Nachweis durch Audio-Aufnahmen

Wandernde Fledermäuse werden von künstlichem Licht angelockt

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Eine Rauhautfledermaus in Konstanz am Bodensee. Foto: Patrick Seeger/Illustration

Anders als bei vielen Vögeln bekommt der Mensch den Zug der Fledermäuse nicht mit. Einige Arten legen große Strecken zwischen Winter- und Sommerquartier zurück. Doch künstliche Beleuchtung kann sie dabei stören.

Berlin (dpa) - Künstliches Licht kann laut einer Studie ziehende Fledermäuse beeinflussen. Ein Versuch an einer stark überflogenen Stelle der Migrationsroute habe gezeigt, dass die streng geschützten Tiere von grünem Laser-Licht angezogen werden.

Das berichtet eine Gruppe um den Verhaltensbiologen Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (IZW) im Fachblatt "Plos One".

Die Forscher schließen aus, dass die Tiere von Insekten angezogen wurden, die sich oft um Lampen tummeln. Für die Forscher um Voigt ist das Ergebnis ein Hinweis darauf, dass die zunehmende nächtliche Beleuchtung in vielen Ländern der Welt Fledermäuse beeinflussen könnte.

Nachgewiesen haben die Wissenschaftler den Effekt an der lettischen Ostseeküste bei Mücken- und Rauhautfledermäusen. Deren Aktivität nahm um 50 Prozent zu, wenn die Forscher ihren Laser einschalteten und damit eine weiße Fläche beleuchteten. Den Ort passieren Fledermäuse auf ihrem Weg im Herbst von Nordeuropa in den Südwesten. Insgesamt zählen den Angaben zufolge fünf der 25 in Deutschland vorkommenden Arten zu den sogenannten Fernziehern.

Da die nachtaktiven Jäger schwer zu beobachten sind, ist die Wissenschaft auf Audio-Aufnahmen angewiesen. Um Rückschlüsse auf die Aktivität zu ziehen, werteten die Forscher die Echorufe der Tiere aus. Fledermäuse geben zudem spezielle Rufe von sich, wenn sie Insekten jagen. Da davon nur wenige gezählt wurden, halten die Experten das Licht selbst für den Anziehungspunkt. Sie hatten auch deshalb grünes Licht gewählt, weil es als unattraktive Lichtfarbe für Insekten gilt.

Hintergrund der Studie ist das Phänomen Lichtverschmutzung. Damit ist im Kern der heutzutage oftmals aufgehellte Nachthimmel durch Straßenlaternen, Leuchtreklame und andere künstliche Lichtquellen gemeint. Gerade in Osteuropa sei eine Zunahme zu beobachten, so Voigt. Ob Lichtglocken über Städten Zugtiere anlocken, sei aber noch unbekannt. Allerdings koste das Abweichen von der optimalen Zugstrecke die Tiere stets Energie. "Bei jeder einzelnen Straßenlaterne ist zu überlegen, ob sie tatsächlich notwendig ist oder nicht", erklärte Voigt.

Bei einigen Zugvögeln ist bekannt, dass Licht die Orientierung beeinträchtigt. Nach IZW-Angaben sitzt in deren Netzhaut ein spezielles für Kunstlicht empfängliches Pigment. Warum Fledermäuse von der Lichtquelle angezogen wurden, ist aber unklar. Die Studienautoren sehen etwa die Gefahr, dass die Jäger von beleuchteten Offshore-Plattformen aufs offene Meer gelockt werden könnten.

Plos-Studie

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