Lokführer des Todeszuges von Santiago

Im Visier der Justiz: José Garzón

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José Garzón

Santiago de Compostela - Ist er eine tragische Figur oder trägt er eine Mitschuld an der Bahnkatastrophe in Spanien? Lokführer Garzón steht im Mittelpunkt der Spekulationen um die Ursache.

Das Gesicht blutüberströmt, der Blick gesenkt, das Handy am Ohr: So zeigten erste Bilder Francisco José Garzón, den Lokführer des Unglückszuges von Santiago de Compostela. Trotz seiner Kopfverletzung, die später mit mehreren Stichen genäht werden musste, hatte der schmal gebaute 52-Jährige mit dem Kruzifix um den Hals nach dem tödlichen Zugunglück noch bei der Bergung von Opfern geholfen. Doch nun nahm die Polizei den erfahrenen Eisenbahner fest, der Ermittlungsrichter lud ihn als Beschuldigten vor.

Garzón hatte eingeräumt, dass der Zug mit rund 190 Stundenkilometern in eine Kurve raste, in der höchstens Tempo 80 erlaubt war. Die Frage nach dem Warum beschäftigt Spanien, der 52-Jährige ist die Schlüsselfigur bei der Aufklärung des Unfalls. „Ich habe es vermasselt, ich möchte sterben“, soll Garzón nach Medienberichten vom Freitag in einem Gespräch mit der Notzentrale der staatlichen Bahngesellschaft Renfe nach dem Unglück gesagt haben.

Seit mehr als 30 Jahren ist Garzón für Renfe tätig, seine Laufbahn sei lupenrein, heißt es. Geboren wurde er in der galicischen Eisenbahnerstadt Monforte de Lemos, schon sein Vater war bei der Bahn. Anfangs war er als Gehilfe bei der Betankung von Dieselloks tätig, hieß es in Medienberichten. Er arbeitete sich nach oben, bis er vor zehn Jahren zum Lokführer wurde. Längere Zeit war er auf der Route zwischen Madrid und Barcelona im Einsatz. Vor drei Jahren habe er sich in die galicische Hafenstadt La Coruña versetzen lassen, um sich um seine kranke Mutter zu kümmern. Garzón ist geschieden und hat keine Kinder.

Die Unglücksstrecke kannte er nach Angaben von Renfe gut, seit mehr als einem Jahr sei er dort schon unterwegs gewesen. Rund 60 Mal habe er die Unglückskurve in dieser Zeit passiert. Bekannte beschreiben Garzón als freundlich und verantwortungsvoll. „Er ist ein ausgezeichneter Mensch, ein sehr netter Typ“, zitierte die Zeitung „La Voz de Galicia“ einen Schaffner, der wie Garzón Mitglied in der Eisenbahnergewerkschaft ist.

Aufregung verursachen in Spanien Medienberichte über Kommentare, die von Garzóns Facebook-Seite stammen sollen. Dort soll er im März 2012 ein Bild eines Zug-Tachometers veröffentlicht haben, das Tempo 200 anzeigte. Die Seite wurde inzwischen auf richterliche Anordnung gesperrt, die Zeitung „ABC“ veröffentlichte online einen Screenshot. „Junge, du bist mit Vollgas unterwegs, bremse“, witzelte einer seiner Kontakte. „Ich bin am Limit, wenn ich noch schneller fahre, bekomme ich eine Strafe“, antwortete der 52-Jährigen, wie auf der abfotografierten Facebook-Seite zu sehen ist. Im Netz ist Garzón inzwischen Ziel heftiger Kritik.

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dpa

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