Zeitung: Schikane gegen Bundeswehr-Soldaten

Halle - Einige Bundeswehr-Soldaten im Auslandseinsatz und deren Angehörige werden Medienberichten zufolge in ihrer Heimat schikaniert. Es soll zu anonymen Anrufen und Einbrüchen gekommen sein.

Das berichtet die in Halle erscheinende “Mitteldeutsche Zeitung“ (Dienstag) unter Berufung auf Bundeswehr-Kreise und das Verteidigungsministerium. Demnach komme es vor, dass entweder in die Wohnungen der Soldaten eingebrochen werde, während sie nicht da sind, oder aber Familienmitglieder anonyme Anrufe erhielten, wonach ihre Angehörigen in Afghanistan gefallen seien, obwohl dies gar nicht stimme. Bei der Verabschiedung von knapp 20 Soldatinnen und Soldaten aus der Clausewitz-Kaserne in Nienburg an der Weser am vergangenen Freitag seien deren Gesichter deshalb auf für die lokale Presse bestimmten Fotos unkenntlich gemacht worden.

Unsere Soldaten in Afghanistan

Unsere Soldaten in Afghanistan

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte dem Blatt: “Das kommt immer wieder vor.“ Auch würden Soldaten oder deren Angehörige vereinzelt angepöbelt. Die Bundeswehr sei deshalb dazu übergangen, die Anonymität der Soldaten im Auslandseinsatz grundsätzlich zu wahren. So würden öffentlich nur ihre Vornamen genannt und die Gesichter auf Fotos gepixelt. Darüber hinaus würden Informationen über Tod und Verwundung immer persönlich überbracht und nicht via Telefon, um Falsch-Informationen auszuschließen.

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, sagte der Zeitung, neben gewöhnlichen Kriminellen, die sich für einen Einbruch auf offensichtlich leerstehende Wohnungen konzentrierten, seien “Wirrköpfe“ und “angebliche Antimilitaristen“ am Werke, “die zynisch mit den Gefühlen von Angehörigen spielen“ und eine “gezielte Strategie der Verunsicherung“ betrieben. Unter anderem lade diese Szene zu Besäufnissen ein, wenn Soldaten gefallen seien - und zwar unter dem Motto: “Feste feiern, wie sie fallen.“ Der SPD- Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels betonte: “Das ist kein Witz, sondern ein Fall für den Staatsanwalt.“

dpa

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