17 Tote bei Selbstmordanschlägen in Afghanistan

Kabul - Bei zwei Selbstmordanschlägen in Kabul sowie in der südlichen Provinz Urusgan kamen mindestens 17 Menschen ums Leben, darunter ein NATO-Soldat und zwei afghanische UN-Mitarbeiter.

Unbekannte feuerten zudem zwei Raketen auf den Amtssitz von Präsident Hamid Karsai in Kabul. Im nordafghanischen Kundus wurden Bundeswehr-Soldaten erneut in ein Gefecht mit Aufständischen verwickelt.

US-Präsident Barack Obama rief unterdessen zu Geduld im Kampf gegen die Extremisten auf. “Das wird nicht schnell gehen. Das wird nicht leicht sein“, sagte Obama. Ein Selbstmordattentäter der Taliban riss im Osten Kabuls zehn Menschen mit in den Tod, als er ein mit Sprengstoff beladenes Auto neben einem Konvoi der internationalen Truppen in die Luft sprengte. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte, 52 Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht worden. Die Schutztruppe ISAF teilte mit, bei dem Anschlag sei ein ausländischer Soldat getötet worden. Zur Identität des Opfers äußerte sich die ISAF wie üblich nicht. Nach Informationen aus der NATO-geführten Schutztruppe ist jedoch kein deutscher Soldat betroffen. Nach Angaben der Vereinten Nationen in Kabul sind unter den Toten auch zwei afghanische UN-Mitarbeiter.

Wenige Stunden vor dem Anschlag schlugen zwei Raketen in Kabul ein. Ein Geschoss sei im Garten des Präsidentenpalastes detoniert, das zweite in der näheren Umgebung, sagte ein Mitarbeiter des Palastes, der anonym bleiben wollte. Opfer habe es nicht gegeben. Bei dem Anschlag in Urusgan starben sechs Menschen, darunter der Selbstmordattentäter und drei afghanische Soldaten. Nach Angaben der Polizei sprengte sich der Täter an einem Armeeposten in die Luft. Bundeswehr-Soldaten und afghanische Polizisten hätten sich im nordafghanischen Unruhedistrikt Char Darah ein Gefecht mit Taliban geliefert, sagte Distriktchef Abdul Wahid Omarkhail der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr bestätigte den Beschuss deutscher Kräfte mit Handfeuerwaffen und Panzerabwehrhandwaffen. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert; unter den Deutschen habe es keine Verwundeten gegeben. Trotz der angespannten Sicherheitslage verteidigte US-Präsident Obama am Montag (Ortszeit) vor Veteranen im Bundesstaat Arizona noch einmal den Militäreinsatz als Notwendigkeit von größter Bedeutung für die Sicherheit der Vereinigten Staaten. “Wir dürfen niemals vergessen: Dies ist nicht ein Krieg der Wahl. Dies ist ein Krieg der Notwendigkeit.“ Die Terroristen, die Amerika am 11. September 2001 attackiert hätten, planten neue Anschläge. Würden die Taliban in Afghanistan nicht gestoppt, erhielte die El Kaida neue Zufluchtsorte.

Der Kommandeur der internationalen Afghanistan-Truppen, US-General Stanley McChrystal, räumte in Kabul jedoch ein, dass die Taliban derzeit so stark wie nie seit dem Sturz ihres Regimes Ende 2001 seien. “Die Lage hier ist ernst“, sagte McChrystal. Dennoch sei die Sicherheitslage so, dass die Wahl an diesem Donnerstag “in den meisten Landesteilen“ stattfinden könne. Unterdessen werden die Stimmen lauter, die vor Manipulationen bei der Abstimmung warnen. So gebe es nicht genügend Wahlbeobachter, sagte der Co-Direktor des Afghanistan Analysts Network, Thomas Ruttig, der dpa. “Wir stehen einer ganzen Reihe schwarzer Löcher gegenüber. Was in diesen schwarzen Löchern bei der Wahl passiert, kann man nicht sagen.“ Bereits bei der Präsidentenwahl vor fünf Jahren hatte es Unregelmäßigkeiten gegeben.

Der britische Sender BBC berichtete, dass im Land tausende Wahlausweise zum Verkauf stünden. Zudem seien Stammesältesten hohe Geldbeträge geboten worden, damit deren Anhänger für einen bestimmten Kandidaten stimmten. Die BBC beruft sich dabei auf eigene Recherchen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier hofft dennoch auf einen fairen Verlauf der Wahl. “Es geht darum, dass möglichst viele Afghaninnen und Afghanen ungehindert ihre Stimme abgeben können. Nur das wird die Glaubwürdigkeit der Wahl sichern.“ Nach Angaben des Afghanistan-Beauftragten Bernd Mützelburg hat die Bundesregierung darauf verzichtet, sich auf einen Kandidaten festzulegen. “Wer Präsident wird, ist ganz allein Sache des afghanischen Volkes.“

dpa

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