Tote und Verletzte

Seebeben vor Kos versetzt Urlauber in Angst - so sieht die Insel nun aus

Flugpassagiere versammeln sich auf Kos vor dem Flughafen, nachdem wegen eines starken Erdbeben ihre Flüge gestrichen wurden. Foto: Nikos Christofakis
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Flugpassagiere versammeln sich auf Kos vor dem Flughafen, nachdem wegen eines starken Erdbeben ihre Flüge gestrichen wurden. Foto: Nikos Christofakis
Schäden an einer Griechisch-orthodoxe Kirche sind auf Kos nach einem starken Erdbeben zu sehen. Foto: Nikiforos Pittaras
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Schäden an einer Griechisch-orthodoxe Kirche sind auf Kos nach einem starken Erdbeben zu sehen. Foto: Nikiforos Pittaras
Der Yachthafen der Inselhauptstadt Kos wurde von einer kleinen Tsunami-Welle getroffen, Gebäudemauern zeigen Risse oder stürzten ein. Foto: Michael Probst
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Der Yachthafen der Inselhauptstadt Kos wurde von einer kleinen Tsunami-Welle getroffen, Gebäudemauern zeigen Risse oder stürzten ein. Foto: Michael Probst
Schäden an einer Moschee auf Kos nach einem starken Erdbeben. Foto: Michael Probst
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Schäden an einer Moschee auf Kos nach einem starken Erdbeben. Foto: Michael Probst
Ein Mann schläft nach dem Erdbeben im türkischen Bitez im Freien. Foto: Ayse Wieting
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Ein Mann schläft nach dem Erdbeben im türkischen Bitez im Freien. Foto: Ayse Wieting
Das Seebeben verursachte Risse an der Fassade dieser Kirche auf Kos. Foto: Michael Probst
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Das Seebeben verursachte Risse an der Fassade dieser Kirche auf Kos. Foto: Michael Probst
Trümmer an einer beschädigten Moschee: Auf Kos stürzten auch die Minarette von zwei alten Moscheen ein. Foto: Michael Probst
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Trümmer an einer beschädigten Moschee: Auf Kos stürzten auch die Minarette von zwei alten Moscheen ein. Foto: Michael Probst
Eine umgestürzte Säule an einer beschädigten Kirche auf Kos. Foto: Michael Probst
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Eine umgestürzte Säule an einer beschädigten Kirche auf Kos. Foto: Michael Probst

Mitten in der Nacht bebt die Erde. Menschen fliehen aus den Bars, Trümmer stürzen auf die Straßen. Tsunamiwellen überschwemmen den Hafen. Touristen und Anwohner auf der stehen unter Schock.

Kos - Schock im Urlaubsparadies der südlichen Ägäis: Ein starkes Seebeben hat die beliebte Reiseregion in Griechenland und der Türkei erschüttert.

Mindestens zwei Menschen kamen in der Nacht zum Freitag ums Leben, mehr als 120 weitere wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Betroffen war vor allem die griechische Ferieninsel Kos. "Die Infrastruktur der Insel ist intakt", versicherte der griechische Regierungssprecher, Dimitris Tzanakopoulos, am Freitagnachmittag. Deutsche sind laut gut informierten Diplomatenkreisen nicht unter den Verletzten. 

Zwei Tote, 13 Verletzte

Auf den Straßen von Kos herrschte Chaos: Viele Touristen, die keine Erdbeben kennen, hätten nicht gewusst was los war, sagten Anwohner. Zwei junge Männer - ein Türke und ein Schwede - wurden im Urlaub von herabfallenden Trümmern der Decke einer Bar getroffen und starben. Weitere 13 Menschen wurden schwer verletzt. Sie mussten in größere Krankenhäuser nach Athen, Rhodos und Kreta gebracht werden. Mehr als 100 andere Anwohner und Touristen wurden leicht verletzt, wie die Behörden mitteilten. 

Laut Deutschem Reiseverband werden vereinzelt Hotels als nicht mehr sicher eingestuft: Die Reiseveranstalter brächten Urlauber bei Bedarf in anderen Hotels unter, erklärte der DRV. Noch sei die genaue Zahl der Betroffenen unklar. Das Reiseunternehmen TUI teilte mit, man habe derzeit 6400 Urlauber aus Deutschland vor Ort. Ein Krisenstab des Unternehmens sei aktiviert worden, die Reiseleistungen seien aber nicht eingeschränkt.

Erdbeben hatte Stärke von 6,6

Die griechische Erdbebenbehörde gab am Freitagnachmittag die Stärke des Bebens mit 6,6 an, die US-Erdbebenwarte (USGS) maß 6,7. Es folgten Dutzende Nachbeben. Seismologen sagten, es sei in den nächsten Stunden und Tagen mit weiteren Erschütterungen zu rechnen. Man sollte Gebäude, die sichtbar beschädigt sind nicht betreten.

Die Europäische Union bot Griechenland und der Türkei umfassende Unterstützung an. "Die EU steht uneingeschränkt bereit zu helfen", teilte Krisenmanagement-Kommissar Christos Stylianides mit. Das Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen verfolge die Entwicklungen rund um die Uhr und könne sofort tätig werden.

Zudem bot Stylianides den nationalen Behörden an, den EU-Satellitenbilder-Dienst EMS nutzen. Dieser wurde eingerichtet, um im Katastrophenfall die Lagebeurteilung zu erleichtern. Die Karten des "Copernicus Emergency Management Services" (EMS) können zum Beispiel detailliert das Ausmaß der Schäden zeigen.

Glück im Unglück: Ein Tsunami wurde nicht ausgelöst

Das Seebeben ereignete sich um 01.28 Uhr Ortszeit. Es löste einen kleinen Tsunami aus. "Die Wellen waren etwa 60 Zentimeter hoch", sagte der griechische Seismologe Akis Tselentis im Fernsehen. Das reichte für sichtbare Schäden: Mehrere Boote wurden beschädigt, entlang der aufgerissenen Kaimauern lag Geröll. Der Mini-Tsunami traf auch die Küste der zehn Kilometer entfernten türkischen Stadt Bodrum. Entlang der türkischen Küste lagen an Land gespülte Fischerboote.

Von den etwa 1830 Asylsuchenden, die derzeit auf Kos in Containern leben, wurde laut Polizei keiner verletzt. Kos war in den vergangenen Jahren als Teil der Flüchtlingsroute in die Europäische Union in den Schlagzeilen.

Das Beben beschädigte neben dem Amüsierviertel von Kos auch zwei Häfen der Insel schwer, den Jachthafen und den Fährhafen. Der Hafenpolizei zufolge konnten zunächst keine Fähren mehr anlegen. Fähren aus Piräus sollten einen anderen kleinen Hafen - in Kéfalos im westlichen Teil von Kos - ansteuern. Die Fahrt von Kéfalos nach Kos-Stadt dauert 40 Minuten. Der Flughafen der Insel sei intakt, teilte Verkehrsminister Christos Spirtzis mit. Die Regierung in Athen kündigte zudem an, dass Zivilingenieure in den kommenden Tagen alle Gebäude nach ihrer statischen Sicherheit prüfen werden.

Die Türkei blieb weitestgehend verschont

In der Türkei gab es Medien zufolge keine Todesopfer. Die Behörden riefen die Bevölkerung zur Wachsamkeit auf. Die Gouverneurin der türkischen Provinz Mugla, Esengul Civelek, sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, es gebe dort bislang keine Berichte über Opfer oder strukturelle Schäden. Teilweise sei aber die Stromversorgung eingeschränkt.

Das Zentrum des Bebens lag laut US-Erdbebenwarte nahe der türkischen Küstenstadt Bodrum in etwa zwölf Kilometern Tiefe. Nach Angaben des Europäischen Seismologischen Zentrums leben rund eine Million Menschen in der Region, in der die Erschütterungen zu spüren waren.

Erst Mitte Juni hatte auf den Inseln Lesbos, Chios und an der Westküste der Türkei die Erde gebebt. Auf Lesbos kam dabei ein Mensch ums Leben, viele Häuser wurden zerstört.

Im europäischen Raum kommen in Griechenland, den südlichen Teilen des Balkans sowie im Westen der Türkei die meisten Erdbeben vor. Der größte Teil der schweren europäischen Beben ereignet sich nahe den Rändern der Afrikanischen und Europäischen Kontinentalplatte.

Live-Webcam Kos

2015 kamen auf der Insel eine Million Passagiere per Flugzeug an

Die griechische Insel Kos ist das drittgrößte Eiland der Inselgruppe der Dodekanes vor der türkischen Küste. Die Haupteinkommensquelle der knapp 33 500 Einwohner ist der Tourismus. Die Insel im Südosten der Ägäis ist eines der beliebtesten Reiseziele Griechenlands. Nach Angaben der Luftfahrtbehörde des Landes kamen im Jahr 2015 fast eine Million Passagiere mit internationalen Flügen am Airport auf Kos an. Charterflüge gibt es in den Sommermonaten aus fast allen Staaten Mittel- und Nordeuropas.

Die Insel ist größtenteils flach und lässt sich deswegen mit dem Fahrrad leicht erkunden. Berühmt sind die Sandstrände von Lampi nahe dem Hauptort Kos sowie bei Tigaki, Mastichari und Kefalos. Die Insel gilt als Geburtsort des Hippokrates, des Vaters der Medizin im Altertum. Auf der Insel ist auch ein Heiligtum des antiken Gottes der Gesundheit, Asklepios (lateinisch: Aesculapius).

dpa

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