Zehntausende Missbrauchsfälle in katholischer Kirche der Niederlande

Den Haag - In katholischen Institutionen in den Niederlanden sind seit 1945 zehntausende Kinder sexuell missbraucht worden. Jetzt wurde ein umfassender Bericht über den Skandal veröffentlicht.

Die Kirche habe zudem versucht, derartige Fälle aus Angst vor Skandalen zu vertuschen, wie aus einem am Freitag veröffentlichten Bericht einer Untersuchungskommission hervorgeht.

Der Erzbischof von Utrecht, Wim Eijk, entschuldigte sich im Namen der niederländischen Kirche bei den Opfern. Der Bericht fülle die Kirchenvertreter mit Scham und Sorge, sagte er und erklärte, die Opfer sollten Entschädigungen aus einem im November eingerichteten Fonds erhalten, die von 5.000 bis 100.000 Euro reichen.

In den vergangenen 65 Jahren sind dem Bericht zufolge zwischen 10.000 und 20.000 Kinder missbraucht worden. Die Vergehen reichten dabei von unerwünschten sexuellen Annäherungsversuchen bis zur Vergewaltigung. Es seien Beschwerden gegen 800 Priester, Mönche, Pastoren und Laien in Kircheninstitutionen eingegangen, teilte die Kommission mit. Davon seien noch rund 105 am Leben, es war aber unklar wie viele von ihnen noch in ihren Positionen innerhalb der Kirche arbeiteten. Auch Namen nannte der Bericht keine.

34 000 Menschen befragt

Die unabhängige Kommission unter der Leitung des ehemaligen Ministers Wim Deetman hatte im vergangenen Jahr ihre Arbeit aufgenommen und mehr als 34.000 Menschen befragt. Deetman erklärte, es sei undenkbar, dass die Kirchenführung nichts von dem Missbrauch gewusst habe. Dieser sei teilweise auch deswegen weiter gegangen, weil die katholische Kirche in den Niederlanden aufgesplittert sei, sodass Bischöfe und Ordensgemeinschaften sich mit den Missbrauchsfällen eigenständig befassten und nicht “ihre Schmutzwäsche nach draußen hängten“. Die Kommission habe allerdings befunden, dass es nicht richtig sei, von einer “Kultur des Schweigens“ in der Kirche als Ganzem zu reden, sagte Deetman weiter.

Der Bericht schätzt außerdem, dass in den Niederlanden insgesamt - und nicht nur in der Kirche - jedes zehnte Kind in irgendeiner Form sexuell missbraucht wurde. Die Zahl verdoppelt sich bei jenen Kindern, die Teile ihrer Kindheit in Waisenhäusern oder Internaten verbracht haben - unabhängig davon, ob sie katholisch waren oder nicht.

Ähnliche Untersuchungen in den USA, Kanada, Irland, Belgien und anderen Ländern haben ebenfalls weitverbreitete Fälle von Kindesmissbrauch durch den katholischen Klerus und andere Mitarbeiter in Kircheninstitutionen aufgezeigt.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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