Werbung für Abtreibung im britischen Fernsehen

London - Eine Gesundheitsorganisation wirbt im britischen Fernsehen für Abtreibung. Erste Kritiker melden sich: eine Abtreibung sei kein Waschmittel, eine Abtreibung sei eine ernste Sache.

Im britischen Fernsehen wird künftig ein Werbespot für Abtreibung zu sehen sein. Der kurze Film solle mit dem Tabu brechen, offen über Abtreibung und das Thema Sexualität zu sprechen, sagte ein Sprecher der nicht-kommerziellen Gesundheitsorganisation, die mit dem Film Werbung für ihre Angebote macht, am Donnerstag in London. Viele Menschen wüssten viel zu wenig über Abtreibung oder wo sie Hilfe bekommen könnten, wenn eine Frau ungewollt schwanger wird.

In dem Spot ist eine junge Frau zu sehen, der mit Bezug auf ihre Periode die Frage gestellt wird “Bist Du spät dran?“. Daraufhin wird die Notfall-Hotline der Organisation eingeblendet. Mehrere Gegner kritisierten die Werbekampagne und kündigten an, rechtliche Schritte zu prüfen. “Es ist grotesk, Abtreibungs-Anbietern zu erlauben, im Fernsehen Werbung zu machen - als ob sie nichts anderes wären als Autofirmen oder Waschmittel-Hersteller“, sagte eine Sprecherin der Organisation “Life“. “Indem sie den Leuten weis machen, Abtreibung sei einfach eine weitere Verbraucherwahl, trivialisieren sie das menschliche Leben.“ Abtreibung müsse begrenzt bleiben auf besonders schwere Fälle und dürfe nicht zum Massenphänomen werden.

Der Werbefilm ist der erste Abtreibungs-Spot, den es je im britischen Fernsehen gegeben hat. Er soll ab 22.10 Uhr laufen. Die Behörde, die für die Überwachung von Werbung zuständig ist, rechtfertigte sich: Solange der Spot mit den Regeln übereinstimme, die Zuschauer nicht in die Irre führe und einer sozialen Verantwortung gerecht werde, sei er erlaubt. “TV-Werbung wird auf diese Regeln hin überprüft, bevor sie ausgestrahlt werden kann“, sagte eine Behördensprecherin. “Wenn Zuschauer Beschwerden haben, können wir auf diese eingehen, sobald die Werbung gezeigt worden ist. Wir können aber nicht handeln, weil einige Zuschauer im Vorhinein Einwände darüber haben, dass ein Angebot überhaupt in einem Werbefilm erscheint.“

dpa

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