Schloss Meseberg

Einladungen nicht von der Windrichtung abhängig machen

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Schloss Meseberg: Streit um eine Schweinemastanlage in der Nähe.

Meseberg - Das Gästehaus der Bundesregierung liegt in einem Dorf. Die Gegend ist ländlich geprägt. Nun gibt es Streit über eine Schweinemastanlage.

Ob Obama, Sarkozy oder Medwedew - Staatsgäste der Bundesregierung sollten Dorf-Flair und (echte) Landluft mögen, wenn sie künftig im Schloss Meseberg nächtigen. In dem verträumten Ort nördlich von Berlin tuckern Traktoren über holprige Straßen, krähen Hähne auf Misthaufen und es bellen Hunde.

Auf dem gepflegten Grün vor dem hochherrschaftlichen Schloss patrouilliert die Bundespolizei. Sie bewacht das Gästehaus der Bundesregierung mit Zugang zum beschaulichen Seeufer. Doch die Idylle ist in Gefahr - seit Wochen gibt es Stunk um die neuen Nachbarn: nicht einmal einen Kilometer entfernt sollen rund 1450 Schweine einziehen. “Das ist eine Sauerei, eine Instinktlosigkeit, eine Geschmacklosigkeit“, ereifert sich Hans Heinrich von Srbik, Vorstandsvorsitzender der Messerschmitt-Stiftung, der das Schloss gehört. Schließlich seien in das Projekt 45 Millionen Euro geflossen.

Keine Staatsknete für einen Privatstreit

Er ist wütend und enttäuscht: “Wir haben nichts gegen Landwirtschaft, aber gegen Massentierhaltung ohne Schaffung von Arbeitsplätzen an einem so sensiblen Ort.“ Klar, es sei noch nicht sicher, dass mit den Schweinen und der Gülle dicke Fliegen, Bakterienbelastung und unzumutbarer Gestank einher gehen. Dennoch: “Man hätte das verhindern müssen.“ Das Land Brandenburg etwa hätte dem dänischen Investor eine Entschädigung zahlen können.

Dort jedoch heißt es: “Gerade in diesen Zeiten ist es völlig ausgeschlossen, Staatsknete in die Hand zu nehmen, um einen Privatstreit zu lösen.“ Denn: Rechtlich sei alles sauber gelaufen. Für den Stall liegt nämlich eine Betriebsgenehmigung vor. “Schließlich war die alte Mastanlage noch bis 2006 in Betrieb - als die Stiftung übrigens das Schloss schon sanierte - und es gilt Bestandsschutz“, betont Amtsdirektor Frank Stege (CDU). Er selbst findet zwar auch, dass eine Schweinemast in “Riechweite“ von Staatsgästen nicht tourismusfördernd ist, die Aufregung bei der Stiftung versteht er dennoch nicht.

Die Bundesregierung gibt sich gelassen

Die Gegensätze in dem 155-Seelen-Dorf Meseberg, durch das man per Auto vorbei am Dorfkrug, an einem Briefkasten, der Kirche und eben dem Schloss in Schrittgeschwindigkeit keine drei Minuten braucht, könnten nicht größer sein: Das leuchtende Schloss wirkt wie ein Fremdkörper neben den Häusern der Meseberger. Aus den Giebelfenstern des Schlosses dürfte die leicht marode wirkende Schweinemastanlage zu sehen sein. Zwischen beidem liegt nur ein kleiner Hügel.

Dorfkrug-Wirt Werner Paarmann empört sich: “Die neuen Leute haben doch gewusst, dass das hier ein landwirtschaftliches Gebiet ist. Also ich verstehe den ganzen Stunk nicht.“ Auch Investor Mogens Nielsen, Geschäftsführer der Agrar GmbH Seebeck, meint: “Ich habe eine Genehmigung und wenn die anderen nicht geschlafen hätten, hätten sie die Mast doch verhindern können.“ Ob und welche Gesprächsangebote es in den vergangenen Wochen gab um die Schweinemast bleibt im Dunkeln.

Alle Beteiligten behaupten, die “Gegenseite“ habe Offerten abgelehnt. Und was sagt die Bundesregierung? “Wir raten zu Gelassenheit in dieser Sache“, so ein Sprecher des Kanzleramts. “Ein Verlassen des Schlosses oder gar die Suche nach neuen Standorten kommen nicht in Betracht.“ Vize- Regierungssprecher, Thomas Steg, wird noch deutlicher: “Wir machen jedenfalls die Nutzung von Meseberg und die Einladung an Staatsgäste nicht von der Windrichtung abhängig.“

dpa

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