Ruf nach mehr Videoüberwachung

Mutmaßlicher U-Bahn-Treter in Haft

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Blick auf den Bereich des U-Bahnhof Hermannstraße in Berlin, wo eine Frau brutal von hinten die Treppe hinunter gestoßen wurde. Foto: Jörg Carstensen

Nach der brutalen Fußtrittattacke in einem Berliner U-Bahnhof sitzt ein 27-Jähriger in Untersuchungshaft. Hilfe bei der Festnahme kam unverhofft.

Berlin (dpa) - Nach der Verhaftung des mutmaßlichen U-Bahn-Treters von Neukölln hat die Berliner Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen ausgeweitet. "Wir ermitteln auch in Richtung eines versuchten Tötungsdelikts", sagte Sprecher Thomas Fels.

Im Haftbefehl wird dem 27-Jährigen gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt. Der Mann soll Ende Oktober eine ahnungslose Frau mit einem Fußtritt in den Rücken so attackiert haben, dass die 26-jährige eine Treppe im U-Bahnhof Hermannstraße hinunterstürzte und sich einen Arm brach.

Der Verdächtige sitzt nun in Untersuchungshaft. Er war zunächst untergetaucht, mit Haftbefehl gesucht und am Samstag gefasst worden, als er auf dem Zentralen Omnibusbahnhof aus Südfrankreich in der Hauptstadt ankam.

Hilfe bei der Festnahme kam unverhofft. Wegen einer großen Präventionskampagne gegen Taschendiebe waren viele Polizisten zufällig in der Nähe. "Es hat uns gefreut, dass wir helfen durften", sagte Thomas Simmroß, Kriminaldirektor im Landeskriminalamt (LKA), am Montag. Die zivilen Zielfahnder baten demnach um Unterstützung. Einige uniformierte Kollegen verstärkten dann die Einsatztruppe am Busbahnhof. Die Festnahme sei problemlos gewesen.

Bislang sei keine Beschwerde gegen die Untersuchungshaft bekannt, sagte Staatsanwaltschafts-Sprecher Fels. Der Haftbefehl sei auch mit Fluchtgefahr begründet worden. Der Verdächtige hätte im Fall einer Verurteilung eine erhebliche Freiheitsstrafe zu erwarten. Allein bei gefährlicher Körperverletzung liege der Strafrahmen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Haft.

Es mehren sich die Forderungen nach mehr Videoüberwachung. Auch die S-Bahn sollte einbezogen werden, sagte Michael Böhl vom Bund deutscher Kriminalbeamter der "Berliner Zeitung". Überwachungskameras könnten Täter abschrecken. Der Berliner Kriminologe Claudius Ohder sagte der Zeitung, Videoaufzeichnungen könnten Identifikation und Verurteilung von Tätern erleichtern.

Die Attacke in Neukölln war von Überwachungskameras aufgezeichnet worden. Darauf sind vier junge Männer zu sehen. Nachdem die Polizei nach wochenlangen Ermittlungen die Bilder veröffentlichte, kam Bewegung in den Fall.

Zunächst wurde ein jüngerer Bruder des 27-Jährigen festgenommen. Er kam aber wieder frei, weil ihm keine unmittelbare Tatbeteiligung nachzuweisen war. Wenig später hatten die Ermittler Klarheit über die Identität des mutmaßlichen Haupttäters. Ermittelt wird insgesamt gegen drei Brüder und einen Kumpel von ihnen.

Der frühere Bezirksbürgermeister von Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), sprach sich im RBB-Inforadio dafür aus, Gewalt im öffentlichen Raum durch mehr Videoüberwachung einzudämmen.

In Berlin sind alle U-Bahnen und U-Bahnhöfe sowie Straßenbahnen und die meisten Busse mit Videokameras ausgestattet. Auch auf vielen S-Bahnhöfen gibt es die Technik, in den S-Bahn-Zügen bisher jedoch nicht. Es gibt aber Pläne, auch hier Kameras anzubringen.

Unklar war bislang, ob die vom Betreiber einer Leibwächter-Firma ausgesetzte Belohnung ausgezahlt wird. Bisher habe sich noch niemand bei ihm gemeldet, um die 2000 Euro zu erhalten, sagte Michael Kuhr. Die Staatsanwaltschaft hatte erklärt, vom Staat würden Belohnungen nur bei Kapitalverbrechen wie Mord oder anderen schweren Vergehen ausgesetzt.

Pressemitteilung Polizei Berlin

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