Rolle für mich. Es hat mich noch nie gestört, wenn ich ausgepfiffen werde. Ich bin ja selbst, als ich noch für Werder gespielt habe, im Weserstadion ausgepfiffen worden. Diese Leute sind offenbar immer noch da (lacht).

Von 2001 bis 2014 trug Aaron Hunt das Trikot von Werder Bremen. In dieser Zeit spielte er für die Profis elf Nordderbys gegen den HSV.

Claudio Pizarro hat kürzlich gesagt, dass er aus Rücksicht auf die Werder-Fans nie für den HSV spielen würde. Sie haben sich anders entschieden. Hatten Sie kein schlechtes Gewissen?

Hunt: Ich kann die Fans verstehen, dass sie das nicht toll finden. Aber ich war nun mal in Wolfsburg nicht so glücklich, wollte weg – und dann kam der HSV. Das passte einfach. Wahrscheinlich regen sich jetzt genau die Werder-Fans darüber auf, die mich damals im eigenen Stadion ausgepfiffen haben. Ich bin jedenfalls glücklich beim HSV.

Wie oft sind Sie noch in Bremen?

Hunt: Regelmäßig. Ich habe mein Haus behalten, weil mein Sohn in Bremen lebt und ich dort noch sehr viele Freunde habe.

Sie waren 13 Jahre lang in Bremen, wie viel Werder steckt noch in Ihnen?

Hunt: Bremen wird immer ein Stück Heimat für mich bleiben. Natürlich verfolge ich Werder mehr als andere Vereine. Dort bin ich schließlich Profi geworden. Es sind ja auch noch ein paar Bekannte da wie die Physiotherapeuten, vor allem Holger Berger, den ich sehr schätze, oder Zeugwart Fritz Munder. Auf die Beiden freue ich mich am Samstag ganz besonders.

Welches war Ihr bestes Nordderby?

Hunt: Das weiß ich gar nicht. Die Spiele waren fast immer toll und dramatisch. Leider sind beide Mannschaften nicht mehr so weit oben in der Tabelle.

Müssen beide Clubs wieder um den Klassenerhalt bangen?

Hunt: Wir wollen am Samstag die Kurve kriegen. Wohin für Werder die Reise geht, ist für mich schwer zu sagen. Aus der Ferne kann ich nur sagen, dass Trainer Alexander Nouri einen richtig guten Job macht.

Kennen Sie ihn persönlich?

Hunt: Nein. Aber was ich auf dem Feld gesehen habe, fand ich gut. Werder hätte die beiden letzten Spiele auch gewinnen können. Für mich wird alles zu schnell schwarz oder weiß gemalt. Aber das kenne ich ja aus Hamburg (lacht).

In Hamburg soll es viel unruhiger sein als in Bremen, weil sich viel mehr Prominente öffentlich einmischen.

Hunt: Das stimmt. Hamburg ist einfach eine Weltstadt. Der HSV hat eine ganz andere Wucht als Werder. Das merkt man erst, wenn man für diesen Verein spielt. Es ist wirklich dieser schlafende Riese, von dem immer gesprochen wird.

Warum steht der HSV dann nicht klar vor Werder und in der Tabelle viel weiter oben?

Hunt: Das ist eine gute Frage (lacht). Wenn ich die nur beantworten könnte. Es wurde in den vergangenen Jahren viel probiert. In dieser Saison muss man einfach noch mal abwarten. Ich bin überzeugt, dass wir eine gute Rolle spielen können. Aber dafür muss dieses Verletzungspech jetzt auch mal aufhören.

Aaron Hunt im Spiel gegen Werder

Aaron Hunt
Aaron Hunt verlor das Nordderby mit dem HSV gegen seinen Ex-Club Werder Bremen mit 1:2.  © nordphoto
Aaron Hunt
Aaron Hunt verlor das Nordderby mit dem HSV gegen seinen Ex-Club Werder Bremen mit 1:2.  © nordphoto
Aaron Hunt
Aaron Hunt verlor das Nordderby mit dem HSV gegen seinen Ex-Club Werder Bremen mit 1:2.  © nordphoto
Aaron Hunt
Aaron Hunt verlor das Nordderby mit dem HSV gegen seinen Ex-Club Werder Bremen mit 1:2.  © nordphoto
Aaron Hunt
Aaron Hunt verlor das Nordderby mit dem HSV gegen seinen Ex-Club Werder Bremen mit 1:2.  © nordphoto
Aaron Hunt
Aaron Hunt verlor das Nordderby mit dem HSV gegen seinen Ex-Club Werder Bremen mit 1:2.  © nordphoto
Aaron Hunt
Aaron Hunt verlor das Nordderby mit dem HSV gegen seinen Ex-Club Werder Bremen mit 1:2.  © nordphoto
Aaron Hunt
Aaron Hunt verlor das Nordderby mit dem HSV gegen seinen Ex-Club Werder Bremen mit 1:2.  © nordphoto
Aaron Hunt
Aaron Hunt verlor das Nordderby mit dem HSV gegen seinen Ex-Club Werder Bremen mit 1:2.  © nordphoto
Aaron Hunt
Aaron Hunt verlor das Nordderby mit dem HSV gegen seinen Ex-Club Werder Bremen mit 1:2.  © nordphoto

Sie haben gesagt, dass Sie glücklich beim HSV sind. Im Sommer klang das noch anders, da sah es nach einem Wechsel aus. Warum sind Sie geblieben?

Hunt: Ich hatte ein gutes Gespräch mit unserem Trainer Markus Gisdol. Außerdem habe ich nie gesagt, dass ich unbedingt weg will. Es ging darum, was der Verein wollte. Das war erst nicht ganz klar, nach dem Gespräch dann aber doch. Und jetzt bin ich froh, hier zu sein.

Wie wäre es mit einer Rückkehr zum SV Werder?

Hunt: Das Thema ist abgehakt. Ich bin mindestens noch ein Jahr beim HSV, dann sehen wir weiter.

Wollen Sie noch ins Ausland?

Hunt: Vorstellen kann ich mir das schon. Aber das ist Zukunftsmusik. Jetzt will ich einfach nur Fußball spielen.

Denken Sie mit 31 Jahren schon mal an das Karriereende?

Hunt: Die Jahre verfliegen wirklich. Natürlich macht man sich da so seine Gedanken. Gestern war ich noch 25, und heute bin ich schon einer der ältesten Spieler auf dem Platz (lacht). Ich will diese Zeit so gut wie möglich genießen.

Zurück zum Nordderby: Vor dem Spiel in Bremen im April ist der HSV-Bus mit Farbbeuteln beworfen worden. Sie saßen drin. Wie schlimm war es?

Hunt: Das war wie beim Paintball-Spiel (lacht). Nein, im Ernst: Schön war das natürlich nicht, aber es hat uns auch nicht sonderlich beeindruckt. Ich kann da gerne drauf verzichten.

Können Sie die große Rivalität der beiden Fangruppen verstehen?

Hunt: Natürlich, aber es muss im Rahmen bleiben. Die Fans sollten es wie wir auf dem Platz machen: Provokationen gehören dazu, aber es wird sich nicht geprügelt, sondern sportlich fair miteinander umgegangen. Also bleibt friedlich, den Rest braucht kein Mensch!

Wie geht das Nordderby aus?

Hunt: Ich hoffe auf ein 2:0 für uns.

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Das Nordderby: Kuriose Fakten und spektakuläre Ereignisse

Symbolbild
Beim Nordderby im Jahr 1967 fand die erste Auswechslung der Bundesliga-Geschichte statt. Hamburgs Torhüter Arkoc Özcan hatte sich in der 18. Minute den kleinen Finger gebrochen – für ihn kam Ersatzkeeper Erhard Schwerin in den Kasten. Die Regel, die Auswechslungen ermöglichte, war erst kurz zuvor eingeführt worden.  © imago sportfotodienst (Symbolbild)
Nordderby
Ende einer Serie: 36 Bundesligaspiele in Folge war der HSV zwischen den Jahren 1982 und 1983 ungeschlagen. Ausgerechnet Werder stoppte den Lauf des Rivalen. Die Grün-Weißen siegten 3:2.  © imago sportfotodienst
Nordderby
Das Nordderby im Jahr 1972 wurde vor gerade einmal 8000 Zuschauern ausgetragen – Negativrekord. Weniger kamen davor und danach nie zum Duell der Nordrivalen. Ein Grund für das geringe Interesse: Kurz zuvor war der legendäre Bundesliga-Skandal aufgeflogen.  © imago sportfotodienst
Nordderby
Ehrenrunde über dem Weserstadion: Nach Hamburgs Meisterschaft in der Saison 1982/1983 hatte Horst Hrubesch eine ganz besondere Idee. Auf dem Rückflug vom letzten Spieltag überredete der HSV-Profi den Piloten der Fokker-Maschine, eine Ehrenrunde über dem Weserstadion in Bremen zu drehen.  © imago sportfotodienst
Nordderby
An diesen Tag erinnern sich die Bremer nur ungern. Am 27. November 1971 lässt Schiedsrichter-Legende Walter Eschweiler die Werder-Profis in der zweiten Halbzeit beim Auswärtsspiel in Hamburg mit HSV-Trikots auflaufen. Der Grund: Für Eschweiler waren sich Werder- und HSV-Trikots zu ähnlich – Verwechslungsgefahr! Weil Werder aber keine Ersatztrikots dabei hatte, mussten die Grün-Weißen die ungeliebte HSV-Raute auf der Brust tragen.  © imago/Future Im age
Nordderby
Ailton ist eben doch ein Bremer! 2006 nagelte der Brasilianer im Trikot der Hamburger den Ball im Derby völlig freistehend aus acht Metern über das leere Tor. Der HSV unterlag 1:2. Durch die Pleite zog nicht Hamburg, sondern Bremen in die Königsklasse ein. Wenig später war Ailtons Zeit beim HSV beendet – er wurde verkauft.  © nordphoto
Nordderby
Beim Derby 2008 versuchten die Hamburger im Kampf um die Champions-League-Plätze mit einem Psychotrick zu punkten: Beim Duell in Hamburg wurde die Gästekabine mit HSV-Flaggen ausstaffiert. Der erhoffte Erfolg blieb aus. Die Bremer ließen sich nicht beeindrucken, gewannen und wurden am Ende Zweiter in der Tabelle – der HSV musste sich mit Rang vier begnügen.  © nordphoto
Nordderby
Werders höchster Auswärtssieg in Hamburg gelang am 22. September 2001 mit einem 4:0. Bremens gefeierter Held: Marco Bode. Der Stürmer erzielte einen Treffer selbst und bereitete zwei weitere vor. Das höchste Heimsieg war in der Meistersaison 2004 sogar ein 6:0.  © nordphoto
Nordderby
Das wohl berühmteste Tor der Nordderby-Geschichte: Frank Baumanns Kopfballtreffer bedeutet für Werder den Einzug ins UEFA-Cup-Finale 2009. Es sorgte auch für einen der drei Werder-Siege gegen den HSV in drei Wettbewerben binnen 19 Tagen. Kurios war aber auch die Entstehung der Ecke vor Baumanns Tor: Der Ball hoppelte über eine Papierkugel, die ein HSV-Fan auf den Rasen geworfen hatte. HSV-Abwehrmann Michael Graavgaard traf den Ball nicht richtig - es gab Ecke für Werder.  © imago
Nordderby
Ausgerechnet ein Wahl-Hamburger ersteigerte die legendäre Papierkugel. Matthias Seidel, Gründer von „transfermarkt.de“, erwarb die Kugel, um sie später im Werder-Museum ausstellen zu lassen.  © nordphoto
Nordderby
Adrian Maleika. Der Name steht synonym für die größte Tragödie der Derby-Geschichte. Der Werder-Fan wurde vor dem Spiel am 16. Oktober 1982 auf dem Weg ins Volksparkstadion von Hamburger Hooligans brutal angegriffen. Bei einem Steinwurf erlitt der 16-jährige Lehrling einen Schädelbasisbruch und Gehirnblutungen. Einen Tag später starb er. Er gilt als erstes Todesopfer bei Hooligan-Übergriffen in Deutschland.  © imago
Nordderby
Noch eine der ganz bitteren Geschichten des Nordderbys: Am 20. September 1989 spielte Ditmar Jakobs sein letztes Bundesliga-Spiel. Im Weserstadion rutschte der HSV-Verteidiger bei einer Rettungsaktion ins Tor. Dort bohrte sich ein defekter Karabinerhaken der Toraufhängung in seinem Rücken. Jakobs kam nicht mehr los, der Haken musste mit einem Skalpell herausgeschnitten werden. Dabei wurden seine Nerven so stark verletzt, dass an Profisport danach nicht mehr zu denken war.  © imago
Nordderby
Niederlagen sind nie schön, die am 14. Mai 1988 gegen den HSV gilt aber als eine der schönsten Werder-Pleiten. Die Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel ging zwar zu Hause mit 1:4 gegen die Hamburger baden. Aber das juckte keinen: Die Bremer hatten die zweite Deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte schon perfekt gemacht - und durften nach dem Spiel die Schale vor den Augen des Rivalen in die Höhe recken.  © imago
Nordderby
So unschön die Szene, so schnell wurde sie auch legendär: Werder-Keeper Tim Wiese verwechselte im Mai 2008 Fußball mit Kung Fu und senste beim Herauslaufen HSV-Stürmer Ivica Olic derart um, als wolle er ihm den Kopf abtreten. Ob Wiese da schon den Gedanken an eine Karriere im Wrestling entwickelt hat? Franz Beckenbauer sprach danach von Mordversuch, ein Unbekannter stellte sogar Strafanzeige wegen versuchten Totschlags. Der Schiedsrichter zeigte im Spiel jedenfalls nur Gelb.  © imago
Nordderby
Klar ist: Werder Bremen gegen den Hamburger SV - es ist das ewige Duell der Bundesliga. Kein Spiel gab es häufiger. Zum 100. Nordderby präsentierten die Werder-Fans im Weserstadion eine beeindruckende Choreografie. „100 Spiele wie im Märchen“, schrieben die Fans und klappten das Geschichtsbuch auf. Am Ende stand: „Und die Moral von der Geschicht‘, Bremen ist geil, Hamburg nicht.“  © nordphoto

Quelle: DeichStube

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