Opferhilfsorganisation

Weißer Ring plant Opfer-Lagebild - Cybermobbing großes Thema

Jörg Ziercke ist seit September 2018 Chef der Opferhilfsorganisation Weißer Ring. Foto: Peter Zschunke
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Jörg Ziercke ist seit September 2018 Chef der Opferhilfsorganisation Weißer Ring. Foto: Peter Zschunke

Mobbing in den sogenannten Sozialen Netzwerken betrifft vor allem Jugendliche, sagen Opferschützer. Der Weiße Ring macht daraus einen Schwerpunkt seiner Arbeit. Doch die Pläne gehen noch weiter.

Mainz (dpa) - Der Weiße Ring will künftig jedes Jahr ein Opfer-Lagebild in Deutschland veröffentlichen. So wie die Polizeiliche Kriminalstatistik jedes Jahr die Täter beleuchte, solle dieser Bericht die Lage der Kriminalitätsopfer in den Blick rücken.

Das sagte der Bundesvorsitzende Jörg Ziercke der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Der erste Bericht des gemeinnützigen Opferschutzvereins könne möglicherweise bereits im Herbst 2019 in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Ein besonderes Augenmerk richtet der Weiße Rind auf das Mobbing in Sozialen Netzwerken. Es betrifft nach Einschätzung Zierckes insbesondere junge Menschen zwischen 12 und 19 Jahren. "Das ist ein ganz großes Thema, das bis zum Suizid gehen kann", sagte Ziercke. Solche Fälle gebe es leider auch hierzulande. Cybermobbing sei mittlerweile ein Schwerpunkt der Präventionsarbeit des Weißen Rings.

Möglichst junge Ehrenamtliche gingen für die Opferhilfsorganisation gezielt in Schulen oder zu Elternversammlungen, um solchen Fällen vorzubeugen - "aber immer in Begleitung von Lehrern", erklärte der frühere Präsident des Bundeskriminalamts. "Denn sie können ja nicht wissen, ob gerade in der Klasse, in der sie einen Vortrag halten, gerade massive Fälle von Mobbing stattfinden."

Dabei sei es nicht Aufgabe des Weißen Rings, psychologische Ratschläge zu erteilen, sagte Ziercke, der seit September 2018 Chef der Opferhilfsorganisation ist. Man könne nur sensibilisieren und Wege aufzeigen, wie Betroffene Hilfe finden. Etwa dass sie sich an Vertrauenslehrer oder den Weißen Ring und dessen Netzwerkpartner wie das Projekt Juuuport, das sich auf Hilfsangebote für digital gemobbte junge Menschen spezialisiert hat, wenden sollten.

"Man muss erkennen, dass man einen solchen Mobbing-Fall nicht alleine lösen kann", sagte Ziercke. Viele schämten sich, von der eigenen Notlage zu erzählen. Das Wissen, dass es anderen auch so ergeht, könne Kraft geben, eine Anzeige zu erstatten. "Wer glaubt, er könne das alles selbst bewältigen, der hat die falsche Karte gezogen."

Ziercke, der von 2004 bis 2014 Präsident des Bundeskriminalamts war, wünscht sich zudem in allen Bundesländern Opferschutzbeauftragte. "Das würden wir sehr begrüßen, da sehen wir überhaupt keine Konkurrenz drin", sagte er. Der Beauftragte habe - je nachdem, wo er im jeweiligen Land angesiedelt sei - einen direkten Zugang zur Regierung, einem Ministerium oder dem Parlament. "Er kann Multiplikator sein für die Bedürfnisse, die Opfer haben, wenn es um Gesetzgebung geht oder um politische Beratung." Dafür müssten die Beauftragten dann aber auch angemessen ausgestattet sein. Bislang gebe es solche Beauftragte nur in einigen Ländern.

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