Wirbel um deutsch-italienisches Familiendrama

Mailand/Unterhaching - Ein deutsch-italienisches Familiendrama sorgt in Italien für Aufsehen. Weil sie angeblich im Februar ihre beiden kleinen Söhne in Unterhaching auf offener Straße entführt haben soll, ist eine Italienerin in Mailand festgenommen worden.

“Eine Mutter gehört nicht ins Gefängnis“, titelte der Mailänder “Corriere della Sera“ am Donnerstag dramatisch. “Mutter Courage verhaftet“, kommentierte die Zeitung des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, “Il Giornale“.

Die laut der Berichte 40 Jahre alte Italienerin sei am Mittwoch nach einer Anhörung im Mailänder Jugendgericht auf der Basis eines im März in Deutschland erlassenen europäischen Haftbefehls ins Gefängnis gebracht worden, hieß es. Hintergrund ist ein jahrelanger Rechtsstreit der Frau mit ihrem deutschen Exmann um die gemeinsamen Söhne, die heute acht und zwölf Jahre alt sind.

So war das Sorgerecht für die Kinder nach ihrer Scheidung 2006 zunächst der damals noch in Deutschland lebenden Mutter zugesprochen worden. Als ihr Arbeitgeber der Italienerin eine Stelle in Mailand offerierte, begannen jedoch die Probleme. Die Mutter zog nach Italien, der Vater erwirkte - unterstützt vom Jugendamt - ein Urteil, demzufolge die Söhne Leonardo und Nicolò nach Deutschland gehörten. Im Herbst 2008 brachte die Mutter die Jungen trotzdem nach Mailand und galt in Deutschland seitdem als gesucht.

Im Mai 2009 wurden die Kinder auf der Grundlage des deutschen Gerichtsbeschlusses in Mailand von den Carabinieri aus der Schule geholt und nach Bayern zum Vater zurückgebracht. Die Jungen blieben in Bayern, bis ihrer Mutter sie Anfang 2010 kurzerhand entführte. Sie habe damals von gemeinsamen Bekannten erfahren, dass der jüngere Sohn mit Psychopharmaka behandelt werde, berichteten italienische Medien.

“Sie ist entschlossener denn je“, erklärte Laura Cossar, die Anwältin der Mutter nach der Festnahme. Das Gericht habe ihnen bereits recht gegeben, was die angebliche Entführung der Kinder angehe. Nun müsse bei dem zuständigen Gerichtshof noch der Haftbefehl angefochten werden, der eine Auslieferung der Frau an die deutschen Behörden vorsehe. Die Kinder befänden sich “an einem sicheren Ort“.

dpa

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