Höhepunkt „noch nicht erreicht“

„Schleimkatastrophe“ vor Istanbul: Erdogan besorgt - Experten fordern schnelles Handeln

Im Marmarameer vor der türkischen Metropole Istanbul breitet sich eine Schleimplage aus. Präsident Erdogan ist besorgt, Experten fürchten gar ein „Massensterben“.

Istanbul - Das türkische Marmarameer vor Istanbul lädt aktuell so gar nicht zum Baden ein. „Meeresrotz“ oder „Meeresschleim“ wird die dickflüssige Grütze genannt, die an der Oberfläche des Wassers treibt. Die durch Algen ausgelöste Schleimplage ist allerdings nicht nur für Badegäste abschreckend, die Folgen für die Umwelt könnten schwerwiegend werden. Experten warnen vor einem „Massensterben“ der Meereslebewesen.

„Schleimkatastrophe“ vor Istanbul: Erdogan besorgt - Höhepunkt „noch nicht erreicht“

Am Wochenende äußerte sich auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan* zur Schleimplage vor Istanbul. Er führte das Phänomen auf unbehandelte Abfälle zurück und forderte schnelles Handeln. „Wir werden unsere Meere vor dieser Schleimkatastrophe retten“, erklärte Erdogan. Das Staatsoberhaupt der Türkei* sagte, das Umweltministerium sei angewiesen worden, die Bekämpfung der Plage zu koordinieren. Der Umweltminister kündigte daraufhin einen Katastrophenmanagementplan an.

Das Meer stehe unter hohem Stress, erklärt Bayram Öztürk, Biologe bei der Türkischen Stiftung für Meeresforschung und Professor an der Universität Istanbul. Neben dem Marmarameer breite sich der Schleim auch im nordägäischen Meer und im westlichen Schwarzen Meer aus. Schon seit den 1980er Jahren warnt Öztürk vor der Gefahr durch den „Meeresrotz“, wie er berichtet. Bislang habe es nichts bewirkt und der Höhepunkt sei „noch nicht erreicht“.

Schleimplage im Marmarameer in der Türkei: Experte fürchtet „Massensterben“ der Meereslebewesen

Der Schleim ist ein Ausscheidungsprodukt mancher Algen und treibt sowohl an der Meeresoberfläche als auch darunter. Über kurz oder lang setzt er sich am Meeresboden ab. Die Algen vermehren sich etwa durch höhere Temperaturen, erklärt Ekin Akoglu, Meeresbiologe an der Odtü-Universität in Ankara, der Hauptstadt der Türkei*. Die Schleimbildung würde auch durch unbehandeltes Abwasser begünstigt, das direkt ins Meer abgelassen wird. Die Küste des Marmarameeres ist dicht besiedelt. Neben der türkischen Metropole Istanbul liegen weitere Großstädte wie Bursa am Binnenmeer. Das Problem ist also auch menschengemacht.

Aktuell sorgt eine Schleimplage im türkischen Marmarameer für Sorgen bei Experten. Am Fischerhafen von Kartal, auf der asiatischen Seite Istanbuls, wabert eine dicke Schicht an der Oberfläche.

Die Schleimplage im Marmarameer besorgt neben Schwimmern auch Fischer. Sie können ihre Netze nicht auswerfen, weil diese entweder kaputtgehen oder zumindest stark verschmutzt und unbrauchbar werden. Vor allem aber bedroht der Schleim das Leben unter Wasser. Insbesondere für Organismen, die auf dem Meeresboden leben, habe die Plage negative Folgen, erklärt Akoglu. Als Beispiel nennt er Muscheln, deren Wachstum verlangsamt wird, wenn sie unter einer Schleimschicht liegen. Auch weiche Korallen könnten ihrer eigentlichen Aufgabe, dem Filtern des Wassers, nicht mehr nachkommen. Auf lange Sicht sei besonders der negative Einfluss auf das Zooplankton, von dem sich viele Fische ernähren, fatal. Nimmt dessen Menge ab, würden auch die Fischpopulationen weniger. Öztürk fürchtet sogar ein „Massensterben“ der Meereslebewesen.

Schleimplage in der Türkei: Experten fordern schnelles Handeln

Vom angekündigten Rettungsplan der Regierung halten die Experten bislang wenig. Bereits in der Vergangenheit habe es große Ankündigungen gegeben, passiert sei nicht wirklich etwas. Sie fordern nun klare und schnelle Schritte. Kurzfristig könne man den Schleim etwa mechanisch entfernen, sagt Akoglu. Auf lange Sicht brauche es neben einer globalen Klimapolitik, die dem Temperaturanstieg entgegenwirke, vor allem eine bessere Verarbeitung von Abwasser in der Türkei. Öztürk fordert zudem ausgewiesene Schutzzonen, durch die sich das Meer und seine Bewohner erholen könnten sowie mehr Forschung, um dem Problem auf den Grund zu gehen. (ph/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Hüseyin Aldemir/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Brütende Hitze in Deutschland - Zum Wochenstart Abkühlung

Brütende Hitze in Deutschland - Zum Wochenstart Abkühlung

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Meistgelesene Artikel

Asteroid nähert sich der Erde: Aufprall schon 2022 möglich - Schlimmer als Atom-Katastrophe

Asteroid nähert sich der Erde: Aufprall schon 2022 möglich - Schlimmer als Atom-Katastrophe

Asteroid nähert sich der Erde: Aufprall schon 2022 möglich - Schlimmer als Atom-Katastrophe
Corona-Symptome: Delta-Variante mit anderen Anzeichen? So erkennt man sie

Corona-Symptome: Delta-Variante mit anderen Anzeichen? So erkennt man sie

Corona-Symptome: Delta-Variante mit anderen Anzeichen? So erkennt man sie
Schwere Unwetter in Deutschlands Nachbarländern: Mehrere Verletzte nach Tornado in Belgien

Schwere Unwetter in Deutschlands Nachbarländern: Mehrere Verletzte nach Tornado in Belgien

Schwere Unwetter in Deutschlands Nachbarländern: Mehrere Verletzte nach Tornado in Belgien
Absurde Forderung der WHO: Gebärfähige Frauen sollen auf Alkohol verzichten

Absurde Forderung der WHO: Gebärfähige Frauen sollen auf Alkohol verzichten

Absurde Forderung der WHO: Gebärfähige Frauen sollen auf Alkohol verzichten

Kommentare