Hunde-Tötungen: Ukraine stellt "Doghunter" vor Gericht

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Tierschützer protestieren gegen Hundetötungen in der Ukraine

Kiew - Bilder von verbrannten Hunden statt Fußball-Vorfreude: Wenige Wochen vor der Europameisterschaft hat Co-Gastgeber Ukraine ein Imageproblem. Tierschützer laufen Sturm.

Die Täter sind meistens private “Doghunter“. Sie wollen ihre Viertel von herrenlosen Streunern freihalten, die oft aggressiv in Rudeln auftreten. Radikale Tierfreunde forderten bereits, der Ukraine das Turnier wieder wegzunehmen. Am 31. März soll es europaweit Proteste gegen Hundetötungen in dem Land geben.

Die Ukraine will nun offenbar ein Zeichen setzen. Erstmals steht ein “Doghunter“ in Kiew vor Gericht. 30 Straßenhunde soll der 19-Jährige abgeschlachtet haben, Tierschützer gehen von deutlich mehr Bluttaten aus. Sein mitangeklagter Komplize stellte Videoclips der Tötungen ins Internet - so wurde das Duo überführt. Bis zu fünf Jahre Haft drohen den jungen Männern. Mit diesem Signal will die Ukraine ihr Image weiter verbessern. Schon zuvor hatten die Behörden in Zusammenarbeit mit deutschen Tierschützern ein Programm gegen die Streuner aufgelegt. Landesweit sollen vor dem Turnier im Juni Straßenhunde sterilisiert werden.

Polizeischutz für Tierquäler

Nur mit Polizeischutz können der Angeklagte Alexej W. und seine Familie zum Prozessauftakt ins Gericht gelangen, berichtet die Zeitung “Segodnja“. Aufgebrachte Tierschützer rangeln vor dem Gebäude mit der Miliz. “Ich habe Angst um mein Leben“, klagt Alexej. Schon zuvor waren in seinem Kiewer Stadtteil anonyme Flugblätter aufgetaucht - darauf: sein Foto und sein Name.

“Achtung, dieser Kiewer Sadist ist Euer Nachbar“, steht auf den Zetteln, die dutzendfach rund um Alexejs Straße aufgehängt wurden. “Heute stechen sie noch Welpen die Augen aus, morgen könnten Eure Kinder ihre Opfer werden.“

Neun Taten hat der Angeklagte bislang eingeräumt. Er sei betrunken gewesen, habe mindestens zwei Liter Bier intus gehabt, sagt er. Bevor das Gericht weiter verhandelt, sollen die jungen Männer psychiatrisch untersucht werden.

Die “Doghunter“ wollen ihre Straßen von “Flohträgern und Parasiten“ säubern, damit Städte für Menschen lebenswerter werden. Einer der Hundejäger ist der Elektroingenieur Roman aus der Stadt Dnjepropetrowsk. Seitdem er bei einem Spaziergang mit dem Kinderwagen von einer Meute angegriffen wurde, legt er giftige Köder in seinem Viertel aus.

Menschen lassen ihre Haustiere einfach frei

Landesweit gibt es immer wieder Berichte über Hundeangriffe. Die Angst vor Tollwut ist groß. Seit der Wirtschaftskrise ist die Zahl der Straßenhunde in der Ukraine sprunghaft gestiegen. Weil vielen Menschen das Geld für ihr Haustier fehlt, lassen sie die Hunde einfach frei. In der Hauptstadt Kiew, dem EM-Endspielort, gibt es Schätzungen zufolge 40 000 Streuner. Im ostukrainischen Charkow, wo Deutschland gegen die Niederlande spielen wird, sollen es sogar 50 000 sein.

Über das Internet tauschen sich die “Doghunter“ aus, geben sich Tipps zu Aufenthaltsorten von Hunderudeln und den effektivsten Methoden. Außerdem stellen sie Regeln auf: So dürfen Hunde nur getötet werden, indem ihnen vergiftete Köder direkt ins Maul gereicht werden. Doch Alexej hat diesen Kodex verletzt - mit Schraubenziehern und brennenden Zigaretten soll er die Tiere zu Tode gequält haben. Pure Mordlust werfen ihm sogar seine Kumpanen vor, die ihn an die Polizei verrieten.

dpa

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