Woodstock - die Legende wird 40

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Die Veranstalter hatten eigentlich mit 50.000 Besuchern gerechnet - zum Woodstock-Festival kamen dann aber über 500.000 Menschen.

New York - “Es war einfacher zu vögeln, als sich ein Frühstück zu organisieren“, schrieb der “Rolling Stone“ über das Woodstock-Festival. Vor 40 Jahren kamen 500.000 Menschen zusammen, um „Love & Peace“ zu zelebrieren.

Es war ein heilloses Chaos: verstopfte Anfahrtswege, matschige Wiesen, kaum Toiletten. Und doch wurde Woodstock 1969 zum wichtigsten Festival der Musikgeschichte. Am Samstag (15. August) ist es vierzig Jahre her, dass sich fast 500 000 Menschen auf einer Bauernwiese im US-Bundesstaat New York trafen, um mit Größen wie Jimi Hendrix, Janis Joplin, Joe Cocker, The Grateful Dead, Canned Heat und The Who ein dreitägiges “Hochamt“ für Love & Peace zu feiern. Bis heute gilt die haschgeschwängerte Veranstaltung als Höhepunkt der Hippie-Bewegung - Ausdruck für das Lebensgefühl einer ganzen Generation.

Bilder vom Woodstock-Festival

Woodstock - die Legende wird 40

“Woodstock hat etwas berührt, einen Nerv in diesem Land. Und einfach jeder kam“, sagte der Künstler Arnold Skolnick, der das legendäre Festival-Poster mit der Friedenstaube auf dem Gitarrengriff schuf. Wohl am besten verlieh Jimi Hendrix der Stimmung Ausdruck, als er zum Abschluss auf seiner weißen Stratocaster die amerikanische Nationalhymne “Star Spangled Banner“ buchstäblich in der Luft zerriss: Die Jugend dieses Landes wollte dem Vietnamkrieg und den Rassenunruhen das Bild einer friedlichen, freien, solidarischen Gesellschaft entgegensetzen.

Dabei hatte der Organisator kein politisches Manifest im Sinn, als er zu “Three Days of Peace and Music“ aufrief. Der damals 24 Jahre alte Musikproduzent Michael Lang wollte mit einem Freund schlicht Geld für sein Plattenstudio im US-Örtchen Woodstock auftreiben und fand zwei potente Mitstreiter für die Konzertidee - “Woodstock Ventures“ wurde gegründet.

Als es gleich am ersten Abend wie aus Kübeln goss, verwandelte sich die riesige gemietete Wiese des Bauern Max Yasgur in eine einzige Schlammwüste. “No Rain, No Rain“, skandierten die Blumenkinder, aber es nützte nichts.

Er hatte seinen großen Durchbruch beim Woodstock-Festival: Joe Cocker.

Auf dem Gelände brach bald das Chaos aus. Schon nach einem Tag gab es an den Ständen nichts mehr zu essen, Trinkwasser wurde rationiert, nur Drogen aller Art waren reichlich zu haben. Eine jüdische Gemeinde in der Nachbarschaft schmierte 30 000 Brote, Nachschub musste mit dem Hubschrauber eingeflogen werden. Und weil die 600 Klohäuschen auch nicht annähernd ausreichten, waren die hygienischen Verhältnisse bald unbeschreibbar. “Es war einfacher zu vögeln, als sich ein Frühstück zu organisieren“, schrieb später das Musikmagazin “Rolling Stone“. Doch der Stimmung tat das keinen Abbruch. Vom improvisierten “Freedom! Freedom!“-Song des Folkmusikers Richie Havens über Joan Baez' Freiheitshymne “We Shall Overcome“ bis zum spektakulären Auftritt von The Who ließ sich das Publikum drei Tage lang von den Flower-Power- Klängen mitreißen.

Wie durch ein Wunder blieb alles friedlich. Und dass es auch bei den Musikern einen Haufen Pleiten, Pech und Pannen gab, ging im Rausch des Wir-Gefühls meist unter. “Ich war voll high und konnte nur zu Gott beten, dass er mich im Rhythmus hält“, erzählt Carlos Santana , der damals gerade sein Debütalbum aufgenommen hatte. “Meine Gitarre fühlte sich an, als sei sie aus Gummi. Und ich hatte das Gefühl wie ein Lachs, der die Stromschnellen hochspringt.“

1,5 Millionen Dollar Verlust gemacht

Finanziell wurde das Konzert ein Desaster. “Wir haben an dem Wochenende rund anderthalb Millionen Dollar versenkt“, sagt Lang. Die nachträgliche Vermarktung durch den Medienkonzern Warner Brothers brachte dagegen längst ein Vielfaches in die Kassen. Zum 40. Geburtstag kommen zahlreiche Neuauflagen der Musik und allein in den USA ein gutes Dutzend Bücher auf den Markt. Der oscarprämierte Dokumentarfilm, der bei einem Millionenpublikum den Mythos Woodstock begründete, wurde restauriert und digital remastered.

Meisterregisseur Martin Scorsese, der damals am Schnitt beteiligt war, erinnert sich in einem Beitrag zum Buch “Woodstock: Three Days That Rocked The World“ vor allem an einen knurrenden Magen und chaotische Arbeitsbedingungen: “Was uns geholfen hat, war der Gedanke, dass wir bei etwas Größerem mitmachen als bei einem Rockkonzert - dass wir vielleicht bei einem wirklich historischen Ereignis dabei sind.“

Heute stehen auf dem Festival-Gelände ein Museum und ein gutbürgerliches Kulturzentrum, auf der eingezäunten Wiese sind Camping und laute Musik verboten. Und dass sich auch sonst seit den Zeiten der bunten Blumenkinder einiges geändert hat, musste Organisator Lang bitter erfahren. Für geplante Revival-Konzerte in New York und auf dem Berliner Flughafen Tempelhof fanden sich nicht ausreichend Sponsoren.

600 Klos für 500.000 Menschen

Das Woodstock-Festival im US-Bundesstaat New York brach vor 40 Jahren alle Rekorde: Nie zuvor hatte es eine so große Musikveranstaltung gegeben. Zahlen und Fakten:

  • Vom 15. bis 17. August 1969 in Bethel
  • Kilometer nordwestlich von New York
  • 32 Bands und Solisten
  • Gesamtgage 200 000 Dollar (knapp 140 000 Euro)
  • Bestbezahlt: The Who mit 12 500 Dollar
  • Statt der erwarteten 50 000 fast 500 000 Besucher
  • Eintritt 18 Dollar für drei Tage
  • Weil Kassenhäuschen fehlen, kommen die meisten umsonst rein
  • Rund 250 Hektar großen Gelände mit 600 mobilen Toiletten
  • Keine Gewaltverbrechen, viele Drogendelikte
  • Zwei Drogentote, zwei Geburten
  • 5162 Besuche bei den Sanitätszentren, davon 797 wegen Drogenkonsums
  • Schwül-heißes Wetter mit häufigen Gewittern
  • Am ersten Abend in drei Stunden 120 mm Niederschlag
  • Gesamtkosten 2,4 Millionen Dollar - 5 Tage Aufräumarbeiten
  • Verkauf der Musik- und Bildrechte für 1,5 Millionen Dollar
  • Bisherige Einnahmen durch Vermarktung mehr als 200 Millionen Dollar

Nada Weigelt (dpa)

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