Bundesligist bleibt wegen 24,4 Millionen Euro Eigenkapital ganz entspannt

13,9 Millionen Euro im Minus, aber Werder hat vorgesorgt

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Kein leichter Auftritt: Klaus Allofs musste der „Werder-Familie“ gestern Abend ein sattes Millionen-Minus verkünden.

Bremen - Klaus Allofs hatte schlechte Nachrichten zu verkünden – und dann musste er auch noch so lange warten. Erst nach über zwei Stunden, gegen 21.15 Uhr, betrat der Vorsitzende der Werder-Geschäftsführung gestern Abend bei der Mitgliederversammlung des Bundesligisten das Podium.

Er erklärte den 260 stimmberechtigten Mitgliedern in der Werder-Halle an der Hemelinger Straße ein Mega-Minus von 13,9 Millionen Euro für das abgelaufene Geschäftsjahr und fühlte sich „nicht wohl“ in seiner Haut. Buhrufe oder Pfiffe gab es jedoch nicht, nicht mal Kritik an den roten Zahlen.

Mitgliederversammlung Werder Bremen

„Natürlich hätten wir gerne ein anderes Ergebnis präsentiert, aber es besteht kein Grund zur Panik“, betonte Allofs, der ungewohnt mit schwarzer Hornbrille auftrat. Und er ergänzte: „Ein Minus bedeutet nicht automatisch, dass man Schulden hat oder auf einem schlechten Weg ist. Unser Ziel ist es, schnellstmöglich in die Gewinnzone zurückzukehren.“

Sieben Mal in Folge hatte Werder Überschüsse erwirtschaftet – im Vorjahr mit 8,2 Millionen Euro sogar den zweithöchsten Gewinn der Vereinshistorie erzielt. Dass es im Geschäftsjahr 2011/2012, das am 30. Juni endete, das fette Minus für die Kapitalgesellschaft gab und auch der Umsatz deutlich gesunken ist (von 119,8 Millionen Euro um 24,2 Millionen auf nun 95,6 Millionen), liegt laut Allofs vor allem am erneuten Verpassen des lukrativen internationalen Geschäfts: „Diese Erträge fehlen, besonders die aus der Champions League“, sagte der 56-Jährige, ergänzte jedoch: „Unsere hohe Eigenkapitalausstattung ermöglicht es uns, den Fehlbetrag des abgelaufenen Geschäftsjahres aus eigenen Mitteln auszugleichen.“

Werder hatte vorgesorgt und eine Durststrecke eingeplant. Gewinne aus den Vorjahren wurden zum Teil zurückgestellt. Beim FC Bayern München wäre in diesem Zusammenhang vom prall gefüllten Festgeldkonto die Rede. Werder nennt es lieber schlicht Eigenkapital, das auch nach dem Mega-Minus immer noch bei 24,4 Millionen Euro liegt. „Der Betrag entspricht einer sehr guten Eigenkapitalquote von 48 Prozent der Bilanzsumme. Das Unternehmen ist gesund und verfügt nach wie vor über eine hohe Liquidität, die es unter anderem gestattet, Transfers aus Eigenmitteln zu finanzieren“, sagte Allofs.

Werder ist also handlungsfähig, aber dennoch auch zum Sparen gezwungen. „Wir haben unser Gehaltsvolumen bereits reduziert und müssen es auch weiter tun“, sagte Allofs. Großverdiener wie Claudio Pizarro, Tim Wiese, Naldo oder Tim Borowski sind weg – das führte zu einer deutlichen Reduzierung der Personalkosten. Auch deshalb mutmaßte Allofs, „dass für die laufende Saison ein verbessertes Ergebnis zu erwarten ist – ohne dass wir dabei die sportlichen Ziele aus den Augen verlieren müssen.“

Später stand während der harmonischen Veranstaltung noch die Wahl des Aufsichtsrates auf dem Programm. Die große Überraschung dabei war nicht die Wahl von Ex-Profi Marco Bode als einzigem Neuen in das sechsköpfige Kontrollgremium, sondern das freiwillige Ausscheiden von Gunnar Lübben-Rathjen, der dieses Amt seit 1999 bekleidete. Der Verein entsandte Hubertus Hess-Grunewald und Schatzmeister Axel Plaat in den Aufsichtsrat, die Mitglieder wählten (bei einer Gegenstimme und sechs Enthaltungen) neben Bode noch Willi Lemke, Hans Schulz und Werner Brinker für vier Jahre.

Zudem gab es noch zwei Neuigkeiten: Werder will seine Mitgliederzahl bis zum Jahr 2016 durch eine neue Werbekampagne von rund 40 000 auf 50 000 steigern. Und bei der Grün-Weißen Nacht am 2. Februar 2013 wird wohl Hip-Hopper Jan Delay als Stargast auftreten. 

(aktualisiert)  mr/kni

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