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Ukraine-Krieg: Kosten Brötchen bald mehr als einen Euro?

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Von: Bjarne Kommnick

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Wegen des Ukraine-Kriegs droht Europas größte Kornkammer leer zu bleiben. Nun drohen Preise in Höhe von mehr als einen Euro pro „normales“ Brötchen.

Hannover – Das Bäckerhandwerk rechnet aufgrund des Ukraine-Kriegs mit steigenden Preisen für Brötchen und Brot. Nicht nur die extrem hohen Preise für Treibstoff wie Diesel und Benzin machen Verbraucherinnen und Verbrauchern zu schaffen. Demnach würden mehr als zehn Prozent der weltweiten Weizenproduktion aus Russland und vier Prozent aus der Ukraine stammen, die auch als Kornkammer Europas bezeichnet werde. Aufgrund der Sanktionen gegen Russland und des Krieges in der Ukraine* könnte sich der Import von Weizen also in den kommenden Monaten schwierig gestalten und deutlich auf Preise für Backwaren auswirken.

StaatUkraine
HauptstadtKiew
Fläche603.548 km²
Bevölkerung44,13 Millionen (2020)

Ukraine-Krieg statt Kornkammer-Europa: Getreide-Preise schießen in die Höhe

Dabei sei Deutschland in Sachen Weizen sogar ein Selbstversorgerland. „Deutschland produziert mehr, als wir selbst brauchen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, Daniel Schneider. Nun scheint es jedoch so, dass Ernten in der Ukraine aufgrund des Kriegsgeschehens nicht eingefahren werden könnten. Auch wenn genügend produziert werde, würden Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland dennoch Preissteigerungen zu spüren bekommen. „Dann wird es zu Preissteigerungen auf dem Weltmarkt und auch in Deutschland kommen“, so Schneider.

Bäckerhandwerk leidet unter extremen Preissteigerung.
„Normale“ Brötchen könnten schon bald mehr als einen Euro pro Stück kosten. © dpa/Jens Kalaene

„Sollten hier Erträge ausfallen oder der Import wegbrechen, könnte sich dies negativ auf die Preise für die Kunden auswirken“, erklärt Schneider. Immerhin sei „die Versorgung nicht gefährdet“, erklärt Vanessa Holste, Expertin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegenüber der dpa. Doch nicht nur die Ernte an sich sei eine Ursache für Preissteigerungen für Backwaren. Denn auch steigende Energiekosten müssten Bäckerinnen und Bäcker an ihre Kundinnen und Kunden weitergeben, sowohl in der Produktion als auch im Transport.

Extreme Preissteigerungen für Backwaren: „Transportkosten teilweise verzehnfacht“

Neben Getreide und Energie seien zudem andere Zutaten von extremen Preissteigerungen betroffen. Johannes Kamm, Chef der Berliner Bäckerinnung berichtet gegenüber der B.Z., dass auch Mandeln, Kürbiskerne und Rosinen von Übersee deutlich teurer werden würden: „Die Transportkosten haben sich teilweise verzehnfacht“, so der Bäckermeister. Viele Brötchen dürften damit pro schon bald im Preis die ein Euro-Grenze pro Stück überschreiten.


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Laut Angaben von Observatory of Economic Complexity würden mehr als ein Drittel aller ukrainischen Exporte auf Nahrungsmittelausfuhren zurückzuführen seien. Nach Deutschland würden jedoch nur 9,3 Prozent aller Exporte der Ukraine mit Lebensmitteln in Zusammenhang stehen. Das Bäckerhandwerk in Deutschland habe 2020 einen Umsatz von knapp 14,5 Milliarden Euro erzielt. Pro Haushalt würden mehr als 56 Kilogramm Backwaren pro Jahr verzehrt werden. Nicht nur deshalb beginnt nun auch wieder das Hamstern unter Verbraucherinnen und Verbraucher, seien es Backwaren oder Treibstoff, aus der Politik kommen bereits Ratschläge an die Bevölkerung, für geeigneten Notvorrat in Krisen.

Steigende Preise für Backwaren: Situation schon vor Ukraine-Krieg angespannt

Doch nicht nur der Ukraine-Konflikt sei verantwortlich dafür, dass die Preise in die Höhe schießen. „Die Situation auf den Weltagrarmärkten war schon vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine angespannt, mit Preisen für Getreide, Ölsaaten und anderen Lebensmitteln, die höher waren als in den letzten 20 Jahren“, erklärte Agrarökonomie-Professor Matin Qaim von der Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn gegenüber focus. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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