Weihnachtsgrüße übers Bundeswehrradio

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Hauptmann Sebastian Falke (l) und Stabsunteroffizier Selina Schmitt moderieren am Samstag (16.12.2006) im Sendestudio des Soldatensenders "Radio Andernach".

Mayen - In der Weihnachtszeit ist der Kontakt zu Familie und Freunden für die Soldaten der Bundeswehr im Auslandseinsatz besonders wichtig. Bis zu 1000 Grüße aus der Heimat sendet Radio Andernach in diesen Tagen.

Die Sorge um ihren Liebsten kann Jessica nicht verbergen: “Aus weiter Ferne wünsche ich Dir eine schöne Woche. Pass weiter gut auf Dich auf! Ich liebe Dich“, heißt es in ihrem Gruß, den die Moderatorin von Radio Andernach für den Hauptgefreiten Wicht in Afghanistan vorliest. Solche Botschaften sind es, die derzeit massenweise über den Truppenbetreuungssender in die Einsatzgebiete der Bundeswehr geschickt werden. 9000 Grüße zählt der Sender im Jahr, allein an den Weihnachtsfeiertagen soll ihre Zahl vierstellig sein. Dafür wird das Programm eingedampft und das Personal aufgestockt. “Da geht das dann: Gruß, Lied, Gruß, Lied“, sagt Moderator Hauptmann Peer Uhlmann. “Unser Ziel ist: Jeder Gruß soll gesendet werden.“

Das Radio hat seinen Standort beim Zentrum Operative Information im 20.000-Einwohner-Städtchen Mayen in der Eifel. 75 Mitarbeiter sorgen für den Draht der rund 6800 Kameraden, die weltweit im Einsatz sind, in die Heimat. Schon der Blick auf die Rangliste der Wunschlieder zeige die Emotionalität im Programm, sagt der Chef vom Dienst (CvD), Hauptmann Jens Krees. An der Spitze stehe in diesem Jahr die Band Unheilig mit dem Titel “Geboren um zu leben“. “Rund die Hälfte unserer Belegschaft war schon in Afghanistan. Das bringt einen deutlich weiter“, sagt Krees.

Denn zum Programm gehören neben Musik, Nachrichten und Sport auch Berichte vom Einsatz in der Krisenregion. Es sei daher notwendig, den Alltag und die Hörgewohnheiten am Einsatzort zu kennen, erklärt der Hauptmann. Dabei haben dort wegen der unterschiedlichen Aufgabenbereiche nicht alle Soldaten gleichermaßen Gelegenheit, Radio Andernach zu hören. “Die Soldaten, für die es am ärgsten nötig ist, erreichen wir leider am schlechtesten“, sagt der CvD mit Blick auf die Patrouillen und Beobachtungsposten. In der Verwaltung und in Werkstätten könne man hingegen auch mal bei der Arbeit den Sender laufen lassen. Programmwiederholungen am Abend sollen deshalb auch sicherstellen, dass jeden seine Grußbotschaft erreicht.

Bedeutung des Senders wächst mit Auslandseinsätzen

Seit 1974 produziert Radio Andernach, das nach seinem früheren Standort am Rhein benannt ist, ein Programm für Soldaten im Einsatz. Auch nach dem Umzug nach Mayen wurde der Name beibehalten - mit Blick auf die Geschichte der Bundeswehr, deren erste Soldaten Ende 1955 in eine Kaserne in Andernach einrückten, sagt Krees. Mit dem zunehmenden Engagement der Bundeswehr im Ausland wuchs die Bedeutung des Senders. Per ISDN-Verbindungen und Satellit wird heute das Rahmenprogramm übertragen, Teams vor Ort gestalten Regionalfenster wie “Guten Morgen Afghanistan“.

Radio Andernach sendet rund um die Uhr - 14 Stunden davon live. Für Soldaten an abgeschiedenen Orten oder auf Schiffen wird ein Sendeformat mit den ersehnten Grüßen auf CD verschickt. Auch Krees wurde mal von einer Botschaft seiner Kumpels im Radio überrascht. “Da kriegt man schon eine Gänsehaut.“ Grüße gehen an alle Dienstgrade: Pamela schreibt dem Oberleutnant Schneider: “Wir freuen uns schon sehr, dass Du es bald geschafft hast. Du fehlst uns!“ Die Familie von Oberfeldwebel Fischer sendet: “Wir wünschen dir ein schönes Weihnachtsfest und in unseren Herzen bist du bei uns. Du bist unser Leben, wir lieben dich!“ Die Inhalte hätten sich trotz der teils heftigen Gefechte nicht verändert, sagt Krees.

"Klartext" reden viele erst nach dem Einsatz

“Die Soldaten haben ein gutes Gespür dafür, was sie wie nach Hause kommunizieren.“ Viele redeten erst nach ihrer Rückkehr “Klartext“, andere behielten das Erlebte ganz für sich. Bei Todesfällen habe man früher mehr ruhige Musik ins Programm genommen, sagt Krees. Zuletzt jedoch seltener, obwohl neun Soldaten in diesem Jahr am Hindukusch ums Leben kamen. Indem man den ganzen Tag lang nur traurige Musik spiele, werde man dem Betreuungsauftrag nicht gerecht, sagt Moderator Uhlmann dazu. Gefechte, Gefallene und Verwundete seien zudem “ein Stück weit Normalität“ geworden, ergänzt der CvD. Insgesamt starben in Afghanistan 45 deutsche Soldaten.

In Deutschland ist Radio Andernach normalerweise nicht zu empfangen. Medienrechtliche Gründe sprächen dagegen, heißt es. Zu Weihnachten gibt es jedoch ausnahmsweise einen passwortgeschützten Live-Stream im Internet. In dieser Zeit müssen in Mayen wegen der Vielzahl der Wünsche Extraschichten geschoben werden. Jessica wünscht sich eigentlich nur ihren Schatz nach Hause, das zeigt auch ihre Musikauswahl: “All I want for Christmas is you“ von Mariah Carey.

dpa

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